Air France-KLM schmiedet mit der arabischen Fluglinie Etihad ein Bündnis gegen Lufthansa - und könnte dabei Air Berlin einbeziehen. Er sei "ganz bestimmt offen" für Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin, sagte der Chef von Europas zweitgrößter Fluglinie, Jean-Cyril Spinetta, der FTD. Nach Angaben von Air-Berlin-Insidern strebt der deutsche Lufthansa -Rivale eine enge Kooperation mit dem französisch-niederländischen Konzern an. Dem soll ein sogenanntes Code-Share-Abkommen über Frankreich-Verbindungen vorgeschlagen werden, die nicht über das Drehkreuz Paris führen, sondern direkt zu kleineren Regionalflughäfen wie Marseille.
Spinetta sagte, Air Berlin sei noch nicht auf ihn zugekommen. Er machte aber deutlich, dass die Code-Share-Flüge Teil einer Vereinbarung sein könnten, die er derzeit mit Air-Berlin-Aktionär Etihad verhandelt. "Wir müssen über kreative Lösungen nachdenken, weil Etihad uns in seinem Heimatmarkt keine Inlandsverbindungen anzubieten hat", sagte er.
Die stark wachsende Airline Etihad ist im Golf-Emirat Abu Dhabi beheimatet, das als Knotenpunkt im Mittleren Osten an Bedeutung gewinnt, jedoch nur über einen kleinen Heimatmarkt verfügt. Das will Spinetta als Argument nutzen, um in den Verhandlungen mit den Arabern Vorteile für Air France-KLM zu erreichen. Dazu könnten auch Gemeinschaftsflüge mit Air Berlin zählen. Etihad ist mit knapp 30 Prozent der Anteile größter Aktionär von Air Berlin.
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Die geplante Kooperation von Air France-KLM und Etihad würde damit zum Doppelangriff auf Lufthansa führen. Zum einen könnten sowohl Air Berlin als auch Air France in Konkurrenz zum Branchenführer mehr europäische Strecken anbieten und so Kunden gewinnen. Auch gegenüber Billigfliegern wären die Franzosen dann bei Punkt-zu-Punkt-Verbindungen etwa zwischen Toulouse und Düsseldorf oder Berlin wettbewerbsfähiger. Air Berlin wiederum könnte sein neues Drehkreuz Berlin stärken.
Zum Zweiten vollzieht Air France-KLM mittels einer Allianz mit Etihad einen Strategiewechsel: Statt den erstarkenden Golf-Carrier weiter zu bekämpfen, will Spinetta zukünftig von ihm profitieren. Der Preis dafür wäre, Etihad in Europa mehr Entwicklungschancen zu lassen - ein Zugeständnis, das die Lufthansa strikt ablehnt. Etihad hat Interesse, sich stärker am Drehkreuz Paris zu positionieren und so gegenüber dem erfolgreicheren Rivalen Emirates aus Dubai aufzuholen.
Das Bündnis unter Einbeziehung von Air Berlin wäre nicht einfach, denn es müsste Lagergrenzen überwinden: Air Berlin tritt am 20. März dem Luftfahrtbündnis Oneworld bei, Air France-KLM hingegen steht an der Spitze von Skyteam. Und Etihad lehnt den Beitritt zu einer festen Allianz ab, um in der Bündnispolitik flexibel zu bleiben.
Spinetta sagte, er diskutiere mit der Golf-Airline Gemeinschaftsflüge zwischen Paris, Amsterdam und Abu Dhabi. Weitere Strecken würden geprüft. Ein Einstieg von Etihad bei Air France-KLM kommt für ihn aber nicht infrage.
Unterdessen muss die Kernmarke Air France saniert werden. Sie ist maßgeblich für den Nettoverlust von 809 Mio. Euro verantwortlich, den der Konzern 2011 verkraften musste. Das ist weit mehr als der Jahresverlust der Lufthansa von 13 Mio. Euro.