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Merken   Drucken   24.11.2011, 21:25 Schriftgröße: AAA

Luftfahrt: Airbus-Chef zweifelt an EADS-Zielen

Thomas Enders gilt als sicherer Kandidat für den Chefposten beim Mutterkonzern EADS. In einem Interview stellt er dessen angepeilte Balance der Geschäftsfelder bis 2020 infrage: Das Zivilgeschäft werde weit mehr Umsatz einbringen, als öffentliche Aufträge. von Gerhard Hegmann  München
Airbus wird auch im Jahr 2020 noch die dominierende Sparte des Mutterkonzerns EADS  sein. Die von EADS-Konzernchef Louis Gallois  Ende 2007 vorgestellte Langfristprognose über ein bis dahin angestrebtes 50:50-Umsatzgleichgewicht zwischen Airbus und den anderen Segmenten des Konzerns wie Rüstung, Hubschrauber und Raumfahrt ist nach Ansicht des Airbus-Chefs Thomas Enders unrealistisch.
In einem Interview mit der "Börsen-Zeitung" plädiert er daher für eine Neueinschätzung der Langfristziele, zumal die öffentlichen Ausgaben sinken. Enders rechnet vor, dass einschließlich der Umsätze des Propellermaschinenherstellers ATR derzeit fast 75 Prozent des Konzernumsatzes aus der Zivilluftfahrt kommen.
Airbus-Chef Thomas Enders   Airbus-Chef Thomas Enders
Mit den Äußerungen beerdigt Enders die Idee der Gleichgewichtsstrategie für den Konzern. Der 52-Jährige gilt als sicherer Nachfolger für Konzernchef Gallois. Die Schlüsselentscheidungen für die Personalie könnten noch in diesem Jahr fallen. Der Managementwechsel selbst wird Mitte 2012 erwartet.
Gallois hatte in jüngster Zeit zwar auch mehrfach erklärt, dass es schwieriger werde, bis 2020 ein ausgewogenes Kräfteverhältnis zwischen den Sparten bei den dann angepeilten 80 Mrd. Euro Umsatz zu erreichen. Er sprach von einem Luxusproblem angesichts voller Airbus-Auftragsbücher. Die Idee von Gallois' Strategie ist ein Risiko- und Umsatzausgleich zwischen Zivilgeschäft und öffentlichen Aufträgen bis 2020. Konkurrent Boeing ist das bereits gelungen.
Mit dem Hinweis auf die steigenden Airbus-Bestellungen stellt Enders ab 2015 eine weitere Produktionsausweitung in Aussicht. Der Engpass sei nicht die Montage, sondern die Produktion der Komponenten. Für die Flugzeugmontage habe Airbus sehr leistungsfähige Werke in Europa und China, "die sich bei Bedarf auch weiter ausbauen lassen". Auch die Produktion des Riesenairbus A380 steige kontinuierlich. 2012 sollen mindestens 30 Modelle ausgeliefert werden, nach 24 bis 26 in diesem Jahr.
Nach Informationen der "Börsen-Zeitung" sollen bei Airbus 2012 erneut mehr als 4000 Mitarbeiter eingestellt werden. Dabei blieb offen, wie viele Stellen neu geschaffen werden.
  • Aus der FTD vom 25.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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