Machtpoker:Schaeffler-Banken sichern sich Zugriff auf Conti-Aktien
Im Ringen um die Macht bei Continental haben Schaefflers Banken eine mächtigere Position als bekannt. Nach FTD-Informationen können sie auf Continental-Aktien aus Schaeffler-Besitz zugreifen, wenn die Franken ihre Schulden nicht drücken. von Sven Clausen und Kristina Spiller (Hamburg)
Dieser Passus aus den Kreditverträgen greife zum ersten Mal, wenn Schaefflers Verschuldung Mitte Januar nicht unter 10,5 Mrd. Euro liege, hieß es im Umfeld der Banken der beiden Autozulieferer. Der zweite Termin stehe Mitte Juli an. Dann müssten die Franken ihre Verschuldung auf unter 7,5 Mrd. Euro gedrückt haben. Schafft der Familienkonzern das nicht, können die Banken Conti-Aktien aus dessen Besitz zwangsverwerten. Der von Schaeffler kontrollierte Aktienanteil an dem ehemaligen Dax-Konzern würde dadurch wieder sinken.
Am Freitag hatte die EU-Kommission die Übernahme des Dax-Konzerns durch die Franken durchgewinkt. Daher muss der Familienkonzern jetzt seinen Kredit abrufen, um den Continental-Aktionären deren Papiere abzukaufen. Die Verschuldung Schaefflers steigt damit auf voraussichtlich rund 10 Mrd. Euro. Angesichts der schwierigen Lage in der Autobranche gilt es als unwahrscheinlich, dass Schaeffler die Verschuldung 2009 aus eigener Kraft stark senken kann. Den Kredit stellen je zu etwa einem Sechstel die Royal Bank of Scotland, HypoVereinsbank, Commerzbank, Dresdner Bank, LBBW und UBS.
Die Banken halten es für möglich, dass Schaeffler spätestens im Juli die Verschuldungsvorgabe nicht erfüllt. Dann können die Banken Teile der Conti-Aktien übernehmen und verkaufen. Wie groß der Anteil dieser Papiere ist, war nicht in Erfahrung zu bringen. Die Zwangsverwertung ist für die Banken ein wichtiges Sicherheitsnetz für ihre Megakredite. Die Kredite an Schaeffler stellen bei den beteiligten deutschen Banken jeweils das größte Klumpenrisiko in den Kreditbüchern dar. Besonders für die Commerzbank ist das problematisch, da sie nach dem Kauf der Dresdner Bank 2009 auch noch deren Engagement in den Büchern hat. Die Beteiligten lehnten einen Kommentar ab oder waren nicht zu erreichen.
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