Der Branchenverband VDMA hob am Donnerstag seine Prognose für das laufende Jahr an, 2008 soll dann das fünfte Wachstumsjahr in Folge werden. "Eine solch dynamische Wachstumsphase haben wir zuletzt im Zeitraum 1958 bis 1962 erlebt", sagte VDMA-Präsident Dieter Brucklacher. Neben einem Arbeitskräftemangel setzen Engpässe beim Material und die hohe Produktionsauslastung der Branche Grenzen.
Mit der Anhebung der Prognose für das Produktionsvolumen hat der VDMA inzwischen reichlich Übung. Ursprünglich war der Verband für 2007 mit einem Ausblick von plus drei Prozent gestartet. Schon bald hob er die Prognose auf fünf, dann auf neun und am Donnerstag schließlich auf elf Prozent an. Damit kämen die rund 6000 Hersteller auf ein Produktionsvolumen von 181 Mrd. Euro - das ist fast doppelt so viel wie 1990. Von Januar bis August stieg der Auftragseingang um 18 Prozent. "Die jüngsten Ergebnisse lassen also weiterhin kein Erlahmen der Wachstumskräfte erkennen", sagte Brucklacher. Für 2008 prognostizierte er zunächst ein Wachstum von fünf Prozent.
Kunden aus aufsteigenden Märkten wie China und Indien oder Rohstoffe fördernden Staaten wie Russland rennen den Herstellern von Maschinen "Made in Germany" die Türen ein. Gefragt sind dem VDMA zufolge unter anderem Anlagen für die Hüttentechnik, die Holzverarbeitung, die Baustoffindustrie sowie Turbinen und Werkzeugmaschinen. Im Inland hätten die Investitionen ebenfalls deutlich angezogen, was für zusätzlichen Auftrieb gesorgt habe.
Mit Sorge betrachtet die zu fast 80 Prozent auf den Export orientierte Branche jedoch die Entwicklung des Euro. Nicht nur wegen des schwachen Dollar, sondern auch durch den gefallenen Yen seien Aufträge an die Konkurrenz verloren gegangen. Wegen der Vorlaufzeit würden die Auswirkungen aber erst Mitte kommenden Jahres richtig sichtbar. "Wenn der Euro nachhaltig über 1,40 $ liegt, wird sich das in der zweiten Jahreshälfte bei den Auftragseingängen bemerkbar machen."
In diesem Jahr hat die überwiegend mittelständisch geprägte Brache dem VDMA zufolge 30.000 neue Stellen geschaffen. Mit 915.000 Beschäftigten ist der Maschinenbau noch vor dem Autobau der größte Industriezweig in Deutschland. Bis Jahresende kämen noch mindestens 5000 Arbeitsplätze hinzu. "Eigentlich bräuchten wir noch gut 10.000 Arbeitskräfte mehr, so dass wir auf rund 930.000 Beschäftigte kämen - wenn wir, wie gesagt, die offenen Stellen besetzen könnten", sagte der VDMA-Präsident.
Für das kommende Jahr fällt die Prognose mit einem erwarteten Plus von fünf Prozent etwas bescheidener aus, doch wollte Brucklacher nicht von einem Ende des Aufschwungs sprechen. Er sehe "mit einem gewissen Stolz", dass die Branche dieses Wachstum bewältigt habe. Elf Prozent Plus wie in diesem Jahr sei nicht die Normalität, sondern eine "solitäre Entwicklung". Auch fünf Prozent im nächsten Jahr müssten zunächst erarbeitet werden.