Um mehr als 60 Prozent hat die Kuka -Aktie seit Jahresanfang zugelegt. Das MDAX-Mitglied ist Nutznießer des anhaltenden Trends in der Autoindustrie, die Produktionslinien zu automatisieren. Hier ist Kuka mit seinen Industrierobotern weltweit die Nummer eins vor Wettbewerbern wie Fanuc oder ABB . Für den Run sorgen vor allem neue Produktionsstätten in China und anderen Schwellenländern.
Jüngster Coup ist ein Großauftrag von Volkswagen . Er sieht vor, dass Kuka bis 2014 insgesamt 6000 Roboter des neuen Typus KR Quantec an diverse Standorte liefert - von den Stückzahlen her gesehen ist das die größte Einzelorder der Firmengeschichte.
Das Zahlenwerk für das dritte Quartal untermauert den positiven Trend bei Umsatz und Rendite, signalisiert aber bei den Auftragseingängen eine nachlassende Wachstumsdynamik. Kuka könne sich nicht mehr der konjunkturellen Eintrübung in der Autobranche entziehen, sagt Analyst Benjamin Gläser von der Berenberg Bank. Umso mehr müsse die Firma ihre Marktanteile in anderen Sparten ausweiten, etwa im Flugzeugbau, der Palettierung von Nahrungsmitteln oder in der Metallverarbeitung: "Die Fertigung von Werkzeugmaschinen bietet noch ein weites Einsatzfeld für Roboter. Hier kann sich Kuka auf Sicht von vier Jahren eine lukrative Marktnische erschließen", so Gläser.
Bei den Margen Boden gutgemacht hat der zweite Geschäftsbereich Systems: Der Anlagenbau bei Kuka reicht von Karosserien bis zur Montage und von der Bauteileentwicklung bis zum Betreiben von Fabriken. Diese Sparte erreichte im dritten Quartal 2012 die angestrebte Zielmarge von fünf Prozent. Firmeninsider halten jetzt den Zeitpunkt für gekommen, dass die angestrebte Veräußerung dieses Bereichs in die heiße Phase übergeht.
Eine Schüsselrolle spielt Kukas Hauptaktionär. Die familiengeführte schwäbische Firma Grenzebach hält 24,4 Prozent und übte bereits in der Vergangenheit entscheidenden Einfluss aus. So betrieb sie im Krisenjahr 2009 die Ablösung des Vorstandschefs durch den heutigen Konzernlenker Till Reuter, einen Investmentbanker, der Kuka schnell auf Profitabilität trimmte. Analyst Gordon Schönell vom Bankhaus Lampe erwartet, dass die Sparte Systems in einem Joint Venture mit der Schweizer Firma Swisslog aufgeht. An der wiederum hält Grenzebach 21,5 Prozent. Schönell sieht auch für Kuka große Synergien: "Erklärtes langfristiges Ziel ist, sich als reiner Hersteller von Industrierobotern zu positionieren. Durch ein Joint Venture ließe sich das Segment Anlagenbau ausgliedern, ohne diese Sparte zu veräußern."
Der Mehrwert für Investoren? "Der Aktienkurs von Kuka bekommt weiteren Spielraum nach oben", meint Berenberg-Analyst Gläser. Denn: "Die Märkte würden Kuka als reinem Robotikspezialisten eine höhere Bewertung zugestehen." Als mögliche Interessenten für eine Roboterfirma werden Siemens und ABB gehandelt. Für Großaktionär Rudolf Grenzebach würde sich ein solcher Deal auszahlen. Privatanleger wiederum können sich darauf freuen, dass Kuka aller Voraussicht nach für das Geschäftsjahr 2012 erstmals seit 2007 wieder eine Dividende ausschüttet.