Wenn es um Luxus geht, dann spricht man in Deutschland vor allem über Autos. Mercedes, BMW , Porsche sind die Namen, die fallen. Etwa 40 Prozent des Geldes, das die Deutschen für Luxus ausgeben, stecken sie in teure Karossen, wie die Unternehmensberater von Roland Berger errechnet haben. Allenfalls für Luxusuhren interessiert man sich hierzulande noch. Nicht aber für teure Kosmetik, Accessoires oder Kleidung.
Unter dem Strich ist der Luxus in Deutschland unterentwickelt. Das meint zumindest eine Gruppe von Luxusherstellern, die sich am Freitag in Berlin trifft. "Bisher fehlte der Branche eine Stimme, die das Leistungsspektrum und die Vielfalt der Luxussparte in Deutschland kommuniziert", klagt Clemens Pflanz, Initiator des Berliner Treffens.
In der Hauptstadt, passenderweise im Luxushotel Adlon, kommen nun die Vertreter von mehr als 40 edlen Marken zusammen, um den sogenannten Meisterkreis zu gründen. Ein "deutsches Forum für Luxus", wie Pflanz es nennt, soll es werden. Ziel sei es, die Bedeutung des Luxus hierzulande zu beleuchten.
Zudem hat sich die Initiative vorgenommen, die Ausbildung in der Luxusbranche zu fördern sowie die Meisterkreis-Mitglieder international zu vertreten. Vorbilder sind Walpole aus Großbritannien, Comité Colbert aus Frankreich sowie die italienische Luxusorganisation Altagamma, die durch ihre Studien zur wirtschaftlichen Entwicklung des Luxusmarkts bekannt ist.
Wer die Liste der angehenden Meisterkreis-Mitglieder liest, findet schillernde Namen: etwa den Accessoires-Produzenten Montblanc, die Porzellanfirmen Nymphenburg und Meissen, Modeschöpfer Iris von Arnim, die Automarke Maybach oder das Weingut Robert Weil.
Aber auch Dior, Chanel oder Louis Vuitton sind unter den Mitgliedern des Kreises. Marken, die aus Frankreich kommen. Was hat das noch mit deutschem Luxus zu tun? "Der Meisterkreis ist Botschafter für Luxus aus Deutschland und Luxus in Deutschland", rechtfertigt Pflanz, einst Deutschland-Chef von Dior. Viele der ausländischen Luxushersteller seien seit Jahrzehnten auf dem deutschen Markt. "Sie haben die Vorstellung der Deutschen, was Luxus ist, nachhaltig geprägt. Eine Auseinandersetzung mit dem Thema wäre ohne diese Marken nicht möglich", so Pflanz.
So offen sich die neue Lobbyorganisation für Luxusmarken aus dem Ausland gibt, so restriktiv ist sie wiederum bei der Auswahl heimischer Anbieter. Längst nicht jeder darf mitmachen, der sich für luxuriös hält. So steht es in den Statuten. Autobauer Mercedes beispielsweise oder Textilhersteller Hugo Boss hätten kaum Chancen, beim Meisterkreis dabei zu sein. Dafür ist ihr Vertrieb nicht exklusiv genug. An zu vielen Verkaufsstellen im Land können Konsumenten ihre Produkte kaufen - auch wenn sie dafür durchaus viel Geld ausgeben.