China will seinen gewaltigen Energiebedarf mit riesigen Zukäufen im Ausland decken. Am Montag wurden gleich zwei Übernahmen durch staatliche Firmen bekannt: Der chinesische Ölkonzern CNOOC bietet für das kanadische Energieunternehmen Nexen 15,1 Mrd. Dollar. Wenig später teilte Sinopec mit, für 1,5 Mrd. Dollar beim Ölmulti Talisman einsteigen zu wollen.
Vor allem der CNOOC-Deal ist aufsehenerregend. Das chinesische Staatsunternehmen bot den Kanadiern 27,50 Dollar pro Aktie – ein Aufschlag von 61 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag. Sollte sich der Konzern mit diesem Angebot durchsetzen, wäre es die größte chinesische Übernahme im Ausland aller Zeiten.
China braucht den Zugang zu Rohstoffen, um das eigene Wachstum nicht auszubremsen. Energiesicherheit ist ein dringliches Thema auf Pekings Agenda. Das Land ist auf Öl- und Gasimporte angewiesen, fördert nicht einmal halb so viel, wie es verbraucht.
Staatliche Energiekonzerne sind deshalb dazu angehalten, im Ausland zu investieren. Allein CNOOC plante oder realisierte nach Erhebungen des Analysehauses Global Data zwischen 2010 und März 2012 sieben Auslandsübernahmen. Die Reserven des Unternehmens reichen dennoch nur für neun Jahre – ein sehr kleiner Wert im internationalen Vergleich. Der Kauf von Nexen würde ihn schlagartig um 30 Prozent erhöhen, teilte CNOOC mit. Nexen galt Analysten bereits länger als Übernahmekandidat. Sie hatten die Aktie als sehr günstig eingestuft. Der Kaufpreis wirke deshalb hoch, sei jedoch bei den großen Öl- und Gasreserven angemessen. Der Verwaltungsrat von Nexen stimmte der Übernahme bereits zu. Noch allerdings fehlen Genehmigungen verschiedener Behörden in China, den USA und Kanada. Gerade dort könnte es heftige Gegenwehr geben. Die Firmen der Volksrepublik investieren zwar seit Jahren im Ausland. Sie konzentrierten sich dabei jedoch auf Rohstoffprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern. In westlichen Volkswirtschaften schlagen sie erst seit Kurzem zu – oft mit heftiger Gegenwehr. Besonders in den USA taten sich Chinas Firmen bisher schwer. Oftmals verhinderten Sorgen um die nationale Sicherheit die Übernahmen. So musste CNOOC 2005 sein 18,5-Mrd.-Dollar-Angebot für Wettbewerber Unocal nach Protest aus Washington zurückziehen.
In Kanada hingegen hat CNOOC bereits mehrere Konzerne übernommen, ohne auf größere politische Widerstände zu stoßen. So wurde etwa der insolvente Ölsandförderer Opti Canada im vergangenen Jahr für 2,1 Mrd. Dollar von den Chinesen geschluckt. Um die Politik auch beim jetzigen Megadeal zu beschwichtigen, versprach das Unternehmen, eine zweite Konzernzentrale in Calgary einzurichten und die Firma an der Börse in Toronto zu listen. Ähnliches könnte auch der chinesischen Firma Sinopec bevorstehen. Sie plant ebenfalls die Übernahme eines kanadischen Ölmultis. Das Staatsunternehmen will für 1,5 Mrd. Dollar 49 Prozent der Großbritannien-Tochter des Talisman-Konzerns kaufen. Die Firma ist der sechstgrößte Öl- und Gasförderer Kanadas, Sinopec das größte Ölraffinerieunternehmen der Volksrepublik. Mit dem Kauf bekäme China Zugang zu Öl- und Gasquellen in der Nordsee.