FTD.de » Unternehmen » Industrie » Chinesen schlucken deutschen Pumpenbauer

Merken   Drucken   29.01.2012, 19:56 Schriftgröße: AAA

Millionenschwere Übernahme: Chinesen schlucken deutschen Pumpenbauer

Die Sany-Konzern des chinesischen Milliardärs Liang Wengen kauft den Technologieführer Putzmeister. Der Preis für die Übernahme soll bei 500 Mio. Euro liegen. von Heimo Fischer  Stuttgart
Zum ersten Mal in der deutschen Unternehmensgeschichte hat ein chinesischer Konzern einen bedeutenden Technologieführer geschluckt. Am Freitag übernahm der Baumaschinenhersteller Sany den Betonpumpenanbieter Putzmeister aus dem schwäbischen Aichtal. Über den Preis machten beide Seiten keine Angaben. Wie aus Finanzkreisen verlautete soll er bei etwa 500 Mio. Euro liegen. Das entspricht in etwa dem Jahresumsatz von Putzmeister.
Chinesische Firmen suchen mit Hochdruck nach Übernahmezielen in Europa, um sich Technik und Marktchancen zu sichern. Vergangenes Jahr kaufte der chinesische Computerhersteller Lenovo den Aldi-Lieferanten Medion für mehr als 600 Mio. Euro. Auf der Lauer liegen auch chinesische Autobauer - etwa beim schwäbischen Getriebehersteller Getrag. Der SAIC-Konzern aus Schanghai interessierte sich vor zwei Jahren für den Kühlerspezialisten Behr. Das Unternehmen ging damals allerdings an den in Stuttgart sitzenden Mahle-Konzern.
Sany stellt unter anderem Betonpumpen her   Sany stellt unter anderem Betonpumpen her
Übernehmen Chinesen die Macht in deutschen Betrieben, wird daraus leicht ein Politikum. Im Fall Putzmeister ruft die IG Metall für Montag zu einer Protestkundgebung auf. Die Gewerkschafter fürchten den Abbau von Jobs. Das Management hatte zuvor erklärt, Putzmeister werde als unabhängige Marke bestehen bleiben. Sany will Aichtal außerdem zum Hauptsitz für Betonausrüstungen außerhalb Chinas machen. Putzmeisters Co-Chef Norbert Scheuch soll in den Sany-Vorstand einziehen.
Chinas Lieblinge
Zulieferer Besonders beliebt bei chinesischen Investoren sind deutsche Autozulieferer: 2011 kaufte der Finanzinvestor Joyson aus Schanghai den Steuerungselementespezialisten Preh; der insolvente Lieferant von Autodichtungen Saargummi ging an den Industriekonzern Chongqing Light and Textile.
Computer Mit dem Kauf des deutschen Computerhändlers Medion für 600 Mio. Euro erwarb der chinesische PC-Hersteller Lenovo einen 14-Prozent-Anteil am deutschen Markt - und stärkte damit sein Europa-Geschäft.
Leichtbau Den Hildesheimer Leichtmetall-Zulieferer KSM Castings kaufte der Alufelgenhersteller Citic Dicastal Wheel vor einem Jahr für 300 Mio. Euro.
Kernprodukte der Schwaben sind auf Schwerlaster montierte Pumpen, die aussehen wie überdimensionierte Insektenfühler. Sie können über ein auf bis zu 70 Meter ausfaltbares Rohr auch entlegenste Winkel am Bau mit Beton füllen. Der Preis kann bei bis zu 2 Mio. Euro liegen. Unternehmensgründer Karl Schlecht hatte die Maschinen in den 60er-Jahren konzipiert und weiterentwickelt. Die Firma gehört heute zwei Stiftungen.
Die Pumpen von Putzmeister waren unter anderem am Katastrophenkraftwerk von Fukushima im Einsatz, um Wasser auf die heißen Reaktoren zu werfen oder von oben hineinzuschauen. Die Pumpen aus Aichtal gelten als die besten in der Baubranche. Doch auch die chinesische Konkurrenz holt in Sachen Qualität auf. In Fukushima waren daher auch Pumpen von Sany im Einsatz.
Putzmeister hat eine lange Durststrecke hinter sich. Im Jahr 2007 machte das Unternehmen noch mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz. Als die Immobilienblasen in Amerika und Südeuropa platzten und die Bautätigkeit erlahmte, brach der Umsatz um die Hälfte ein. Es gab Entlassungen. Heute arbeiten 3900 Beschäftigte bei Putzmeister. Führungskräfte des Unternehmens deuteten in den vergangenen Monaten an, dass die Kosten wegen zu geringer Produktionsmengen aus dem Ruder laufen könnten. Deshalb sollte die Fertigung gestrafft werden. Zuletzt machte sich Angst vor einer neuen Krise breit. Firmengründer Karl Schlecht floh wohl auch deshalb unter die Fittiche eines großen Partners. "Der Zusammenschluss ist ein Vorzeigebeispiel einer globalen Transaktion", sagte er.
Sany gehört zu den wenigen chinesischen Konzernen, die im Mehrheitsbesitz eines Gründers sind. Liang Wengen gilt als einer der reichsten Männer des Landes. Sein Vermögen soll bei 11 Mrd. Dollar liegen. Dennoch kaufte er Putzmeister nicht allein. Das chinesischen Private-Equity-Unternehmen Citic wird Minderheitseigner. Sany beschäftigt 70.000 Mitarbeiter und bietet die gesamte Bandbreite von Baumaschinen an. Der Konzern genieße einen guten Ruf, sagte der Chef eines großen deutschen Autozulieferers zur FTD. "Das Unternehmen sollte man künftig im Auge behalten."
  • Aus der FTD vom 30.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  17:51 Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12424,21  [4.35 +0,04%
  Nasdaq Composite 2824,36  [-13 -0,46%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote