FTD.de » Unternehmen » Industrie » Der Kredit ist noch immer die erste Wahl
  FTD-Serie: Risikoschutz für Unternehmen

Ist der Kunde pleite und zahlt die Rechnung nicht, haben Unternehmen ein echtes Problem. Mit einer Kreditversicherung können sich Firmen davor schützen, auf offenen Rechnungen sitzen zu bleiben. Diese FTD-Serie erklärt, wo Gefahren lauern und wie Unternehmen sich dagegen wappnen können.

Merken   Drucken   07.06.2007, 10:00 Schriftgröße: AAA

Mittelstand: Der Kredit ist noch immer die erste Wahl

Viele Mittelständler haben sich auf die neuen Vergaberegeln eingestellt: Sie erstatten stets Bericht an ihre Bank und arbeiten an ihrem Rating. Denn der Kredit bleibt für sie die wichtigste Geldquelle. von David Selbach
Schulnoten für Kreditinstitute - wie Unternehmen die Banken bewerten   Schulnoten für Kreditinstitute - wie Unternehmen die Banken bewerten
Seit dem 1. Januar sind die neuen Kreditvergaberegeln nach Basel II in Kraft: Jetzt müssen Banken für jeden Kredit so viel Eigenkapital vorhalten, dass sie einen Ausfall decken können. Und glaubt man Politikern und Unternehmerfunktionären, dann würden Mittelständler wie Matthias Krieger heute praktisch keinen bezahlbaren Kredit mehr bekommen.
Krieger leitet in Dingelstädt bei Göttingen ein Bauunternehmen und gehört damit zu einer seit Langem krisengeschüttelten Branche. Er ist von Beruf Baustatiker, hat nach eigener Aussage "keine Ahnung von Management", und sein Betrieb ist mit gerade einmal 50 Mitarbeitern nicht unbedingt groß.
Eine Umfrage des Mainzer Marktforschunginstituts Forum ergab, dass mittelständische Unternehmer meinen, unter den neuen Kreditregeln seien Kredite teurer geworden, und man erhalte immer schwerer eine Zusage.
"Das stimmt nicht", widerspricht Jörg Wohlers, Firmenkundenvorstand der Hamburger Sparkasse (Haspa). Zwar seien eine Zeitlang weniger Kredite vergeben worden, das habe aber auch an der schwächelnden Konjunktur gelegen.
Ohne Berichterstattung geht nichts
"Der klassische Kredit ist immer noch das Hauptprodukt", sagt Wohlers. "Für die meisten kleineren Mittelständler ist er die Finanzierungsart der Wahl." Bei Unternehmen mit weniger als 10 Mio. Euro Jahresumsatz liege der Anteil von Krediten an der Rundumfinanzierung bei mehr als 90 Prozent. Auch im gehobenen Mittelstand mache der klassische Kredit bei seinen Kunden sicher noch über 80 Prozent aus, betont Wohlers.
Laut der aktuellen "Mind"-Studie des Wirtschaftsmagazins "Impulse" - Mind steht für Mittelstand in Deutschland - ist für 26,3 Prozent der befragten Firmen der Bankkredit die wichtigste Kapitalquelle. Notgedrungen haben sich nun die Unternehmen auf die neuen Regeln eingestellt: Bevor Banken Kredite vergeben, unterziehen sie ihre Kunden einem Rating.
Sie prüfen die Bilanz, analysieren Vermögen, Umsatz und Gewinnentwicklung und verlangen eine Finanz- und Umsatzplanung für die nächsten fünf Jahre. Am Ende gibt es eine Note für die Kreditwürdigkeit, die sogenannte Bonität. Die meisten Mittelständler legen daher inzwischen regelmäßig ihren Jahresabschluss, Quartalsberichte oder die betriebswirtschaftliche Auswertung bei der Hausbank vor - einige erstatten sogar monatlich Bericht.
Rating bestimmt Zinssatz und Laufzeit
Manche Banken benoten nach der Skala von Standard & Poor's von "AAA" (sehr gut) bis "CCC" (ungenügend). Andere haben Punktesysteme entwickelt. "Die Noten unterscheiden sich aber nur formal", sagt Bernd Rödl, Experte für die Finanzierung von Familienunternehmen. "Sie lassen sich eins zu eins übersetzen und bezeichnen immer die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kredit ausfällt."
Das Rating wirkt sich nicht nur auf die Höhe der Zinsen, sondern auch auf die Laufzeit aus. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat in einer breit angelegten Untersuchung von 5000 anonymen Kundenakten großer Banken festgestellt, dass nicht Kapitalgesellschaften mit Top-Bonität die Kredite mit den längsten Laufzeiten bekommen, sondern solche mit mittleren Ratings.
Der Grund: Firmen mit Top-Ratings vertrauen darauf, stets eine Anschlussfinanzierung zu bekommen, und fragen lange Laufzeiten erst gar nicht nach. Betriebe mit schlechten Noten wiederum erhalten gar keine langfristige Finanzierung.

Lesen Sie mehr über die wichtigsten Rating-Faktoren

  • FTD.de, 07.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  17:51 Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12425,23  [5.37 +0,04%
  Nasdaq Composite 2825,02  [-12.34 -0,43%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote