Der Grund für diesen Wettbewerbsnachteil klingt banal: Die Absolventen kennen die Mittelständler nicht oder nicht gut genug, so die Unternehmensberater. Dabei versuchen die Unternehmen auf viele unterschiedliche Arten, bei den Absolventen bekannter zu werden.
Ein Ausflug ins Packtal
"Packaging Valley" nennt sich der württembergische Kreis Schwäbisch Hall, weil dort mehr als 40 Verpackungsmaschinenhersteller beheimatet sind, darunter zahlreiche Weltmarktführer. Arbeitnehmer und Bundesagentur für Arbeit freuen sich über eine Arbeitslosenquote von etwa drei Prozent - nahezu Vollbeschäftigung.
Viele Unternehmen dagegen fürchten um ihre Zukunft, denn sie benötigen dringend Fach- und Führungskräfte. So zum Beispiel der Schwäbisch Haller Hersteller von Flugzeugsitzen, Recaro Aircraft Seating. "Wir brauchen qualifiziertes Personal für Entwicklung, Projektmanagement und Programm-Management, sagt Geschäftsführer Axel Kahsnitz. "Unser Wachstum wird gesteuert durch den Zugang zu Technikern, Ingenieuren und Sachbearbeitern im Bereich Luftfahrt."
Die Schwaben wollten dieses Schicksal nicht hinnehmen und machten im Herbst vergangenen Jahres mit einer ungewöhnlichen Werbeaktion auf sich und andere Mittelständler in ihrer Region aufmerksam. Die Städte Schwäbisch Hall und Crailsheim sowie der Landkreis Schwäbisch Hall und die Arbeitsagentur ließen eine zwölfseitige Zeitungsbeilage drucken; Gesamtauflage: 250.000 Exemplare. Damit präsentierten sie sich auf Messen und Jobbörsen in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Die Bilanz fiel am Ende "sehr ernüchternd" aus, sagt Schwäbisch Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Von anfangs 30.000 Kontaktadressen blieben etwa 600 Interessenten übrig. Rund 20 Bewerbungsgespräche wurden geführt, vier Arbeitsverträge abgeschlossen. "Ich hätte mir mehr Mobilität gewünscht", sagt der Oberbürgermeister. Dabei ging es nicht in erster Linie um Ingenieure oder andere Akademiker, sondern um Fachkräfte wie Elektriker oder Mechatroniker.
Was Absolventen wünschen
Doch es liegt nicht allein an der fehlenden Mobilität der Arbeitssuchenden. "Nachwuchskräfte orientieren sich primär in Richtung großer Konzerne", haben Wissenschaftler des Deloitte-Mittelstandsinstituts an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg festgestellt. "Mittelständler üben eine vergleichsweise geringe Anziehungskraft aus, weil solche Unternehmen schlicht nicht wahrgenommen werden", sagt Herbert Reiß, geschäftsführender Partner und Leiter des Mittelstandsprogramms bei Deloitte. VDI-Direktor Willi Fuchs bestätigt das: "Der Mittelstand hat beim Werben um die Topabsolventen der Unis fast immer das Nachsehen."