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  FTD-Serie: Risikoschutz für Unternehmen

Ist der Kunde pleite und zahlt die Rechnung nicht, haben Unternehmen ein echtes Problem. Mit einer Kreditversicherung können sich Firmen davor schützen, auf offenen Rechnungen sitzen zu bleiben. Diese FTD-Serie erklärt, wo Gefahren lauern und wie Unternehmen sich dagegen wappnen können.

Merken   Drucken   23.06.2007, 08:00 Schriftgröße: AAA

Mittelstand: Neues Geld direkt vom Kapitalmarkt

Verbriefungen sind ein günstiges Finanzmittel. Anders als beim Factoring werden die Forderungen dabei nicht von einer Bank gekauft, sondern direkt am Kapitalmarkt platziert. Aber nicht jede Forderung eignet sich dazu. von Yasmin Osman
"Der Flaschenhals für Leasingfirmen ist schon immer die Refinanzierungsseite gewesen", sagt Gerhard Fischer, Vorstand der zum Albis-Konzern gehörenden Leasetrend. Das Leasinggeschäft ist kapitalintensiv, und Banken waren in der Vergangenheit nicht immer willige Geldgeber. Leasetrend löste dieses Problem auf eine im Mittelstand noch nicht sehr verbreitete Art und Weise: Das Unternehmen platziert seine Kundenforderungen am Kapitalmarkt. Anders als beim Factoring werden die Forderungen dabei nicht von einer Bank gekauft, sondern direkt am Kapitalmarkt platziert.
Die Platzierung erfolgt über Plattformen, die Forderungen aufkaufen, bündeln und am Kapitalmarkt verbriefen. Anleger kaufen dann Anleihen, die mit breit gestreuten Forderungen besichert sind, im Fachjargon Asset-Backed Securities (ABS) genannt. Bei Mittelständlern werden die Forderungen meist über kurzfristige ABS-Bonds mit einer Höchstlaufzeit von zwei Jahren finanziert. Diese Papiere heißen Asset-Backed Commercial Papers (ABCP).
Vorteil für kleinere Firmen Die notwendigen Plattformen, Conduits genannt, werden mittlerweile von vielen Finanzinstituten angeboten. "Conduits haben den Vorteil, dass sie flexibler sind als ABS-Anleihen. Man braucht nämlich nicht von vornherein ein großes Forderungsvolumen, sondern die Unternehmen können in das Programm schrittweise hineinwachsen", sagt Oliver Fürst, Leiter strukturierte Produkte beim Finanzdienstleister State Street. Das sei vor allem für kleinere Firmen ein Vorteil.
Noch arbeiten eher größere Mittelständler mit solchen Conduits. "Wir gehen aber davon aus, dass zunehmend Unternehmen mit Umsätzen unter 300 Mio. Euro dieses Instrument nutzen werden", sagt Martin Scheele, Leiter des Bereichs Asset-Backed Securities der Hessischen Landesbank. Leasetrend nutzt Conduits oft. "Fast die Hälfte unseres gesamten Forderungsbestands wird darüber strukturiert und abgewickelt. Gegenüber der traditionellen Finanzierung ist das billiger", sagt Fischer. Ihm gefällt, dass er durch die Strukturierung der Forderungen zu Disziplin gezwungen wird. "Daher ist das für uns auch ein interessantes betriebswirtschaftliches Steuerungsinstrument."
Neben Disziplin nennen Banken noch mehr Voraussetzungen. "Die verkauften Forderungen sollten einigermaßen diversifiziert sein", sagt Scheele. Konzentriere sich das Portfolio auf wenige Schuldner, lasse sich das aber auch durch Kreditversicherungen auffangen. Auch ein Mindestaufkommen ist notwendig.
Unerwünschte Abhängigkeit "Eine Commercial-Paper-Finanzierung lohnt sich, wenn man mit einem Forderungsbestand von 20 Mio. Euro starten kann. Mittelfristig sollte ein Unternehmen ein ständiges Volumen von etwa 50 Mio. Euro verbriefen können", sagt Alexander Hugenberg, Direktor strukturierte Produkte bei State Street. Nicht jede Forderung sei geeignet. Als attraktiv gelten Auto-, Hypothekar- und Konsumentenkredite. Auch Forderungen aus dem Bereich Maschinenbau sind verbriefbar, solange es um mobile Maschinen geht, denen man einen Wert beimessen kann. Schwierig wird es bei Projektfinanzierungen.
Allein auf diese Finanzinstrumente sollten sich Firmen aber nicht verlassen. "Wir wünschen uns nicht, dass sich Unternehmen von uns vollständig abhängig machen", sagt Fürst. "Wir sind nicht der letzte Rettungsanker für ein Unternehmen, nach dem Motto: Wenn nichts mehr geht, verbrieft man noch ein bisschen." Schließlich sind die Firmen auch nach dem Verkauf noch für Dinge wie die Forderungseinziehung oder monatliche Berichte zuständig.
Versüßt wird das durch Vorteile, die Verbriefungen gegenüber dem Factoring haben. Denn beim Factoring werden die Forderungen mit einem bestimmten Abschlag verkauft. "Beim ABCP-Programm wird der Abschlag dagegen erstattet, wenn es bei dem Forderungsbündel nicht zu Ausfällen kommt", sagt Scheele.
  • FTD.de, 23.06.2007
    © 2007 Financial Times Deutschland,
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