FTD.de » Unternehmen » Industrie » Scheichs kaufen italienisches Modehaus Valentino
Merken   Drucken   12.07.2012, 12:02 Schriftgröße: AAA

Modebranche: Scheichs kaufen italienisches Modehaus Valentino

Das Emirat Katar stößt immer weiter in das Geschäft mit Luxusartikeln vor. Der jüngste Coup: Die Übernahme des angesagten Modelabels Valentino. Der britische Finanzinvestor Permira macht bei dem Geschäft ordentlich Kasse.

Das Katar kauft das italienische Modehaus Valentino Fashion Group (VFG). Darüber hat sich der britische Finanzinvestor und Valentino-Eigner Permira mit den Scheichs verständigt, wie die Modefirma am Donnerstag mitteilte. Details wurden nicht genannt. Nach FTD-Informationen zahlt das Emirat mehr als 600 Mio. Euro  für das zuletzt sehr angesagte Designerlabel.

Ein Model präsentiert ein Kleid des Modehauses Valentino   Ein Model präsentiert ein Kleid des Modehauses Valentino

Für Permira ist es ein unerwartet lukrativer Verkauf. Katar ist dabei offensichtlich vor allem das Potenzial der Marke viel wert. Denn Valentinos für dieses Jahr erwarteter Umsatz liegt nur bei 360 Mio. Euro. Mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 22 Mio. Euro ist das italienische Modehaus zudem eher margenschwach.

Das Emirat setzt immer stärker auf Luxusbeteiligungen: In diesem Jahr erwarben die Scheichs schon Beteiligungen von 1,03 Prozent am französischen Luxuskonzern LVMH  und 5,2 Prozent an der US-Juwelierkette Tiffany . Das britische Luxuskaufhaus Harrods gehört Katar zu 100 Prozent.

Permira hatte lange Zeit Probleme mit seinem Investment bei Valentino und der früheren Tochterfirma Hugo Boss . Die Briten kauften das Unternehmen, das damals 88 Prozent der stimmberechtigten Aktien der Metzinger Modefirma hielt, auf dem Höhepunkt des Booms 2007 für 3,8 Mrd. Euro und finanzierten dabei rund 2,3 Mrd. Euro durch Schulden. Als während der Wirtschaftskrise 2009 der Hugo-Boss-Aktienkurs um drei Viertel auf bis zu 11 Euro einbrach, drohte Permiras Erwerbsholding Red & Black zeitweise unter der Schuldenlast zusammenzubrechen.

Kursinformationen und Charts
   [ %
   [ %

Davon ist schon längst keine Rede mehr: Denn Hugo Boss erzielt immer neue Bestmarken. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdreifacht. Bereits 2009 hatte Permira Hugo Boss und Valentino getrennt, die beiden Beteiligungen sind seither nebeneinander unter dem Dach der Holding Red & Black angesiedelt.

Auf der Erwerbsholding lasten aus der Zeit der Akquisition noch Schulden zwischen 1,3 und 1,4 Mrd. Euro. Voraussichtlich werde Permira den Verkaufserlös deshalb nutzen, um die Schulden von Red & Black zu senken, hieß es in Finanzkreisen. An Red & Black hält Permira 80 Prozent und die italienische Marzotto-Familie 20 Prozent.

Flössen die 600 Mio. Euro komplett in die Schuldentilgung, käme Red & Black damit künftig noch auf über 700 Mio. Euro Schulden. Dem gegenüber steht ein Wert des Hugo-Boss-Aktienpakets von derzeit 3,4 Mrd. Euro. Würde Permira auf dieser Basis das Boss-Paket verkaufen, kämen die Briten also auf einen Reinerlös von mehr als 2,6 Mrd. Euro.

Auf das für den Kauf eingesetzte Eigenkapital von 1,5 Mrd. Euro würde dies einen hohen Gewinn bedeuten. Dass das überteuert gekaufte VFG/Hugo-Boss-Investment noch ein solcher Erfolg werden könnte, hätte den Briten in der Private-Equity-Branche vor zwei, drei Jahren kaum jemand zugetraut.

Ein kurzfristiger Ausstieg ist Finanzkreisen zufolge gleichwohl nicht geplant. Permira und die Mazotto-Familie würden einen Mehrheitsanteil an der Hugo Boss AG behalten, so das Unternehmen am Donnerstag. Immer wieder betont der britische Investor das große Potenzial der Modemarke. Die Metzinger wachsen stark aus eigener Kraft, unter anderem durch den Aufbau eigener Läden - vor allem in Asien. "Permira hat in den vergangenen zwei Jahren gesehen, dass Boss deutlich mehr Potenzial hat als ursprünglich gedacht", sagte kürzlich Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs im FTD-Interview. "Deshalb wäre ich persönlich überhaupt nicht überrascht, wenn Permira sich länger an das Unternehmen bindet, als viele ursprünglich vermutet haben."

13:41:19 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
    % 
    % 
  • FTD.de, 12.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler