Das Katar kauft das italienische Modehaus Valentino Fashion Group (VFG). Darüber hat sich der britische Finanzinvestor und Valentino-Eigner Permira mit den Scheichs verständigt, wie die Modefirma am Donnerstag mitteilte. Details wurden nicht genannt. Nach FTD-Informationen zahlt das Emirat mehr als 600 Mio. Euro für das zuletzt sehr angesagte Designerlabel.
Für Permira ist es ein unerwartet lukrativer Verkauf. Katar ist dabei offensichtlich vor allem das Potenzial der Marke viel wert. Denn Valentinos für dieses Jahr erwarteter Umsatz liegt nur bei 360 Mio. Euro. Mit einem Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 22 Mio. Euro ist das italienische Modehaus zudem eher margenschwach.
Das Emirat setzt immer stärker auf Luxusbeteiligungen: In diesem Jahr erwarben die Scheichs schon Beteiligungen von 1,03 Prozent am französischen Luxuskonzern LVMH und 5,2 Prozent an der US-Juwelierkette Tiffany . Das britische Luxuskaufhaus Harrods gehört Katar zu 100 Prozent.
Permira hatte lange Zeit Probleme mit seinem Investment bei Valentino und der früheren Tochterfirma Hugo Boss . Die Briten kauften das Unternehmen, das damals 88 Prozent der stimmberechtigten Aktien der Metzinger Modefirma hielt, auf dem Höhepunkt des Booms 2007 für 3,8 Mrd. Euro und finanzierten dabei rund 2,3 Mrd. Euro durch Schulden. Als während der Wirtschaftskrise 2009 der Hugo-Boss-Aktienkurs um drei Viertel auf bis zu 11 Euro einbrach, drohte Permiras Erwerbsholding Red & Black zeitweise unter der Schuldenlast zusammenzubrechen.
Davon ist schon längst keine Rede mehr: Denn Hugo Boss erzielt immer neue Bestmarken. Der Aktienkurs hat sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdreifacht. Bereits 2009 hatte Permira Hugo Boss und Valentino getrennt, die beiden Beteiligungen sind seither nebeneinander unter dem Dach der Holding Red & Black angesiedelt.
Auf der Erwerbsholding lasten aus der Zeit der Akquisition noch Schulden zwischen 1,3 und 1,4 Mrd. Euro. Voraussichtlich werde Permira den Verkaufserlös deshalb nutzen, um die Schulden von Red & Black zu senken, hieß es in Finanzkreisen. An Red & Black hält Permira 80 Prozent und die italienische Marzotto-Familie 20 Prozent.
Flössen die 600 Mio. Euro komplett in die Schuldentilgung, käme Red & Black damit künftig noch auf über 700 Mio. Euro Schulden. Dem gegenüber steht ein Wert des Hugo-Boss-Aktienpakets von derzeit 3,4 Mrd. Euro. Würde Permira auf dieser Basis das Boss-Paket verkaufen, kämen die Briten also auf einen Reinerlös von mehr als 2,6 Mrd. Euro.
Auf das für den Kauf eingesetzte Eigenkapital von 1,5 Mrd. Euro würde dies einen hohen Gewinn bedeuten. Dass das überteuert gekaufte VFG/Hugo-Boss-Investment noch ein solcher Erfolg werden könnte, hätte den Briten in der Private-Equity-Branche vor zwei, drei Jahren kaum jemand zugetraut.
Ein kurzfristiger Ausstieg ist Finanzkreisen zufolge gleichwohl nicht geplant. Permira und die Mazotto-Familie würden einen Mehrheitsanteil an der Hugo Boss AG behalten, so das Unternehmen am Donnerstag. Immer wieder betont der britische Investor das große Potenzial der Modemarke. Die Metzinger wachsen stark aus eigener Kraft, unter anderem durch den Aufbau eigener Läden - vor allem in Asien. "Permira hat in den vergangenen zwei Jahren gesehen, dass Boss deutlich mehr Potenzial hat als ursprünglich gedacht", sagte kürzlich Hugo-Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs im FTD-Interview. "Deshalb wäre ich persönlich überhaupt nicht überrascht, wenn Permira sich länger an das Unternehmen bindet, als viele ursprünglich vermutet haben."