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Merken   Drucken   18.01.2012, 16:28 Schriftgröße: AAA

Multiaufsichtsrat: Bayer demaskiert Aufsichtsratsgesetz als Symbolpolitik

Mit der Einführung einer Karenzzeit wird der direkte Wechsel von Chefs der Dax-Konzerne in Aufsichtsgremien verhindert. Der Fall des früheren Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning zeigt: die Politik kann die gewohnte Praxis nur verzögern.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Oliver_Berg
Mit der Einführung einer Karenzzeit wird der direkte Wechsel von Chefs der Dax-Konzerne in Aufsichtsgremien verhindert. Der Fall des früheren Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning zeigt: die Politik kann die gewohnte Praxis nur verzögern. von Sven Oliver Clausen 
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Das Drehbuch für Werner Wennings Aufstieg an die Spitze des Bayer -Aufsichtsrats steht. Der 65-Jährige wird nach der Einführung des gesetzlichen Zweijahresverbots der erste ehemalige Vorstandschef eines DAX-Konzerns sein, der an die Spitze des Kontrollgremiums wechselt.
Der Gesetzgeber hatte 2009 den direkten Wechsel vom Vorstand in den Aufsichtsrat verboten und eine mindestens zweijährige Karenzzeit vorgeschrieben - in der Hoffnung, damit diese Tradition der Deutschland AG großflächig zu brechen.
Der Fall Wenning zeigt jedoch, dass der Gesetzgeber die jahrzehntealte Praxis nur verzögern, nicht aber verhindern kann. Als weitere Kandidaten für einen späteren Wechsel an die Aufsichtsratsspitze ihrer langjährigen Arbeitgeber gelten etwa Wolfgang Mayrhuber, bis Anfang 2011 Vorstandschef der Lufthansa , und Jürgen Hambrecht , bis Mai 2011 Vorstandschef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF .
Deutsche Top-Manager hatten den Vorstoß als Dirigismus der Politik scharf kritisiert. Der Gesetzgeber will mit dem Verbot verhindern, dass Ex-Chefs als Aufsichtsratsvorsitzende alte Fehlentscheidungen weiter decken und dem Konzern so schaden. Die Betroffenen argumentieren, mit dem Verbot würde den Unternehmen Kompetenz verloren gehen.
Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte deswegen sogar versucht, das Verbot mithilfe eines Aktionärsvotums zu umgehen. Denn das Verbot kann aushebeln, wer Aktionäre, die mehr als 25 Prozent des Kapitals halten, davon überzeugen kann, einen entsprechenden Antrag auf der Hauptversammlung zu stellen. Die wiederum müsste dem Antrag auf den Wechsel vor Ablauf der zweijährigen Frist mehrheitlich zustimmen.
Mitte November hatte Ackermann den Plan allerdings aufgegeben, weil er sich der Rückendeckung der Anteilseigner nicht mehr sicher war.
Ein Kniff soll helfen, die Karenzzeit zu überbrücken
Bayer lässt nun die gesetzlich vorgeschriebene Frist verstreichen, bevor der Konzern Wenning sofort nach deren Ablauf zum formal mächtigsten Manager macht. Dazu bedient sich der Pharma- und Chemiekonzern nach FTD-Informationen eines Kniffs: Weil Wenning den Vorstand Ende September 2010 verlassen hatte, ist die Karenzzeit am 27. April, dem Datum der nächsten Hauptversammlung von Bayer, noch nicht abgelaufen. Auf dem Aktionärstreffen werden aber die Aufsichtsräte für die nächsten vier vollen Geschäftsjahre neu gewählt.
Wenning hat deswegen mit Amtsinhaber Manfred Schneider , der auch sein Vorgänger als Vorstandschef war, vereinbart, die Aktionäre über folgendes Procedere abstimmen zu lassen: Schneider lässt sich noch einmal wählen, allerdings mit der Ankündigung, Anfang Oktober für Werner Wenning im Aufsichtsrat Platz zu machen. In einem Interview mit dem FTD-Schwestermagazin Capital sagte Schneider auf die entsprechende Frage: "Es wird bis zum Frühjahr zweifellos noch viele Spekulationen geben - auch Ihre ist eine sehr interessante." Allerdings kündigte der 73-Jährige an, dass es 2012 einen Wechsel an der Aufsichtsratsspitze von Bayer geben werde und sprach sich indirekt für Wenning aus: "Ich bin ein absoluter Vertreter der These, dass es sinnvoll ist, erfolgreiche Vorstandschefs zu Aufsichtsratsvorsitzenden zu machen."
Nach FTD-Informationen ist der Plan bereits mit wesentlichen Aufsichtsräten abgesprochen. Das ist notwendig, weil die Hauptversammlung lediglich die Aufsichtsratsmitglieder wählt, die Kontrolleure selbst dann aber ihren Chef aus ihrer Mitte wählen. Wenning ist derzeit unter anderem Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Bank und Aufsichtsratschef des Energiekonzerns Eon.
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  • FTD.de, 18.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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