Europas führender Hubschrauberhersteller Eurocopter hat ein eskalierendes Sicherheitsproblem mit dem Großmodell Super Puma EC225. Der Helikopter war bislang ein Umsatztreiber im Geschäftsjahr. Nach zwei glimpflich verlaufenen Notwasserungen von Helikoptern des Typs in der Nordsee im Mai und Oktober hat die europäische Luftsicherheitsbehörde EASA nunmehr das Einsatzspektrum weiter eingeschränkt.
Am vergangenen Donnerstag wurde erneut eine Notfallsicherheitsanweisung veröffentlicht. Probleme bereitet das Getriebe des Großhubschraubers, der bis zu 19 Passagiere transportieren kann. Im Getriebe wurden Risse ermittelt, und es gab Fehlalarme mit der Notschmierung. Großbritannien und Norwegen haben entschieden, Flüge des Modells über der Nordsee auszusetzen. Einige Betreiber aus dem Öl- und Gasgewerbe streichen von sich aus derzeit weltweit alle Flüge mit dem Modell.
Für die EADS-Tochter Eurocopter sind die Probleme mit dem Super-Puma-Modell mehr als ein Imageschaden. Das Modell ist der meisteingesetzte Hubschrauber in der Versorgung von Öl- und Gasplattformen. Bisher wurden 150 EC225 und EC725, die Militärversion, ausgeliefert. Wie es in der Branche heißt, könnten Kunden zum Konkurrenten Sikorsky wechseln. Der große Betreiber Bristow hat jüngst zehn Sikorsky S92 bestellt. Dies geschah auch als Reaktion auf die Eurocopter-Probleme. Gleichzeitig kämpft die EADS-Flugzeugtochter Airbus gegen Qualitätsmängel. Risse in Flügeln des Riesenairbus A380 kosten sie allein in diesem Jahr 260 Mio. Euro nur für Reparaturen.
Eurocopter betont, eng mit den Behörden und Kunden zusammen zu arbeiten, um die Sicherheit zu gewährleisten. Eine neue Hypothese über die Ursache für den Schaden innerhalb des Hauptgetriebes werde erkundet, teilt Eurocopter im Internet mit. Bei der Sicherheit gebe es keine Kompromisse. "Es ist klar, dass zwei kontrollierte Wasserungen zwei zu viel sind", erklärte ein Sprecher auf Anfrage. Eine Notwasserung von Hubschraubern ist möglich, weil sie aufblasbare Schwimmköper haben.
Falls die neue Hypothese zur Schadensursache korrekt sei, werde es drei Monate dauern, um die Tests und Korrekturmaßnahmen mit den Behörden abzustimmen. Eurocopter-Chef Lutz Bertling stellt den Super Puma-Betreibern erst für Februar 2013 die volle Einsatzfähigkeit wieder in Aussicht.
Die Luftaufsichtsbehörde EASA und die Super-Puma-Betreiber könnten bei den aktuellen Problemen besonders sensibilisiert sein. Im April 2009 stürzte ein Super-Puma-Helikopter der britischen Firma Bond Offshore Helicopters in die Nordsee. 16 Menschen starben. Im Flug hatte sich der gesamte Rotor nach einem schweren Getriebeschaden gelöst. Mit diversen Sicherheitsmaßnahmen, wie Metallsplittersensoren und Vibrationsmessgeräten versucht Eurocopter seitdem, das Risiko zu mindern.