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Merken   Drucken   04.09.2008, 12:28 Schriftgröße: AAA

Nahrung für Konjunkturangst: Industrie kämpft um Aufträge  

Die deutsche Industrie hat im Juli wegen der schwachen Binnennachfrage weniger Aufträge erhalten - bereits den achten Monat in Folge. Analysten sehen in den Zahlen längst Anzeichen für eine Rezession. Immerhin: Das Ausland setzt weiter auf Waren "Made in Germany".
Die Bestellungen seien preis- und saisonbereinigt um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurückgegangen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag in Berlin mit. Seit Dezember 2007 nimmt das Neugeschäft damit kontinuierlich ab. Das ist die längste Negativserie seit Anfang der 90er Jahre. "Die Schwächephase der Industrieproduktion dürfte vor diesem Hintergrund auch in den kommenden Monaten anhalten", schrieb das Ministerium.
Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Auftragsplus von 0,4 Prozent gerechnet, nachdem es im Juni ein Minus von 2,6 Prozent gegeben hatte. Grund für den Rückgang war das stockende Deutschland-Geschäft. Hier brach die Nachfrage um 3,6 Prozent ein. Aus dem Ausland gingen dagegen 0,3 Prozent mehr Bestellungen ein. Während die Aufträge aus den anderen Euro-Ländern um 8,1 Prozent zunahmen, gingen sie aus dem übrigen Ausland um 5,7 Prozent zurück.
Die Auftragszahlen im Inland seien besorgniserregend, sagte Sebastian Wanke, Volkswirt bei der Deka-Bank. "Die Auftragszahlen lassen vermuten, dass nun eine technische Rezession droht. Die Kapazitäten könnten damit schon Ende des Jahres nicht mehr ausgelastet sein", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. Unter einer technischen Rezession versteht man den Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zwei Quartale in Folge. Auch Jörg Angele von der BayernLB blickt skeptisch auf die weitere Entwicklung: "Die Industrieproduktion wird fürchterlich einbrechen im dritten Quartal, auch für das vierte Quartal sieht es schlecht aus. Das Wort Rezession herauszuholen, wird immer wahrscheinlicher".
Innerhalb der Industriesparten verzeichneten die Hersteller von Konsumgütern mit 3,1 Prozent das größte Minus. Die Nachfrage nach Maschinen, Fahrzeugen und anderen Investitionsgütern ließ um 2,4 Prozent nach. Die Produzenten von Vorleistungsgütern meldeten einen Rückgang von 0,2 Prozent.
Der Auftragseingang ist neben der Produktion der wichtigste realwirtschaftliche Konjunkturindikator. Wegen Großaufträgen, die auch diesmal leicht überdurchschnittlich ausfielen, kann er allerdings von Monat zu Monat stark schwanken. Im stabileren Zwei-Monats-Vergleich April/Mai zu Juni/Juli sanken die Aufträge um vier Prozent. Das Volumen lag um 3,4 Prozent unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums.
  • Reuters, 04.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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