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Merken   Drucken   07.05.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Neue Angebote geplant: Marktumbruch fordert Sixt heraus  

Autohersteller und Mietwagenanbieter kommen sich zunehmend ins Gehege. Beide arbeiten an neuen Auto-Konzepten jenseits des traditionellen Geschäfts. Auch Sixt denkt über Carsharing, Mitfahrgelegenheit und Fahrradverleih nach.
© Bild: 2012 FTD/Jens Schwarz
Premium Autohersteller und Mietwagenanbieter kommen sich zunehmend ins Gehege. Beide arbeiten an neuen Auto-Konzepten jenseits des traditionellen Geschäfts. Auch Sixt denkt über Carsharing, Mitfahrgelegenheit und Fahrradverleih nach.

Sixt  rechnet in den kommenden Jahren mit einem Umbruch im klassischen Mietwagengeschäft. Kombi-Angebote aus Vermietung, Leasing sowie Carsharing bis hin zur Mitfahrgelegenheit und Fahrradverleih seien denkbar. "An allen Trends, die es gibt, sind wir dran", sagte Sixt-Vertriebsvorstand Thorsten Haeser im FTD-Gespräch. Menschen und Unternehmen wollten Mobilitätsangebote aus einer Hand und nicht etwa von vier bis fünf Dienstleistern.

Vor diesem Hintergrund kommt das bislang eher getrennte Verhältnis zwischen Autokonzernen und Vermietern in Bewegung. Denn sowohl Vermieter wie Sixt als auch Autobauer zielen mit ihren Mobilitätsangeboten auf dieselbe Kundschaft. Sie treten in einen harten Wettbewerb - gerade in Europa, einem Automarkt, der nicht mehr wächst.

"Ich würde das nicht konfrontativ sehen. Ich glaube, der Markt ist groß genug für Vermieter und Autobauer", sagt Haeser. Nach Ansicht des Sixt-Vertriebsvorstands erschließen sich Autobauer und Vermieter gemeinsam eine Industrie. Der 44-Jährige geht aber nicht von einem Einstieg der Autohersteller in das Vermietgeschäft aus. Schon seit Längerem wird in der Branche über einen Verkauf des Sixt-Konkurrenten Europcar durch den Finanzinvestor Eurazeo spekuliert. Ob dieser von einem Autobauer gekauft werden könnte, darauf wollte sich Haeser nicht festlegen. "Das wird die Zukunft zeigen. Doch alles, was ich zu diesem Zeitpunkt dazu sagen kann, wäre reine Spekulation."

Käme es tatsächlich zu einem Kauf von Europcar durch einen Autobauer, wäre das für Sixt ein herber Schlag. In der Vergangenheit gehörte Europas Marktführer schon einmal zu Volkswagen . In früheren Jahren hielten wiederum auch Ford  Anteile an Hertz  oder General Motors  an Avis .

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"Kein Hersteller wird anfangen, im signifikanten Umfang eine Mietwagenflotte zu betreiben. Das ist ein anders Geschäftsmodell", glaubt Haeser. Autovermieter seien Dienstleister. Sixt habe dabei einen Wettbewerbsvorsprung, weil der Münchner Konzern nahezu das einzige Unternehmen sei, das alle neuen Mobilitätsformen in sich vereinigen könne.

Tatsächlich bieten direkte Konkurrenten wie Europcar Deutschland oder Avis kein Leasing an. Sixt habe im Frühjahr als europaweit erster Anbieter ein Hybridangebot aus der Kombination von Miete und Leasing im Markt eingeführt, so der Manager. Dabei kann ein Auto für Monate oder ein ganzes Jahr aus einer Fahrzeugklasse völlig flexibel genutzt werden. "Das ist die erste Mobilitätsflatrate im Markt", sagt Haeser.

Der Vorstandsvorsitzende der Sixt Leasing AG, Mark Thielenhaus, erklärt, dass sich neue Mobilitätsangebote auch deswegen leichter im Markt durchsetzen, weil Kunden mehr über das Internet buchen. So würden selbst Leasingangebote von Privatkunden auch online abgeschlossen. "Heute gibt es eine Bereitschaft, größere Investitionen auch am Telefon oder per Internet zu tätigen." Dies trage dazu bei, den Umsatzanteil von Privatkunden und Kleinfirmen am Sixt-Leasinggeschäft von aktuell 15 bis 20 Prozent deutlich auszubauen.

Carsharing-Teilnehmer in Deutschland   Carsharing-Teilnehmer in Deutschland

Bei den Kurzzeitmieten in Städten arbeiten Autobauer mit Vermietern zusammen. Sixt und BMW  bauen derzeit die 2011 gegründete Carsharing-Firma Drivenow aus. Hauptkonkurrent ist Car2go von Daimler  und Europcar. Beide Anbieter wollen mittelfristig mindestens einen dreistelligen Millionenumsatz im Carsharing erzielen. "Wir erwarten, dass wir spätestens 2014 mit Drivenow Geld verdienen werden", so Haeser.

Den Umbruch im Markt zeigen auch die aktuellen Pläne der Deutschen Bahn mit ihren Carsharing-Aktivitäten unter dem Namen Flinkster. Hier gibt es Überlegungen für Allianzen mit Car2go und Drivenow sowie Lizenzen an Autohändler.

Sixt-Vertriebsvorstand Haeser kündigte einen weiteren Ausbau der internationalen Aktivitäten an. Ein Schwerpunkt sei das US-Geschäft. In China stehe Sixt hingegen vor einem Neuanfang. Die Ende 2007 begonnene Zusammenarbeit mit einem Franchisenehmer für Leasing, Limousinenservice und Vermietung sei gescheitert. "In China tun sich alle großen Anbieter schwer oder sind nicht vertreten, weil der Mobilitätsmarkt sich dort erst noch entwickelt", sagt Haeser. Der Markt werde von lokalen Anbietern dominiert. "Wir sind auf der Suche nach einem neuen Lizenznehmer in China und befinden uns in Gesprächen."

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  • Aus der FTD vom 08.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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