Der US-Chemieriese Dow Chemical hat bei der Neuverhandlungen der milliardenschweren Fusionspläne eine Einigung mit dem Spezialchemiekonzern Rohm & Haas erzielt. Beide Unternehmen teilten am Montag mit, dass Dow Chemical wie ursprünglich geplant 78 $ je Aktie bezahlen werden und darüber hinaus eine zusätzliche Abgabe, eine so genannte "Ticking-Fee". Die zwei größten Aktionäre von Rohm & Haas - die Familie Haas und Paulson & Co - hätten jedoch zugestimmt, bei dem Geschäft bis zu 3 Mrd. $ in Form von Vorzugsaktien von Dow entgegenzunehmen. Der Rest werde in bar bezahlt.
Nachbörslich sprangen die Rohm-Papiere um bis zu 16 Prozent nach oben, die von Dow verloren 11 Prozent.
Dow Chemical hatte im Juli angekündigt, Rohm & Haas für mehr als 15 Mrd. $ zu kaufen. Die Übernahme geriet aber nach dem Platzen eines wichtigen Gemeinschaftsunternehmens von Dow Chemical mit Kuwait ins Wanken. Mit den Einnahmen aus dem Geschäft wollte der Konzern eigentlich einen Großteil der Fusion finanzieren. Der kleinere Rivale kündigte daraufhin an, die Übernahme juristisch erzwingen zu wollen. Die erste Gerichtsanhörung war für Montag angesetzt.
Im vergangenen Jahr war Dow Chemical nach einem Umsatzeinbruch zum Jahresschluss 2008 in die Verlustzone gestürzt. Der Nettoverlust lag im abgelaufenen Vierteljahr bei 1,55 Mrd. $. Im Vorjahr war ein Gewinn von 472 Mio. $ verbucht worden. Der Umsatz des BASF-Konkurrenten brach unerwartet stark um 23 Prozent auf 10,9 Mrd. $ ein.
Die Chemieindustrie ist von der Wirtschaftskrise besonders abrupt getroffen worden. Die Branche stöhnt darüber, dass erteilte Aufträge äußerst kurzfristig storniert werden. Vor allem die Krise der wichtigen Abnehmer Auto und Bau macht ihr zu schaffen. Dow hat wie andere Wettbewerber bereits großte Teile der Produktion vorübergehend stillgelegt. Im Dezember kündigte Konzernchef Andrew Liveris zudem an, dass 5000 Arbeitsplätze abgebaut werden - etwa jede neunte Stelle. Dadurch sollen die Kosten bis 2010 um 700 Mio. $ gesenkt werden.