Dabei blicken die Kommunalfirmen über den deutschen Markt hinaus. "Wir schauen uns bei 8KU den polnischen Windmarkt nach interessanten Projekten an", erläuterte Prauße. Konkrete Verhandlungen würden in Polen noch nicht geführt. Frühere Pläne in Frankreich hätten sich allerdings zerschlagen. Schritte ins Ausland dürften die Kritik an der wachsenden Marktmacht der staatlichen Energiewirtschaft anheizen. So führt der CDU-Wirtschaftsrat derzeit eine Kampagne gegen den Trend zur Rekommunalisierung.
Die rund 1000 Kommunalversorger gelten mit weit über 50 Prozent Marktanteil als Riesen im Stromverkauf, sind aber in der Erzeugung bisher großenteils auf die Konzerne angewiesen. Mithilfe eigener Kapazitäten könnte sich das ändern. Andere Stadtwerkeallianzen wie Trianel oder Thüga, bei denen auch kleinere und mittlere Versorger mitmachen, verfolgen ebenfalls Projekte. Mit der Übernahme des fünftgrößten Stromerzeugers Steag, der über mehr als sieben Gigawatt Kohlekraft verfügt, hat eine Gruppe von Ruhr-Stadtwerken zudem kürzlich den größten Schritt in den Erzeugungsmarkt gemacht. Skeptiker zweifeln indes an der Fähigkeit der Kommunalbetriebe, auf lange Sicht ausreichend Kapital für den Ausbau bereitzustellen.
Die Strompreise werden nach Einschätzung der Großstadtwerke weiter anziehen - trotz des am Freitag bekannt gegebenen geringen Anstiegs der EEG-Umlage auf 3,6 Cent. "Ich rechne damit, dass die Strom- und Gaspreise durch die Erhöhung von staatlichen Abgaben, Gebühren und Netzentgelten steigen", sagte Prauße, im Hauptberuf Chef der Stadtwerke Leipzig. Von der Politik verlange er "mehr Ehrlichkeit gegenüber den Menschen: Dieser Weg der Energiewende wird teuer." Ohne staatliche Hilfen sei der Komplettumbau der Energiewirtschaft zudem nicht zu schaffen: "Wenn die Energiewende eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit ist, muss man auch über Subventionen nachdenken."