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Merken   Drucken   27.07.2010, 10:46 Schriftgröße: AAA

Neuer Chef: BPs Feuerwehrmann Dudley vor Scherbenhaufen

Erfahren, krisenerprobt und Amerikaner. Das dürfte Bob Dudley helfen, wenn er als neuer BP-Chef im von der Ölpest verseuchten Mississippi-Delta Vertrauen zurückgewinnen will. Dort sind seine Qualitäten als Feuerwehrmann gefragt.
© Bild: 2010 Bloomberg
Erfahren, krisenerprobt und Amerikaner. Das dürfte Bob Dudley helfen, wenn er als neuer BP-Chef im von der Ölpest verseuchten Mississippi-Delta Vertrauen zurückgewinnen will. Dort sind seine Qualitäten als Feuerwehrmann gefragt.
Er war bisher so etwas wie der Außenminister von BP . Wann immer es für den britischen Ölkonzern bei Auslandsoperationen heikel wurde - in Indien etwa oder in China - erschien Robert ("Bob") Dudley als Feuerwehrmann auf der Bildfläche. Zuletzt übernahm er Ende Juni das Ölpest-Krisenmanagement in den USA.
Sein bisheriger Chef Tony Hayward hatte im Verlauf der Katastrophe im Golf von Mexiko schnell jegliches öffentliches Vertrauen verspielt, war in den USA regelrecht zu einer Hassfigur geworden. Dudleys Job wie so oft in seiner Karriere: den Schaden begrenzen. Das soll er nun nach dem Abgang Haywards als Vorstandschef für ganz BP übernehmen, bevor das Unternehmen von der teuren und rufschädigenden Ölpest völlig in den Abgrund gezogen wird.
Kursinformationen und Charts
  BP 393,2975 GBp  [-5.0025 -1,26%
Auch als neuer BP-Chef dürfte seine erste Aufgabe bleiben, die Krise endlich in den Griff zu bekommen - und das Image des Konzerns in den USA wieder zu reparieren. Im Vergleich zu Hayward hat er einen dabei entscheidenden Vorteil: Dudley ist Amerikaner, wurde 1955 im New Yorker Stadtteil Queens geboren und wuchs in Mississippi auf - genau in der Region, die jetzt von der Ölpest betroffen ist. Sein Südstaatenakzent verschafft ihm hier zusätzliche Sympathien.
Dudley ist studierter Chemie-Ingenieur und ein Veteran der Branche. 30 Jahre Erfahrung in der Industrie könnten ihm nun zu Gute kommen. Wer einmal mit ihm arbeitete, ist meist voll des Lobes: "Wo auch immer ein Sturm tobt, er ist das Auge des Sturms, in dem die Leute in Ruhe denken und analysieren dürfen, um zu einer Entscheidung zu kommen", sagte sein ehemaliger Geschäftspartner Peter Necarsulmer einmal der "New York Times".
Seine Karriere begann Dudley beim Ölkonzern Amoco, der zehn Jahre später von BP übernommen wurde. Seine turbulenteste Zeit bisher verbrachte er allerdings in Russland, wo er als Chef des russisch-britischen Joint Ventures TNK-BP arbeitete.
Doch der Streit mit dem Oligarchen-Konsortium AAR wuchs sich zu einem politischen Machtkampf aus. 2008 verließ Dudley fluchtartig Moskau, weil ihm das Visum nicht verlängert wurde. Zeitweise versuchte er, das Unternehmen aus dem Ausland zu lenken. Wenig später gab es jedoch einen Wechsel an der Unternehmensspitze. "Man lernt in so einer schnellen, undurchsichtigen Umgebung, ruhig zu bleiben und sich rasch zu organisieren", kommentierte Dudley später den Vorfall. Eine Erfahrung, die ihm jetzt helfen sollte.
Eigentlich war er schon einmal Top-Kandidat für den BP-Chefposten, doch 2007 schnappte Hayward ihm die Position weg. Seit Februar 2009 sitzt Dudley im Vorstand des Energiekonzerns und kümmert sich seitdem um die Geschäfte in Asien und - passenderweise - Amerika.
Doch den neuen Chef erwarten schwere Zeiten. An 85 Tagen flossen insgesamt geschätzte 184 Millionen Liter Öl ins Meer. Den Konzern erwarten Bußgelder der US-Regierung sowie ungezählte Gerichtsverfahren. Der Börsenwert des Unternehmens hat sich seit der Exprosion der Bohrplattform im April um 77 Mrd. Dollar verringert, Analysten fürchteten gar eine feindliche Übernahme. Im zweiten Quartal rutschte der Konzern mit 17,1 Mrd. Dollar ins Minus - der erste Quartalsverlust seit 1992.
Dudley muss daher an aller erster Stelle eines: aufräumen, beschwichtigen, überzeugen. Und verändern. Er muss die Löcher flicken, die das Desaster in die Beziehungen zu zahlreichen Partnern entlang der Küste am Golf von Mexico gerissen hat. Er muss die US-Regierung wie auch die Öffentlichkeit davon überzeugen, dass BP zukünftig keine Gefahr für die Region, für die dortige Wirtschaft, für Anwohner und nicht zuletzt die Natur darstellt. Und er muss die zahlreichen Aktionäre beruhigen, die misstrauischer denn je sind. Wie und ob ein Mann allein das schaffen kann, bleibt fraglich.
17:46:41 Kursinformationen und Charts
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BP 393,2975 GBp   -1,26%  -5.0025
  • FTD.de, 27.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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