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Merken   Drucken   01.11.2012, 20:35 Schriftgröße: AAA

Neuer Chef: VW-Manager soll Opel retten

Exklusiv Der angeschlagene Autobauer Opel hat seinen wichtigsten Job neu besetzt: Der VW-Spitzenmanager Karl-Thomas Neumann wird bei dem Autohersteller im kommenden Jahr Vorstandschef.
von Hamburg und Stuttgart
Karl-Thomas Neumann   Karl-Thomas Neumann

Opel steht kurz vor der Lösung seiner wichtigsten Personalfrage. Nach FTD-Informationen wird der VW -Spitzenmanager Karl-Thomas Neumann im Laufe des kommenden Jahres neuer Chef der angeschlagenen GM-Tochter. Der genaue Zeitpunkt des Wechsels ist noch nicht bekannt.

Die Sanierung von Opel gehört zu den schwierigsten Jobs in der Autobranche. Für dieses Jahr rechnet GM  für sein von Opel bestimmtes Europa-Geschäft mit einem operativen Minus von bis zu 1,8 Mrd. Dollar (1,4 Mrd. Euro). Auch 2013 soll es kaum weniger sein. Misslingt die Wende, steht die Zukunft der mehr als 125 Jahre alten Marke auf dem Spiel.

Für Opel wäre ein neuer Chef ein wichtiger Halt. Ausgerechnet in der Euro-Krise, unter der Opel besonders leidet, wird das Unternehmen von einem Chef auf Abruf geführt. Thomas Sedran, ein Sanierer von der Unternehmensberatung Alix Partners, war erst im Frühjahr in den Opel-Vorstand aufgestiegen.

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Als GM den damaligen Vorstandschef Karl-Friedrich Stracke wegen schlechter Zahlen aus seinem Amt drängte, erhielt Sedran die Aufgabe, GMs wichtigstes Standbein in Europa zu leiten. "Ihm fehlen aber die technische Kompetenz und die Erfahrung", sagte ein Manager.

Der Elektroingenieur Neumann hingegen gilt als ausgezeichneter Techniker. "Der beste Elektronikspezialist, den ich kenne", sagt ein Ex-Kollege von ihm. Als Chef des Autozulieferers Continental hat er bewiesen, ein größeres Unternehmen führen zu können. Bei Opel scheint ihm die Unterstützung des Aufsichtsrats sicher: "Neumann an der Spitze wäre gut für Opel. Er hat das Format, das wir brauchen", sagte ein Kontrolleur. Die nächste Aufsichtsratssitzung bei Opel findet am 14. November statt.

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Es ist aber unwahrscheinlich, dass sein Wechsel dann schon beschlossen wird. In der Branche sind Sperrfristen für Topmanager üblich, die zur Konkurrenz wechseln wollen. Bis vor Kurzem war Neumann Chef für VW in China, dem wichtigsten Automarkt des Konzerns. Für Opel ist der 51-Jährige auch deshalb ein echter Gewinn. Volkswagen hatte Neumann für den Umgang mit unzufriedenen Kunden in China abgestraft. Tausende hatten sich über Qualitätsprobleme mit dem Direktschaltgetriebe DSG beschwert. Neumann, so der Vorwurf, habe darauf zu spät reagiert.

Wenn Neumann seine Position bei Opel antritt, ist die Sanierung bereits in vollem Gange. Erst Mittwoch hatte GM mitgeteilt, dass die Produktion im Werk Bochum 2016 endgültig auslaufen wird. Bis Mitte Dezember erwartet der Betriebsrat in Rüsselsheim eine Einigung mit der Geschäftsleitung über ein neues Sparpaket. Seit Jahresanfang hat Opel 2300 Stellen durch Vorruhestand und Abfindungsverträge gestrichen. Weitere 300 Jobs sollen bis Jahresende wegfallen.

Die größte Herausforderung für den neuen Opel-Chef wird die Kooperation mit dem französischen Konzern PSA Peugeot Citroën. Künftig sollen vier gemeinsame Plattformen für neue Fahrzeugmodelle entstehen. Die Gewerkschaften befürchten den weiteren Wegfall von Arbeitsplätzen. Zudem ist Opel nach wie vor fast ausschließlich auf Europa konzentriert. Der Markt schrumpft seit Jahren.

Neumann wäre bereits der dritte Ex-VW-Manager im Vorstand von Opel. Zuletzt hatte GM die wichtigen Positionen des Vertriebs- und Finanzvorstands mit VW-Leuten besetzt. Sowohl Opel als auch VW wollten sich nicht zu der Personalie äußern.

  • Aus der FTD vom 02.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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