Der neue EADS -Konzernchef Thomas Enders sieht im künftigen Airbus-US-Werk auch Chancen für das amerikanische Militärgeschäft. "Eines Tages könnten wir dort auch den Militärtransporter A400M bauen", sagte Enders am Mittwoch abend vor EADS-Kleinaktionären in München. Das künftige Werk in der Hafenstadt Mobile im US-Bundesstaat Alabama biete nicht nur die Chance zum Ausbau des Zivilgeschäftes, sondern auch Möglichkeiten im Rüstungsmarkt. "Die Entscheidung kann nicht falsch sein", sagte der seit Juni amtierende EADS-Chef, der zuvor an der Spitze der Airbus-Tochter stand. Der Abbau des Dollar-Euro-Währungsrisikos sei "nicht der Hauptgrund gewesen".
Airbus hatte am Montag offiziell den Bau eines US-Werkes für 600 Mio. Dollar verkündet. Die ersten US-Airbus-Modelle sollen 2016 ausgeliefert werden. Der neue europäische A400M-Militärtransporter soll ab Anfang nächsten Jahres aus spanischer Endmontage an europäische Kunden ausgeliefert werden. EADS versucht seit langem, auch die USA für den Militärtransporter zu begeistern.
Während Enders in den USA Chancen im Zivil- und Militärmarkt sieht, warnte er die europäischen Staaten vor Kürzungen oder Änderungen im Rüstungsgeschäftsmodell. So investierte EADS hohe Millionenbeträge in die inzwischen gestoppte unbemannte Drohne Talarion. "Ich bin nicht bereit, in das Geschäft weiteres Geld zu stecken, wenn es dazu keine Aufträge gibt", sagte Enders. Er formulierte sogar eine allgemeine Warnung: In der Vergangenheit sei das Militärgeschäft in Europa interessant gewesen, weil die Entwicklungskosten bezahlt wurden. "Wenn der Auftraggeber das Rüstungs-Geschäftsmodell kippen will, lohnt es sich für uns nicht mehr."
An der Veranstaltung vor gut 250 Kleinaktionären in Zusammenarbeit mit der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sprach sich Enders erneut für mehr private und institutionelle Aktionäre am EADS-Kapital und gegen mehr staatliche Anteile aus, was von Berlin geplant wird. Auf die Frage eines Kleinaktionärs, ob es sinnvoll sei, wenn Deutschland und Frankreich gleiche Anteile hielten, sagte Enders: "Ich glaube, dieses Denken ist überholt. Das Gleichgewichtsdenken hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert. Damit an ein globales High-Tech-Unternehmen im 21. Jahrhundert ranzugehen, ist falsch." Beispiele anderer Rüstungskonzerne in den USA oder Großbritannien zeigten, dass keine Staatsanteile notwendig sind.
An der gut besuchten Veranstaltung nahm auch der neue EADS-Finanzvorstand Harald Wilhelm teil. Er zeichnete eine optimistische Prognose über die weitere Ertrags- und Dividendenentwicklung. So soll die Umsatzrendite bis 2015 auf etwa zehn Prozent steigen. Bis zum Jahr 2020 ergäben sich weitere Ertragsimpulse, weil dann das neue Sparmodell A320Neo auf den Markt komme. Vorteilhaft sei, dass gleichzeitig keine teure Neuentwicklung anstehe.
Technische Probleme mit dem Militärtransporter setzen Airbus Branchenkreisen zufolge jedoch weiter zu. Das zweite Jahr in Folge sagte der Flugzeugbauer wegen Triebwerksproblemen prestigeträchtige Showflüge bei der Flugschau im britischen Farnborough vom 9. bis 15. Juli ab. Ein Vertreter der Branche sagte am Mittwoch, der A400M werde nach Farnborough geflogen, anschließend aber am Boden bleiben. Bei der Flugschau demonstrieren die Hersteller die Fertigkeiten der Flugzeuge. Airbus wollte die Informationen nicht kommentieren, betonte aber, dass der Termin für die Erstauslieferung zum Jahreswechsel stehe.
Bereits bei der Luft- und Raumfahrtschau in Le Bourget im vergangenen Jahr blieb der A400M wegen Problemen bei den riesigen Turboprop-Triebwerken am Boden. In der Zwischenzeit war die Militärmaschine bei einigen Veranstaltungen zu sehen.
(mit Reuters)