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Merken   Drucken   13.12.2010, 12:38 Schriftgröße: AAA

Neuorientierung: Epson will mit Gestrigem punkten

Der Druckerhersteller will will die Geschäftswelt mit Tintenstrahldruckern erobern. Das größte Hindernis für Epson sind dabei die Vorurteile der Kunden. von Nora Schlüter, Manchester
Laser, das klingt nach Hightech und "Star Trek". Tinte klingt eher nach angekauten Lamy-Füllern, mit denen man in der Grundschule das Schönschreiben lernen sollte. Epson  jedoch will das Verhältnis von Vergangenheit und Zukunft umkehren - und die Laserdrucker in den Büros dieser Welt durch Tintenstrahldruckern ersetzen. Sogar Fabrikhallen wollen die Japaner mit ihrem proprietären Verfahren erobern. "Wir glauben, dass diese Technologie das Potenzial hat, traditionelle Fertigungsprozesse vollständig umzukrempeln", sagt Präsident Minoru Usui im FTD-Gespräch. Der Konzern druckt bereits Farbfilter für Flachbildfernseher und organische Leuchtdioden für stromsparende Displays. Noch sind jedoch Privatkunden für den Mammutanteil der Druckerverkäufe verantwortlich, die fast 60 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen. Und die Privatkunden zeigen sich momentan wenig spendabel.
Epson-Präsident Minoru Usui   Epson-Präsident Minoru Usui
Epson kämpft sich gerade aus "zwei großen Krisen", sagt Präsident Usui. "Die erste Krise war natürlich die Wirtschaftskrise. Die andere war, dass unsere Geschäftsstruktur nicht ideal war." Der Konzern, der neben Druckern auch Industrieroboter und Projektoren, Halbleiter und Sensoren, Rechner und Uhrwerke für die Tochter Seiko herstellt, hatte sich verzettelt. "Wir hatten einige unprofitable Sparten, in denen wir keine wirklichen Stärken hatten", so Usui. Im letzten Geschäftsjahr machte der Konzern 19 Mrd. Yen Verlust. Im Jahr zuvor waren es sogar 111 Mrd. Yen.
Umsatz von Epson nach Sparten   Umsatz von Epson nach Sparten
Nun wird fleißig umstrukturiert. Dazu hat sich Epson beispielsweise von einem Teil der LCD-Sparte getrennt. Die Produktion kleiner Bildschirme, wie sie unter anderem in Smartphones verbaut werden, überließ das Unternehmen Sony, und zwar kostenlos. Ein Halbleiterwerk wurde geschlossen, zahlreiche Forschungs- projekte gestrichen. Usui will sich auf Geschäftsbereiche besinnen, in denen Epson technologisch etwas zu bieten hat. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Konzern wieder Gewinn machen.
Kursinformationen und Charts
  SEIKO EPSON CORP. 8,065 EUR  [0.266 +3,41%
Epson ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei digitalen Projektoren und Quarz-Sensoren. Die große Hoffnung ruht jedoch auf der besonderen Tintenstrahltechnologie, die Usui in seiner Zeit als Ingenieur bei Epson Ende der 80er-Jahre mitentwickelt hat. Noch stammen 80 Prozent des Umsatzes aus dem Verbrauchergeschäft. Künftig will der Konzern auch die Geschäftswelt mit Tinte erobern. "Eines unserer wichtigsten Ziele ist, die Anzahl von Druckern, die wir an Firmenkunden verkaufen, jedes Jahr um zehn Prozent zu erhöhen", sagt Usui. Noch seien nicht alle Produkte marktreif. Stehe in zwei bis drei Jahren das volle Portfolio, könne er sich auch doppelt so hohe Wachstumsraten vorstellen.
Zuerst gilt es jedoch, die Kunden zu überzeugen. "Noch nutzen die meisten Büros Laserdrucker", gibt Usui zu. Tintenstrahldrucker hätten vor allem mit den Vorurteilen der Käufer zu kämpfen, sagt Sharon McNee vom IT-Marktforscher Gartner: "Die Kunden gehen davon aus, das Tintenstrahldrucker höhere Kosten verursachen und eine schlechtere Bildqualität liefern als Laserdrucker." Dabei kommt es nur auf die richtige Technik an. Ein Tintendrucker, bei dem der Druckkopf nicht von links nach rechts über die Seite saust, sondern auf ganzer Breite druckt, ist genauso schnell wie ein Laserdrucker. Und statt einer riesigen Kartusche müssen nur die Tintenpatronen gewechselt werden. "Dann erreicht man ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das mit Laserdruckern nicht möglich ist", sagt Robert Palmer, Analyst beim Marktforscher Infotrends. Die Technik stecke allerdings noch in den Kinderschuhen. Palmer rechnet damit, dass sie sich erst in drei bis fünf Jahren bei großen Firmen durchsetzt.
Der Reiz des Großkundengeschäfts ist hoch. Es verspricht hohe Margen und einen größeren Bedarf an Tinte, dem flüssigen Gold der Druckindustrie. Langfristig sollen Geräte für den professionellen Bereich die Hälfte von Epsons Umsatz mit Druckern ausmachen. Im abgelaufenen Quartal machten Tintenstrahldrucker mit 92 Mrd. Yen zwei Drittel des Druckergeschäfts aus. Außerdem könnte Epson nicht nur an Hardware verdienen, sondern auch durch Wartung und Dienstleistungen. Denn die wirkliche Zukunft des Druckergeschäfts wird nicht durch Tinte oder Laser entschieden, sondern durch Service.
19:36:59 Kursinformationen und Charts
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SEIKO EPSON CORP. 8,065 EUR   +3,41%  0.266
  • Aus der FTD vom 13.12.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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