Da rüttelt wieder einer am Selbstbestimmungsrecht der US-Amerikaner. Nach Vorstellung von New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg sollen die Vereinigten Staaten zum Land der begrenzten Softdrinkbecher werden. Angesichts der enormen Rate fettleibiger Bürger will er zumindest seiner eigenen Stadt ein Abspeckprogramm verordnen.
Schon ab März kommenden Jahres könnte ein Gesetz dafür sorgen, dass stark zuckerhaltige Getränke wie Pepsi oder Coke in New Yorks Schnellrestaurants, Kinos und bei Straßenhändlern nur noch in Bechern verkauft werden dürfen, die weniger als einen halben Liter fassen. Für den Riesendurst müssten die New Yorker folglich zweimal gehen - was im günstigsten Fall wenigstens ein bisschen Bewegung bedeutet.
Erwartungsgemäß haben Hersteller und Gastronomie mit Verwunderung auf Bloombergs Vorschlag reagiert. Coca-Cola und McDonald´s äußerten sich entsprechend, man möge doch den New Yorkern ihre Entscheidung selbst überlassen.
Dabei wäre es doch angebracht, nach durchdachteren Wegen zu suchen, um die Fettleibigkeit im Land zu bekämpfen. Mehr als die Hälfte der New Yorker Bevölkerung gilt heute als zu dick. Die Gesundheitsbehörde der Stadt geht davon aus, dass bis zu 50 Prozent des Zuwachses an übergewichtigen Menschen in den vergangenen 30 Jahren auf das Konto von Softdrinks gehen.
Als Frankreich im vergangenen Jahr die Einführung einer Steuer auf Softdrinks beschloss, war der Aufschrei der Industrie groß. Der weltgrößte Zuckerwasserproduzent Coca-Cola drohte, Millioneninvestitionen in ein Werk in Südfrankreich zu überdenken, ruderte aber später mit Verweis auf einen "Kommunikationsfehler" wieder zurück. Schließlich hatten Länder wie Finnland die Steuer längst eingeführt, und andere wie Großbritannien und Italien sprachen darüber. Auch in den USA, wo ähnliche Vorstöße bislang scheiterten, kocht das Thema regelmäßig wieder hoch.