Der neue RWE-Chef Peter Terium verlangt wegen des stockenden Ausbaus der Windenergie auf hoher See Zugeständnisse der Bundesregierung an die Versorger. "Wir fordern die Bundesregierung auf, mit uns und den anderen Investoren über die Lösung des Problems und einen wirtschaftlichen Ausgleich zu reden", sagte Terium eine Woche vor seinem Amtsantritt dem "Spiegel". Wenn dies nicht geschehe, seien die deutschen Offshore-Planungen bis zum Jahr 2020 nicht mehr erfüllbar. Von den Bürgern fordert Terium ebenso wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die für die Energiewende nötigen neuen Stromtrassen zu akzeptieren.
RWE wie auch Konkurrent Eon haben die Bundesregierung wiederholt vor dem Scheitern ihrer Ausbaupläne für Windkraft gewarnt. Ein Problem ist etwa, dass die Stromnetzbetreiber mit dem Anschluss der Windparks nicht hinterherkommen. Weil Windkraftwerke vor allem in Norddeutschland stehen, der Strom aber auch im Süden gebraucht wird, müssen Tausende Kilometer Stromleitungen gebaut werden.
"Tatsächlich hat der zuständige Netzbetreiber Tennet uns gerade mitgeteilt, dass es weitere massive Verzögerungen beim Anschluss unseres Offshore-Windparks Nordsee Ost gibt", sagte Terium. "Damit ist die Wirtschaftlichkeit des Windparks extrem gefährdet." RWE will in der Nordsee mehrere Windparks mit einer Gesamtleistung von 1000 Megawatt bauen, was der Leistung eines Atommeilers entspricht. Der Konzern will Milliarden Euro in den Ausbau seines Ökostromgeschäfts stecken. Wegen der Belastungen infolge des Atomausstiegs und der Schulden von RWE sei der Spielraum für Investitionen allerdings begrenzt, so Terium.
Beim Ausbau der Offshore-Windkraft hoher See gebe es zudem weitere Verzögerungen, für die die Versorger nicht verantwortlich gemacht werden könnten. "Die Genehmigungsverfahren kommen nicht voran. Die Lieferanten können nicht schnell genug liefern. Es gibt nicht genügend Spezialschiffe für die Installation." Die Energieversorger hielten dennoch daran fest, jährlich ein Gigawatt Stromerzeugungskapazität vor den Küsten zu bauen. "Allerdings sind die Probleme immer noch gewaltig", warnte der künftige RWE-Chef. Reuters