FTD.de » Unternehmen » Industrie » RWE pumpt Milliarden in Atomkraft

Merken   Drucken   05.01.2009, 11:09 Schriftgröße: AAA

Nuklearstrategie: RWE pumpt Milliarden in Atomkraft  

Deutsche Energiekonzerne steigen in großem Stil in die Kernkraft im Ausland ein. Die britische RWE-Tochter NPower plant die Errichtung von zwei oder drei Meilern in Wales. Das geht aus einer Vereinbarung über die Einspeisung von bis zu 3600 Megawatt Strom mit dem Netzbetreiber National Grid hervor. von Michael Gassmann (Düsseldorf)
"Wir meinen es ernst und sind entschlossen, Fortschritte bei neuen nuklearen Optionen zu erreichen", betonte NPower-Chef Andrew Duff.
In Osteuropa steigt RWE  bei zwei bis drei weiteren Kernreaktoren ein. Eon  hat angekündigt, mindestens zwei Kernkraftwerke in Großbritannien zu bauen, und ist an Vorhaben in Finnland beteiligt. Wenn alle Projekte realisiert werden, sind damit Investitionen von deutlich über 20 Mrd. Euro verbunden.
Die Unternehmen hoffen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Zum einen festigen sie ihren Anspruch, auf europäischer Ebene führend mitzumischen. Zum anderen bieten die ausländischen Meiler einen Ausweg aus der steigenden Kostenbelastung für Kohlestrom durch den Emissionsrechtehandel. EU-Stromkonzerne, mit Ausnahme osteuropäischer Erzeuger, bekommen künftig keine kostenlosen Verschmutzungsrechte mehr, hat die EU im Dezember beschlossen.
RWE, größter Emittent von Kohlendioxid (CO2) in Europa, ist von der Verschärfung besonders betroffen. 55,8 Prozent der Stromerzeugung beruhen auf Kohle, davon fast die Hälfte auf Braunkohle. RWE entlässt pro erzeugter Megawattstunde 0,85 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre - 63 Prozent mehr als die EU-Stromerzeuger im Durchschnitt. Bis 2020 will der Essener Energiekonzern seinen Ausstoß auf 0,51 Tonnen je Megawattstunde senken. "Wir streben an, deutlich an den europäischen Durchschnitt heranzukommen", sagte jüngst der neue RWE-Strategievorstand Leonhard Birnbaum.
In Deutschland setzt der Konzern dazu unter anderem auf die Modernisierung seiner Kohlekraftwerke. Gleichzeitig treibt er den Ausbau der CO2-freien erneuerbaren Energien voran. Die RWE-Tochter Innogy soll im Schnitt 1 Mrd. Euro pro Jahr in Wind-, Wasser- oder Biogasanlagen investieren. Doch der deutsche Kernkraftausstieg lastet auf der Emissionsbilanz stärker als bei den Wettbewerbern. Bereits 2010 muss RWE die Reaktoren Biblis A und B vom Netz nehmen, bis 2016 auch zwei Blöcke in Gundremmingen mit 75 Prozent RWE-Anteil. Die Chance zum Ausbau in Großbritannien kommt Vorstandschef Jürgen Großmann  daher gelegen.
Investitionen in ausländische Reaktoren sind jedoch umstritten. Um eine Beteiligung am bulgarischen Reaktor Belene war es zum Streit im RWE-Aufsichtsrat gekommen. Auch die britischen Projekte könnten Zündstoff bergen. NPower sicherte sich neben Einspeisungsrechten zugleich Optionen zum Erwerb von Grundstücken nahe dem bestehenden Reaktor Wylfa auf der Insel Anglesey, sagte Duff. Die Lage ist für das Unternehmen attraktiv, weil es dort bald weitere Akquisitionschancen geben könnte. Der französische Rivale EDF muss nach der 13 Mrd. Euro schweren Übernahme des Nuklearstromerzeugers British Energy Standorte in der Nähe verkaufen, so Auflagen der EU-Kommission. "Wenn EDF Standorte oder Anlagen nach dem anstehenden Kauf von British Energy anbietet, würde RWE diese Akquisitionen erwägen", ist Analystin Zoe Grainge von Global Insight überzeugt.

Dieses ist ein kostenpflichtiger Inhalt der FTD. Bitte melden Sie sich an, um fortzufahren!

Abonnenten
Sie haben kostenlosen Zugang zum Weiterlesen oder Herunterladen. Bitte melden Sie ich mit Ihren Zugangsdaten über die Anmeldebox an.

Nicht-Abonnenten
Wenn Sie Interesse an einem FTD-Abo haben, informieren Sie sich über die verschiedenen Abo-Angebote unter www.ftd.de/abo-vergleich.

Alternativ können Sie für den Zugriff auf den gewünschten Inhalt ein Tagesticket erwerben. Für den Erwerb eines Tagestickets müssen Sie bei uns registriert sein (zur Registrierung). Nach Registrierung melden Sie sich einfach über die Anmeldebox an. Anschließend können Sie das Tagesticket erwerben.

Das Tagesticket bietet für 2,50 € einen 24-Stunden-Vollzugriff auf...

  • ...alle Premium-Artikel auf FTD.de
  • ...das aktuelle ePaper (Zeitung als PDF) und 1-Monats-Archiv der FTD
  • ...die Nachmittagsausgabe FTD 17 Uhr (PDF)
  • ...alle Sonderbeilagen der FTD (PDF)
  • ...alle älteren Ausgaben der FTD über einen Archiv-Zugang
  • ...alle archivierten Online-Artikel
Login

Statten Sie Ihre Mitarbeiter oder Key-Accounts mit dem Informationsangebot der FTD aus. Über Unternehmenslösungen für Abonnements oder Online-Zugänge informiert Sie gern unsere Abteilung Business Cooperations, corporate-solutions(at)ftd.de.

Bei Fragen rund ums Abo wenden Sie sich bitte an unsere Service-Zentrale unter kundenservice@ftd.de
Bei Fragen oder Problemen zu Ihrer Einzelverkaufsabrechnung wenden Sie sich bitte direkt an Click & Buy
19:38:52 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Eon 14,78 EUR   -0,94%  -0.14
RWE 29,535 EUR   +0,17%  0.05
  • Aus der FTD vom 05.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Ackermann-Nachfolger: Anshu Jain - Wider die Deutschtümelei

    Eine Bilanz vor dem Amtsantritt? Verbietet sich. Eigentlich. Nicht so bei Anshu Jain. Denn Josef Ackermanns Nachfolger hat schon vor dem Start bei der Deutschen Bank viel verändert. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Ackermanns Meilensteine

Bilderserie

  17:51 Wirtschaft Spendierhosen bei VW sitzen enger
Wirtschaft: Spendierhosen bei VW sitzen enger (00:01:36)

Der Tarifabschluss für die Angestellten des Automobilkonzerns entspricht weitgehend dem Flächenvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Laut IG-Metall ist er aber "einen Schnaps besser". mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6264,38  [-16.42 -0,26%
  Dow Jones 12442,91  [23.05 +0,19%
  Nasdaq Composite 2830,23  [-7.13 -0,25%
  Euro Stoxx 50 2118,94  [2.76 +0,13%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote