Trotz hoher Risiken will Eon die Stromerzeugung aus Offshorewindkraft bis zum Jahr 2015 verdreißigfachen. Beim milliardenschweren Ausbau erneuerbarer Energien in den nächsten Jahren habe Windkraft auf hoher See für den Konzern "strategische Priorität", sagte Frank Mastiaux, Chef der Eon-Ökostromsparte Climate & Renewables. Mit dem Bekenntnis zur Offshorewindkraft stellt sich Eon gegen die Skeptiker der Branche. Der weltgrößte Windkraftanlagenhersteller Vestas etwa sieht die Wachstumsperspektiven bei Offshore zurückhaltend. Noch seien Installation und Betrieb auf hoher See wenig erprobt. Zudem seien die Investitionen pro installierter Kilowattstunde etwa dreimal so hoch wie bei Anlagen an Land, sagte jüngst Vestas-Chef Ditlev Engel. Allerdings werfen Offshorewindräder deutlich mehr Strom ab, weil auf dem Meer der Wind stetiger und stärker bläst als an Land.
Eon baut seit 2007 das Geschäft mit Ökostrom massiv aus. Bis 2011 will der Düsseldorfer Konzern weitere 4 Mrd. Euro in erneuerbare Energien investieren. Neben dem Ausbau der Stromerzeugung, die frei von Kohlendioxidemissionen ist, sind die Renditen attraktiv: Eon fahre in der Ökostromsparte prozentual hohe zweistellige Ebit-Margen ein, heißt es aus dem Konzern. Ein Börsengang der Sparte gilt daher als langfristig möglich - auch, um weiteres Kapital für Investitionen einzusammeln.
Eon betreibt vor den Küsten Englands und Dänemarks erst drei Offshorewindparks mit einer Leistung von rund 100 Megawatt. Doch der Düsseldorfer Konzern hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: In der Projektpipeline hat Eon mehr als 3100 Megawatt - das entspricht einer Verdreißigfachung der Offshorekapazitäten. Zuletzt etwa gab Eon grünes Licht für den Bau des weltgrößten Offshorewindparks London Array in der Themse-Mündung, an dem der Konzern mit einem Drittel beteiligt ist. Die Kosten der ersten Bauphase, in der Windräder mit einer Leistung von 630 Megawatt errichtet werden, liegen bei 2,2 Mrd. Euro.
Wann Eon in der deutschen Nord- und Ostsee die ersten Offshorewindparks baut, will der Konzern von den Erfahrungen mit dem Testfeld Alpha Ventus abhängig machen.
Bis Ende des Jahres sollen rund 45 Kilometer vor der Nordseeinsel Borkum zwölf Anlagen mit einer Leistung von insgesamt 60 Megawatt aufgebaut werden. "Ich bin zuversichtlich, dass wir auch die deutsche Nordsee für die Offshoretechnologie erschließen können", betonte Eon-Chef Wulf Bernotat . Der Bau von Windparks in deutschen Gewässern ist wegen Entfernungen zur Küste von bis zu 60 Kilometern und Wassertiefen von bis zu 50 Metern deutlich schwieriger und technologisch anspruchsvoller als etwa vor der britischen Küste. Dort werden die Anlagen zum Teil in nur wenige Meter tiefem Wasser errichtet.
Während Eon in Europa vor allem Offshorewindparks baut, konzentriert sich der Konzern in den USA auf die Errichtung von Anlagen an Land. So werde Eon im Herbst in Texas den größten Onshorewindpark der Welt mit 800 Megawatt Leistung eröffnen, kündigte Bernotat an. Erneuerbare Energien sind für Bernotat ein fester Bestandteil des Kerngeschäfts von Eon. Bis 2020 werde das jährliche Investitionsvolumen der Branche in Erneuerbare von derzeit 60 Mrd. Euro auf 400 Mrd. Euro anwachsen, sagte Bernotat. Dabei spiele die Windkraft die größte Rolle. "Kein anderer Markt im Energiebereich hat vergleichbares Potenzial", so Bernotat.
Welche Bedeutung erneuerbare Energien für Eon bekommen, zeigt das geplante Erzeugungsportfolio des Konzerns. So wird sich der Ökostromanteil in den nächsten zwei Jahrzehnten verdreifachen. Nach der Planung sollen 36 Prozent der von Eon weltweit generierten Energie im Jahr 2030 aus erneuerbaren Quellen stammen - 2008 waren es 13 Prozent. Atomkraft wird nur noch elf Prozent ausmachen. Heute liegt ihr Anteil bei 15 Prozent.