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Merken   Drucken   05.11.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Ölförderung: USA wollen J.R. zurück  

Die USA haben die Ölförderung massiv ausgebaut. Damit rückt das Ziel näher, dass die Vereinigten Staaten ihre Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Nahen Osten reduzieren können – oder gar selbst zum Exporteur werden.
© Bild: 2012 DAP/Bildfunk/Colorplus
Premium Die USA haben die Ölförderung massiv ausgebaut. Damit rückt das Ziel näher, dass die Vereinigten Staaten ihre Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Nahen Osten reduzieren können – oder gar selbst zum Exporteur werden.
von Frankfurt

Die USA kommen ihrem Ziel näher, ihre Abhängigkeit von Öllieferungen aus dem Nahen Osten zu reduzieren. Denn die Vereinigten Staaten fördern mit derzeit 6,61 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag so viel von dem Rohstoff wie seit 1995 nicht mehr. Zum Vergleich: Im Iran liegt der Ausstoß bei lediglich 4 Mio. Barrel am Tag, im Irak und Kuweit zusammen bei etwas mehr als 5 Mio. Barrel. Grund für den Boom in den USA sind große Vorkommen an Ölschiefer, aus denen aufgrund der momentan vergleichsweise hohen Weltmarktpreise mit modernen Techniken zu wirtschaftlichen Kosten Öl gefördert werden kann.

Angesichts des zunehmenden Ausbaus der Förderung erwarten etwa die Experten der Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec), dass die USA bis zum Jahr 2035 vollkommen unabhängig von externem Öl werden könnten. Und Goldman Sachs  sieht das Land gar auf dem Weg zu einem der größten Ölexporteure weltweit.

Das Thema Öl spielte auch im US-Präsidentschaftswahlkampf eine große Rolle. Und wer auch immer als Sieger aus dem Urnengang an diesem Dienstag hervorgehen wird - die Produktion dürfte weiter ausgeweitet werden. Amtsinhaber Barack Obama sagte Anfang September auf dem Parteitag der Demokratischen Partei, er wolle die US-Ölimporte bis 2020 halbieren. Sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney will gar den gesamten Kontinent Nordamerika ebenfalls bis 2020 völlig unabhängig von Energieimporten machen.

Ein gutes Stück haben die USA auf dem Weg zu diesen Zielen bereits hinter sich: Im vergangenen Jahr führten sie laut der amerikanischen Energiebehörde EIA netto 8,4 Mio. Barrel pro Tag ein, was 45 Prozent des benötigten Öls aus dem Ausland entspricht. Das ist bereits der niedrigste Stand seit 1995 - Tendenz fallend.

Auch wenn Obama sich den deutlichen Anstieg der Produktion auf die Fahnen schreibt, einen Großteil der dafür verantwortlichen Entscheidungen hat die Vorgängerregierung unter George W. Bush getroffen. So genehmigte sie die Ausbeutung der Felsformation Bakken in den Bundesstaaten North Dakota und Montana, aus der nun eben Ölschiefer gewonnen wird. Heute ist North Dakota der zweitgrößte Ölförderstaat der USA, vor Alaska und knapp hinter Texas.

Aus Bakken und aus den kanadischen Ölschiefergebieten kommt derzeit so viel Öl, dass die Pipelinekapazitäten nicht mehr ausreichen. Daher werden zunehmend andere Transportwege genutzt: Zwischen 2007 und 2012 wuchs das Transportvolumen auf dem US-Schienennetz von 11.000 auf geschätzte 340.000 Barrel täglich. Rechnet man Kanada mit ein, steigt der Wert auf 400.000 Barrel. Dies entspricht in etwa vier Prozent der nordamerikanischen Ölproduktion oder der Kapazität einer großen Pipeline.

Aufgrund des Booms ist das einheimische Produkt derzeit für 75,61 Dollar je Barrel zu haben, das sind fast zehn Dollar weniger, als US-Öl am Weltmarkt kostet. Große Ölkonzerne haben in Washington beantragt, den Rohstoff exportieren zu dürfen. Und die Vorräte scheinen gigantisch: Zwar gehen die Schätzungen über das Volumen des im Ölschiefer gebundenen Rohstoffs weit auseinander, als Untergrenze geben Experten aber mindestens 24 Mrd. Barrel an. Das ist mehr, als der Iran an Ölreserven hat.

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  • Aus der FTD vom 06.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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