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Merken   Drucken   11.05.2012, 18:04 Schriftgröße: AAA

Palestinian Airlines: Flug nach irgendwo

Nach jahrelanger Zwangspause soll die eigene Airline der Palästinenser bald wieder starten. Es ist eine Staatsfluglinie ohne Staat. Und auch die geplanten Flugziele lassen eine Region komplett vermissen: Palästina.
von Jerusalem

General Sijad al-Bada hat große Pläne. Der Chef der Palestinian Airlines hat gerade den ersten Linienflug seiner Gesellschaft überhaupt seit 2005 angekündigt - und schon will er das Liniennetz ausbauen. Erst einmal sollen Maschinen zweimal pro Woche von Arisch in Ägypten nach Amman in Jordanien fliegen. Als Nächstes seien Flüge nach Dschidda in Saudi-Arabien, in die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate vorgesehen, sagt der General. Nur ein Ziel fehlt: Palästina.

Palestinian Airlines ist die "nationale Fluglinie" der Palästinenser, zu 100 Prozent im Besitz der Autonomiebehörde. Sie ist eine Staatslinie ohne Staat - und somit ein Symbol für den Kampf der Menschen in der Region um volle Anerkennung. So wie al-Badas Generalsrang, schließlich gab es noch nie ein palästinensisches Militär.

So klein sie ist: Die Airline hat eine bewegte Geschichte. Schon 1995 gründete die frisch geschaffene Autonomiebehörde die Gesellschaft. Kurzzeitig besaß sie mit dem Gaza International Airport - von den Palästinensern Jassir-Arafat-Flughafen getauft - sogar einen richtigen Heimatflughafen. Doch schon 2001 war alles vorbei. Die israelische Armee zerstörte den Flughafen mit dem Beginn der zweiten Intifada.

Eine Weile noch flog Palestinian Airways regelmäßig von Arisch auf der Sinaihalbinsel, etwa 50 Kilometer westlich des Gazastreifens. Doch auch das lohnte sich bald nicht mehr. 2005 zog sich Israel aus dem Gazastreifen zurück und riegelte das Gebiet nach und nach vollständig ab. So konnten kaum noch Palästinenser aus Gaza über die Grenze kommen. Die Airline fiel in einen tiefen Schlummer, behielt aber ihre drei Flugzeuge, die verleast wurden.

Inzwischen ist der Grenzübergang Rafah zwischen dem Gazastreifen und Ägypten wieder geöffnet. Der Flughafen Arisch ist für Palästinenser zugänglich - was es Reisenden aus den Autonomiegebieten im Westjordanland ermöglicht, nach Gaza zu gelangen. Wobei ein Blick auf die Landkarte verrät, was das bedeutet: Ein Palästinenser etwa aus Hebron muss zunächst nach Jordanien reisen, um von Amman nach Arisch in Ägypten zu fliegen und von dort nach Gaza weiterzureisen. Auf dem direkten Landweg wären gerade mal 50 Kilometer zurückzulegen. Doch die Ausnahmegenehmigung für die Reise durch Israel ist kaum zu bekommen. Mit der neuen Flugverbindung lässt sich der riesige Umweg nun immerhin etwas schneller bewältigen.

  • FTD.de, 11.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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