In Branchenkreisen heißt es, dass der Militärflieger statt der zugesagten Nutzlast von 32 Tonnen lediglich 29 bis 30 Tonnen transportieren kann. Außerdem habe das Flugzeug derzeit etwa zwölf Tonnen zu viel Gewicht. Deshalb sollen künftig verschiedene technische Auslegungen eingespart werden. Zusätzlich gibt es bei diesem Projekt noch zahlreiche Einzelprobleme.
"Das ganze Programm ist aus den Fugen geraten", sagte ein Insider. EADS mit seiner Airbus-Tochter würden den Militärs jetzt eine Neuverhandlung über Verträge für ein technisch nicht so anspruchsvolles Basisflugzeug vorschlagen.
Der EADS-Konzern hatte am Freitagabend offiziell mitgeteilt, dass mit der europäischen Militärbeschaffungsbehörde Occar ein neuer Zeitplan und Änderungen bei der Auslegung des Flugzeugs besprochen werden. Zugleich räumte der Konzern weitere Verzögerungen um Jahre ein. Jetzt rechnet EADS mit einer Frist von drei Jahren zwischen dem Erstflug und der Erstauslieferung. Das Datum für den Erstflug steht noch gar nicht fest. Schon bisher liegt das Programm um mindestens ein Jahr hinter dem Zeitplan. Branchenkenner rechnen jetzt mit einer Auslieferung des Flugzeugs etwa ab 2013 statt ab 2009.
Die A400M-Verzögerungen übertreffen damit noch die rund zweijährigen Verspätungen von Airbus beim Riesenairbus A380. Zudem sind die finanziellen Folgen noch offen. Schon bisher wurden im EADS-Konzern über 2 Mrd. Euro Verluste für das A400M-Programm verbucht. In Expertenkreisen heißt es, dass sich durch die neuerlichen Änderungen und Verzögerungen die bisher auf 3,3 Mrd. Euro kalkulierten Entwicklungskosten in etwa verdoppeln könnten. Jeder Monat Entwicklungszeit schlage mit gut 200 Mio. Euro zu Buche.
Airbus will sich derzeit auf keine Höhe der zusätzlichen Kosten festlegen. Erst wenn alle Eckdaten und das Verhalten der Kunden bekannt sei, wäre dies möglich. Auch zum Thema der Nutzlast oder der Gewichtsüberschreitung wollte sich eine Airbus-Sprecherin nicht im Detail äußern. "Es wird ein außergewöhnlich leistungsfähiges Flugzeug", sagte die Sprecherin.
Die Militärbeschaffungsbehörde Occar hätte durch die gravierenden Verzögerungen zwar das Recht, den Milliardenauftrag zu kündigen und Schadensersatz in dreistelliger Millionenhöhe zu verlangen. Ein Komplettausstieg aus dem A400M-Programm wird aber nicht erwartet. Vielmehr ist von "Streit auf verschiedensten Ebenen" die Rede. So signalisierte beispielsweise Frankreich die Bereitschaft für eine Kompromisslösung, während der größte Einzelkunde Deutschland mit 60 bestellten Maschinen auf die strikte Einhaltung der Verträge pocht.
Die neuerlichen Verzögerungen schwächen auch die internationalen Marktchancen des A400M-Modells. So erwägt der US-Konzern Lockheed Martin, eine vergrößerte Version seines Erfolgsmodells C-130 Hercules als Konkurrenz zur A400M zu bauen.
Weitere Aufklärung über die Misere könnte eine Pressekonferenz mit EADS-Chef Louis Gallois am Dienstag und die Airbus-Pressekonferenz am Donnerstag bringen.