Bis vor kurzem war er noch der Herr über den Euro. Nun soll Jean-Claude Trichet in den Verwaltungsrat von Europas Luftfahrtkonzern einziehen. Das ist Teil einer größeren Rochade an der Spitze von EADS.
von Gerhard Hegmann
Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, soll in das oberste Entscheidungs- und Kontrollgremium des Luftfahrtkonzerns EADS einziehen. Dies soll auf der heutigen Sitzung des Verwaltungsrates festgelegt werden. Trichet würde dabei dem französischen Aktionärsblock und nicht dem Block der vier unabhängigen Vertreter im Kontrollgremium zugerechnet. Das erfuhr die FTD aus Branchenkreisen. Zunächst hatte die französische Zeitung "Les Echos" über die Personalie berichtet. EADS wollte sich dazu nicht äußern.
Die Personalie Trichet ist Teil einer umfassenden Neubesetzung von Spitzenpositionen beim Konzern - und das Ergebnis der vor fünf Jahren beschlossenen deutsch-französischen Rotation. Frankreich und Deutschland hatten vereinbart, dass es in diesem Jahr zu einem Wechsel der Spitze des Verwaltungsrates von einem Deutschen zu einem Franzosen kommt. Dies löst eine Kaskade an Umbesetzungen aus.
Bei der Sitzung des Verwaltungsrates sollen die Beschlüsse über einen weitreichenden Umbau an der Konzernspitze beschlossen werden. Dabei sei mit keinen Überraschungen zu rechnen, heißt es.
Danach würde Airbus-Chef Thomas Enders Nachfolger des Franzosen Louis Gallois an der Spitze des EADS-Vorstands. Der Franzose Fabrice Brégier würde neuer Airbus-Chef. An die Spitze des Verwaltungsrates würde der Franzose Arnaud Lagardere als Nachfolger des Daimler-Finanzvorstands Bodo Uebber rücken. Die Neubesetzung des Verwaltungsrates müsste formal auf der Hauptversammlung des größten europäischen Luft-und Raumfahrtkonzerns am 31. Mai beschlossen werden.
In einem komplexen Aktionärspakt haben Deutschland und Frankreich bei der Gründung der EADS vor elf Jahren ein nationales Gleichgewicht bei den Kapitalanteilen festgelegt. In den vergangenen Jahren haben die privaten Anteilseigner Daimler und der Medienkonzern Lagardere ihre Anteile schrittweise immer weiter abgebaut.
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