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Merken   Drucken   26.06.2012, 13:23 Schriftgröße: AAA

Pharmabranche: Merz-Patriarch zieht sich zurück

Doppelter Umbruch beim Hersteller der Merz Spezial Dragees: Deutschlands sechstgrößter Arzneikonzern bekommt einen neuen Chef - und der Firmenpatriarch, der stets die Strippen in der Hand hatte, tritt in den Hintergrund.

Der Arzneikonzern Merz hat einen neuen Chef gefunden und ordnet zugleich seine Machtstruktur neu. Philip Burchard, 53, vom Wettbewerber AstraZeneca folgt Martin Zügel, der das Familienunternehmen verlässt. Simultan tritt Firmenpatriarch Jochen Hückmann, 69, in den Hintergrund. Künftig werden alle drei zentralen Führungsgremien von Familienfremden geleitet.

Martin Zügel verlässt das Unternehmen   Martin Zügel verlässt das Unternehmen

Der Neue hat die Aufgabe, die 2010 angekündigte Mittelfriststrategie bei Deutschlands sechstgrößtem Pharmakonzern umzusetzen. Bekannt ist Merz zwar wegen seiner Spezial Dragees für schönere Haare und Fingernägel. Weitaus wichtigstes Produkt ist jedoch die Alzheimerpille Axura, die fast die Hälfte zum Umsatz beiträgt - aber in den nächsten Jahren ihre Patente verliert. Das Geschäft soll künftig gleichmäßiger auf die drei Konzernbereiche verteilt werden: forschungsintensive Originalpräparate, rezeptfreie Arzneien und Schönheitsprodukte. Zudem soll Merz internationaler werden.

Jochen Hückmann, der Vorstandsvorsitzende von Merz, steht vor dem ...   Jochen Hückmann, der Vorstandsvorsitzende von Merz, steht vor dem Firmensitz in Frankfurt am Main

Die Personalien markieren einen Umbruch bei dem Frankfurter Unternehmen, dessen beherrschende Figur Hückmann jahrzehntelang war. Der Enkel des Firmengründers hatte 25 Jahre lang die Geschäftsführung geleitet - von 2006 an dann den Gesellschafterrat, der die Interessen der Eignerfamilie koordiniert. Aus dieser Position zog er aber weiter die Fäden - zum Unmut seiner Nachfolger im operativen Chefsessel. Mit dem ersten (Ex-Merck-Chef Bernhard Scheuble) kam es schon in der Anfangsphase zum Knall: Er trat nach sieben Monaten wieder ab. Der jetzige Amtsinhaber Zügel kündigte vor gut einem Jahr intern an, sich einen neuen Job zu suchen. Immerhin bekam das Unternehmen diesmal Zeit, einen Nachfolger zu bestellen - seit Herbst mit Hilfe der Personalberater von Egon Zehnder.

Die Suche verlief zäh, weil Hückmanns Dominanz bei Merz branchenbekannt ist und Kandidaten abschreckte. Nun hat das Unternehmen einen international erfahrenen Manager gefunden: Burchard war beim weltweit fünftgrößten Pharmakonzern AstraZeneca  (AZ) zuletzt in der dritten Ebene: Er leitete die Region Westeuropa, zuvor das weltweite Marketing und davor Lateinamerika. Burchard habe den Konzern vor Monaten verlassen, sagte ein Sprecher. AZ durchläuft nach abrupter Trennung von seinem Konzernchef eine turbulente Zeit und ist für Headhunter daher dankbarer Jagdgrund.Burchard ist in Brasilien aufgewachsener Deutscher, studierter Betriebswirt und begann seine Karriere beim inzwischen zerschlagenen Hoechst-Konzern.

Krebs führt Gesellschafterrat

Zu Merz wechselt Burchard zum 1. Juli - in ein neues Machtgefüge hinein. Denn Hückmann gibt den Vorsitz des Gesellschafterrats an den familienfremden Manager Andreas Krebs ab, der bereits den Aufsichtsrat führt und nun seinen Einfluss noch ausbaut. Hückmann hatte Krebs, früher Vorstand beim US-Riesen Wyeth, 2010 zu Merz geholt - als Sparringspartner mit internationaler Erfahrung. Sie bildeten zuletzt das zentrale Entscheider-Duo.

Mit der damaligen Entscheidung leitete der Patriarch den Gang in den Ruhestand schon ein. Zugleich bereitete er die vierte Generation der Familie auf die Arbeit im Gesellschafterrat vor. Hückmann will den Konzern, der in Kürze die Umsatzmilliarde erreicht, künftig als Aufsichtsratsmitglied begleiten. "Ich biete weiter meinen Rat an - aber dieser Rat kommt künftig nicht mehr ex officio (qua Amtsautorität), er muss durch den Inhalt alleine überzeugen", sagt Hückmann.

Die beiden Stämme der Eignerfamilie sind mit je einem Mitglied im Gesellschafterrat vertreten und wahren so den Einfluss. Die zwei Mitglieder können zusammen wichtige Entscheidungen per Vetorecht blockieren. Doch erstmals sind im Kräftedreieck Geschäftsführung, Aufsichts- und Gesellschafterrat alle Leitungsposten von Externen besetzt. Zudem wurde die Schwelle für genehmigungspflichtige Entscheidungen vervierfacht: Die Geschäftsleitung kann nun Pläne mit bis zu 10 Mio. Euro Volumen alleine entscheiden.

  • FTD.de, 26.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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