Rund 6 Mio. Pfund (9 Mio. Euro) wendete der weltweit zweitgrößte Pharmakonzern 2006 für die Unterstützung von 424 Selbsthilfeorganisationen in Europa auf.
In Deutschland unterstützte Glaxo demnach 35 Patientenorganisationen mit zusammen 306.488 Euro. Davon entfielen beispielsweise 7000 Euro auf den Deutschen Allergie- und Asthmabund und 19.000 Euro auf die Deutsche Aids-Hilfe. Die Beiträge entsprechen meist einem Anteil von weniger als einem Prozent des Gesamtbudgets.
Pharmakonzerne stehen immer wieder im Verdacht, Patientenorganisationen zu unterstützen, um Patienten direkter ansprechen zu können und mit ihnen zusammen politische Interessen zu verfolgen. Die politische Bedeutung dieser Gruppen wächst, weil sie wichtigen Entscheidungsgremien angehören. Desgleichen nähme ihre gesellschaftliche Anerkennung und Professionalität zu, sagen Experten. Jüngst waren Selbsthilfegruppen in den Debatten, welche Präparate künftig noch von den Krankenkassen bezahlt werden sollen, auf großes Medienecho gestoßen.
Circa drei Millionen Menschen sind in deutschen Selbsthilfegruppen organisiert. Die Kooperationen zwischen den Konzernen und den Vereinen dienen in der Regel der Finanzierung von Konferenzen, Publikationen und Aufklärungsprojekten. Ein heikles Thema ist für die Konzerne dabei das geltende Werbeverbot für rezeptpflichtige Medikamente.
Vorträge und Broschüren sind bei Informationsveranstaltungen von Selbsthilfe- und Patientengruppen in den Augen kritischer Beobachter eine geeignete Plattform für Werbebotschaften, vor allem, wenn neue Produkte auf den Markt kommen. "Die Unterstützung von Patientenorganisationen durch Pharmakonzerne ist ein Spagat zwischen reiner Information und unerwünschter Einflussnahme Das bietet Sprengstoff", sagt ein Insider.
Glaxos Selbstverpflichtung für ganz Europa ist bislang einzigartig. Der Schweizer Pharmakonzern Roche veröffentlichte im November eine erste Spendenübersicht für Deutschland im Internet, die gerade überarbeitet wird. Durch Glaxos Schritt dürfte nun Bewegung in den Prozess kommen. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), in dem die internationalen Pharmakonzerne vertreten sind, arbeitet an Leitlinien für die Transparenz beim Sponsoring, die bis Ende 2007 umgesetzt werden sollen. "Je offener und nachvollziehbarer die Konzerne agieren, desto unangreifbarer werden sie", sagte eine VFA-Sprecherin.
Glaxo verpflichtet sich, selbst weder Selbsthilfegruppen zu gründen, noch als alleiniger Sponsor aufzutreten. "Der Konzern respektiert die Unabhängigkeit der Organisationen. Weiterhin verpflichten wir uns, keinen Einfluss auf Inhalte ihrer Arbeit auszuüben", sagte Thomas Werner, Deutschlandchef von GlaxoSmithKline .