Piëchs Lkw-Pläne:VW und MAN brechen mit guter Unternehmensführung
Der Wolfsburger Autobauer beansprucht drei Sitze im Aufsichtsrat des Lkw-Herstellers. Da gibt es nur ein Problem: Die geplante Berufung verstößt gegen den Corporate-Governance-Kodex. Dem Gremium ist das egal.
von Gerhard HegmannMünchen
Volkswagen beansprucht die Mehrheit im MAN-Aufsichtsrat, obwohl das Unternehmen nicht die Mehrheit am Kapital des Lkw-Herstellers hält. Zudem sollen drei VW-Spitzenmanager in das Kontrollgremium einziehen, die gleichzeitig im Aufsichtsrat des MAN-Rivalen Scania sitzen. Das geht aus der Kandidatenliste für den Aufsichtsrat hervor, die MAN am Dienstag veröffentlichte.
Der Münchner Konzern räumte auf seinen Investor-Relations-Seiten ein, dass die geplante Berufung dreier Volkswagen-Vorstände gegen die Empfehlungen des deutschen Kodex für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) verstoßen wird. "Der MAN-Aufsichtsrat ist jedoch der Auffassung, dass eine entsprechende Wahl eine Kooperation mit Scania erleichtert und daher im Interesse der MAN SE liegt", heißt es zur Begründung. Aus Wolfsburg sollen Konzernchef Martin Winterkorn, sein Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch sowie Jochem Heizmann, verantwortlich für das Nutzfahrzeuggeschäft, in den MAN-Aufsichtsrat einziehen. Insgesamt beansprucht VW dort fünf der acht Mandate der Anteilseignerseite.
Martin Winterkorn auf der Hauptversammlung von Volkswagen
Der Autobauer könnte dann bei MAN durchregieren. Jüngst hatte VW den Aktionären des Konzerns ein Übernahmeangebot unterbreitet, mit dem man den Anteil von derzeit knapp über 30 Prozent auf etwa 35 bis 40 Prozent erhöhen möchte. Drahtzieher ist Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch, der auch MAN-Aufsichtsratschef ist. Er will die Lkw-Marken MAN und Scania zusammenführen. Obwohl das Bundeskartellamt VWs Aufstockung bei MAN noch nicht zugestimmt hat, soll der Aufsichtsrat nun bereits nach Piëchs Vorstellungen besetzt werden.
Mit dem Schritt würde der 74-Jährige seine Macht bei MAN überproportional ausweiten. Die Vorschläge zur Besetzung des Kontrollgremiums sorgen deshalb bei Corporate-Governance-Experten für heftige Kritik. Zwar sehen weder das Aktienrecht noch der Corporate Governance Kodex Quoten für eine Besetzung der Kontrollgremien vor. Dennoch verstößt der MAN-Vorschlag nach Ansicht des Betriebswirtschaftsprofessors Manuel Theisen gegen den Kodex, weil er einseitig die Interessen eines Aktionärs stützt. Der Aufsichtsrat habe aber die Unternehmensinteressen zu schützen. Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz sagte: "Damit werden Rechte der Kleinaktionäre ausgehebelt."
Die Neuwahl des MAN-Aufsichtsrats steht turnusgemäß auf der Hauptversammlung am 27. Juni an. Neben Piëch tritt auch Audi-Chef Rupert Stadler erneut an.
Nur drei MAN-Kontrolleure der Kapitalseite würden künftig nicht aus dem Volkswagen-Umfeld stammen: Michael Behrendt als Vorstandschef von Hapag-Lloyd, Ekkehard Schulz, der Ex-Konzernchef von ThyssenKrupp, sowie die neu nominierte Angelika Pohlenz, Generalsekretärin der Internationalen Handelskammer Berlin.
Widerstand für seine Lkw-Fusionspläne muss Piëch in dem Gremium damit kaum mehr fürchten. Mit Ex-Münchener-Rück-Vorstand Heiner Hasford und der Leiterin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, scheiden zwei seiner größten Kritiker aus. Beide hatten sich widersetzt, als Piëch im Alleingang nahezu die gesamte MAN-Spitze um den damaligen Chef Hakan Samuelsson aus dem Amt gedrängt hatte.
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