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Merken   Drucken   27.01.2011, 12:55 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Frachterkrise bringt Schiffsfonds in schwere See

Der Branchenriese Korea Line beantragt Gläubigerschutz. Die Anleger eines 500 Mio. Dollar schweren Beteiligungsmodells von Nordcapital müssen um ihr Kapital bangen von Richard Haimann
Die hoch verschuldete Reederei Korea Line ist zahlungsunfähig. Der zweitgrößte südkoreanische Betreiber von Massengutfrachtern (Bulker) hat Gläubigerschutz beantragt. Betroffen sind auch Anleger von Schiffsfonds der deutschen Emissionshäuser Conti und Nordcapital. Der 2008 aufgelegte und 500 Mio. Dollar (zum damaligen Zeitpunkt rund 333 Mio. Euro) schwere Fonds Bulkerflotte 1 von Nordcapital hat gleich sieben seiner neun Schiffe an Korea Line verchartert.
Volumenstarke Fonds, die ihr Kapital über mehrere Schiff streuen, sollen eigentlich die Risiken für die Anleger reduzieren. "Durch die Vercharterung des Großteils der Bulker an eine einzelne Reederei hat Nordcapital dieses Konzept jedoch konterkariert und den Zeichnern ein extremes Risiko aufgebürdet", kritisiert der Münchner Anlegerschutzanwalt Peter Mattil.
Beide Emissionshäuser, Nordcapital und Conti, haben bislang keinen Überblick, welche Konsequenzen eine mögliche Pleite der Reederei für ihre Anleger haben könnte. Genehmigt der Central District Court in Seoul das Insolvenzverfahren, müsste Korea Line den Fonds die vereinbarten Charterraten nicht mehr zahlen. Damit könnten diese auch die Bankkredite nicht mehr bedienen. Im schlimmsten Fall würden die Anleger ihr gesamtes investiertes Eigenkapital verlieren.
"Wir müssen abwarten, in welchem Ausmaß ein mögliches Insolvenzverfahren Auswirkungen auf die Charterverträge unserer Schiffe hat", sagt Nordcapital-Sprecherin Stefanie Rother. "Wir sind optimistisch, dass Korea Line schnell wieder aus dem Gläubigerschutz herauskommt und unsere beiden Fonds keine großen Blessuren davontragen", sagt Wolfgang Menzl, Geschäftsführer der Conti-Gruppe. Das Münchner Emissionshaus hat zwei Bulker an Korea Line für sieben Jahre verchartert. In den Fonds Conti Saphir haben Anleger 13 Mio. Euro Eigenkapital eingebracht, beim Conti Selenit sind es 12,9 Mio. Euro.
Auch die Emissionshäuser Hannover Leasing und Lloyd Fonds hatten im Herbst 2008 Fonds geplant, deren Bulker an Korea Line verchartert werden sollten. Wegen des Ausbruchs der Finanzkrise wurden diese jedoch wieder vom Markt genommen. "Von der Zahlungsunfähigkeit von Korea Line ist keiner unserer Anleger betroffen", sagt Andreas Ahlmann, Geschäftsführer der Hannover Leasing. Beim Beteiligungsmodell Flotte 12 von Lloyd Fonds sollten zwei Bulker an Korea Line verchartert werden. "Wir haben den Fonds jedoch aus dem Vertrieb genommen, bevor überhaupt ein Anleger beigetreten war", sagt Unternehmenssprecherin Susanne Maack.
Der Container Hafen von Pusan in Südkorea   Der Container Hafen von Pusan in Südkorea
Die Probleme der südkoreanischen Reederei zeigen, dass die Krise im maritimen Transportgeschäft trotz der globalen Wirtschaftserholung noch nicht vorüber ist. Neben den drei Beteiligungsangeboten von Conti und Nordcapital befinden sich auch Bulkerfonds anderer Initiatoren in schwerer See. Korea Line hatte in sechs der sieben vergangenen Quartale Verluste ausgewiesen. Ende September des vergangenen Jahres wies die Gesellschaft einen Schuldenstand von insgesamt 2230 Mrd. Won (1,48 Mrd. Euro) aus. Die Reederei unterhält mit 39 eigenen und 150 eingecharterten Schiffen eine der weltweit größten Flotten von Bulkern. Mit diesen Massengutfrachtern werden Rohstoffe wie Erze und Kohle transportiert.
Vor Beginn der Finanzkrise hatten Fondshäuser und Reeder neue Bulker weit über den damaligen Bedarf hinaus geordert, weil sie einen anhaltenden Wirtschaftsboom erwarteten. Unter diesen Überkapazitäten wird der Markt nach einer neuen Studie der Ratingagentur Fitch noch auf Jahre leiden. "Die weltweit in den Orderbüchern stehende Zahl neuer Bulker entspricht 46 Prozent des heutigen Bestands", schreiben die Analysten.
Die Frachtraten für Capesize-Bulker - Frachter, die zu groß sind, um den Suezkanal und den Panamakanal zu passieren und deshalb um Kap Hoorn und das Kap der Guten Hoffnung fahren müssen - brachen seit Ende 2007 von 150.957 Dollar auf nur noch 10.825 Dollar ein. Korea Line hatte noch vor Ausbruch der Finanzkrise etliche Massengutfrachter von Fondshäuser und Reedern über fünf bis sieben Jahre hinweg zu fest vereinbarten Tagesraten von 255.000 bis 26.000 Dollar gechartert. Mit diesen Schiffen fährt die Gesellschaft auf dem heutigen Preisniveau mit jedem Transport deshalb hohe Verluste ein. In Hamburger Reederkreisen heißt es, Korea Line habe erfolglos versucht, mit den mehr als 40 Eigentümer der angecharterten Schiffe neue Verträge auszuhandeln.
  • Aus der FTD vom 27.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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