Frankreich springt seiner Autoindustrie mit einem Paket kleinerer Hilfen bei, die vor allem Symbolcharakter haben. Die Regierung in Paris will der Branche vor allem mit stärkeren Zuschüssen für Öko-Autos aus der Krise helfen. Das kündigte der zuständige Reformminister Arnaud Montebourg am Mittwoch in Paris an.
Der Kauf abgasarmer Autos soll stärker als bisher gefördert und der Zugang der Branche zu Krediten erleichtert werden. Der Staat will zudem bei 25 Prozent seiner Neuanschaffungen abgasarme Autos kaufen.
Der Erwerb eines Elektro-Autos wird künftig mit 7000 statt wie bisher 5000 Euro gefördert. Die Subventionen für Hybrid-Fahrzeuge werden auf 4000 Euro pro Neukauf verdoppelt. Die Änderungen sollen vom neuen Jahr an gelten. Wie viel Geld der Staat dafür genau in die Hand nimmt, war bis zum frühen Nachmittag unklar. Beobachter schätzten die Ausgaben auf 350 Mio. Euro an staatlichen Investitionen plus 450 Mio. Euro an Krediten für Zulieferer. Die Summe ist damit vergleichsweise klein - und würde theoretisch noch nicht einmal für die Entwicklung eines neuen Automodells reichen.
Frankreichs Autobranche ist in den Fokus der Regierung in Paris gerückt, seitdem PSA Peugeot Citroën einen strikten Sparkurs und einen Abbau Tausender Stellen beschlossen hat. Der Kahlschlag bei dem Traditionskonzern bringt den sozialistischen Präsidenten François Hollande zwei Monate nach Amtsantritt in Verlegenheit.
Einerseits kann der Regierungschef kaum zusehen, wie die heimische Industrie weiter abrutscht. Andererseits ist für zusätzliche Ausgaben mitten in der Schuldenkrise kein Geld in der Staatskasse.
Hollande muss Frankreichs Haushalt sanieren, um das Defizit wieder auf die in der EU vereinbarten Grenzen zurückzuführen. Der Sozialist hatte scharfe Kritik an den Plänen des Unternehmens geübt. Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault forderte noch am Montag von Peugeot "große Anstrengungen", um die Folgen des Konzernumbaus für die Belegschaft möglichst gering zu halten.
Ein kostspieliges Hilfspaket wurde daher nicht erwartet - auch keine neue Abwrackprämie wie unter Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy. Deutschland hatte seine Autoindustrie vor rund drei Jahren mit einer Verschrottungsprämie mit 2500 Euro pro Pkw gefördert, was rund 5 Mrd. Euro gekostet hatte.
Konkret zielt das jetzt vorgestellte Hilfspaket aus Paris vor allem auf das in Frankreich produzierte Elektroauto Zoe von Renault ab sowie auf die Hybrid-Diesel-Autos von Peugeot. Allerdings stellt auch Toyota in Frankreich Hybrid-Autos her, den Yaris. Auch Mitsubishi dürfte profitieren, denn der japanische Konzern fertigt für Peugeot und Citroen kleine Elektroautos.
Frankreich will außerdem die EU um Überprüfung eines umstrittenen Freihandelsabkommens mit Südkorea bitten. Aus Sicht der Autoindustrie haben von dem Abkommen vor allem die Südkoreaner mit erheblich erhöhten Exporten in die EU profitiert, die europäischen Hersteller in Gegenrichtung hingegen deutlich weniger.
PSA hatte am Vormittag schwache Zahlen vorgelegt. Die Nummer zwei in Europa hinter Volkswagen steckt tief in den roten Zahlen: Angesichts einbrechender Verkäufe häufte der Autobauer im ersten Halbjahr für einen Verlust von 819 Mio. Euro an. Das Minus ist damit größer als zuvor erwartet.
Das krisengeschüttelte Unternehmen plant, bis 2015 insgesamt 1,5 Mrd. Euro einzusparen. Dazu solle der bereits angekündigte Abbau von 8000 Stellen und die angestrebte Schließung eines Werks bei Paris 600 Mio. Euro beitragen, teilte das Management am Mittwochvormittag mit. Zudem würden die Investitionen um 550 Mio. Euro gekürzt. Die Allianz mit dem US-Partner General Motors soll zusätzliche Kostensenkungen von 350 Mio. Euro bringen.
Das Sparprogramm wollte die Konzernleitung ebenfalls am Mittwoch mit Gewerkschaftsvertretern erörtern. Im ersten Halbjahr 2011 hatte Europas zweitgrößter Autohersteller noch einen Gewinn von 806 Mio. Euro erwirtschaftet.
In Paris demonstrierten etwa 2000 Peugeot-Mitarbeiter gegen den Sparplan von PSA. Das Management verteidigte seine Entscheidung. Unternehmenschef Philippe Varin sagte, die Einschnitte seien wegen der anhaltenden Branchenkrise unumgänglich. "Wir haben ein klares Verständnis davon, wie hart dieses Projekt für eine große Zahl von Mitarbeitern ist", sagte er. Allein in der Fabrik Aulnay-sous-Bois bei Paris fallen 3300 Stellen weg. Es ist die erste Werkschließung in Frankreich in der Branche seit 20 Jahren. Zudem will Peugeot weniger investieren. An der Pariser Börse legten Peugeot-Aktien bis gegen Mittag rund vier Prozent zu.