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  19.10.2009, 10:13    

Pressestimmen: "Die Pharma-Branche kassiert. Die Allgemeinheit zahlt."

Die Bestellung von unterschiedlichen Impfstoffen gegen die Schweinegrippe für Regierungsmitglieder und Normalbürger zu einem Streit geführt, ob es in Deutschland eine Zwei-Klassen-Medizin gibt. Lachender Dritter ist nach Meinung vieler Kommentatoren die Pharmaindustrie.
"Pforzheimer Zeitung":
"Da nützt alles Beschwichtigen nichts: Wenn Spitzenpolitiker mit einem anderen Mittel gegen die Schweinegrippe geimpft werden als Otto Normalbürger, dann hat das zwangsläufige eine höchst unerfreuliche Nebenwirkung: hochgradige Verunsicherung bei jenen Menschen, die nicht in den Genuss des vermeintlich speziellen Stoffes kommen. Zumal sich das Vorgehen nicht wirklich schlüssig erklären lässt. Egal wie die Antworten auch ausfallen werden: Der Schaden ist längst angerichtet."
Kurz vor Beginn der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe ist ...   Kurz vor Beginn der Massenimpfungen gegen die Schweinegrippe ist eine heftige Diskussion entbrannt.
"Obermain-Tagblatt" (Lichtenfels):
"Das böse Wort von der Zwei-Klasssen-Medizin wird festgeschrieben, wenn Politiker sich einen Impfstoff gönnen, der ohne Nebenwirkungen auskommt. Denn jetzt wird nicht mehr zwischen gesetzlich und privat Versicherten unterschieden, sondern zwischen Mächtigen und Machtlosen. Diese Nebenwirkungen sind jetzt schon klar: Die Pharma-Branche kassiert. Und die Allgemeinheit zahlt."
"Neue Osnabrücker Zeitung":
Der spezielle Grippe-Impfstoff für Bundesangestellte ist...

 

Der spezielle Grippe-Impfstoff für Bundesangestellte ist...

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"Die Tatsache, dass Bundesregierung, Ministerialbeamte und Mitarbeiter von oberen Bundesbehörden offenbar einen verträglicheren und unbedenklicheren Impfstoff als der normale Deutsche bekommen, dürfte jetzt auch die Wankelmütigen zu Impfgegnern machen. Verantwortlich für das Desaster ist das Bundesinnenministerium, das die Extra-Impfungen bestellt hat, ohne diese Entscheidung öffentlich zu machen und für die Bürger nachvollziehbar zu erläutern."
"Passauer Neue Presse":
"All jene, die sich für die Impfung entscheiden werden, haben es verdient, mit dem bestmöglichen Medikament behandelt zu werden. Um zu beweisen, dass die in Deutschland eingesetzten Impfstoffe gleich gut sind, gäbe es ein probates Mittel: Die Bundesregierung müsste nur ihre 200 000 Dosen Celvapan gegen eine gleiche Menge Pandemrix eintauschen und so demonstrieren, dass sie keine Angst vor unerwünschten Nebenwirkungen hat. Der Vorwurf der Zweiklassenmedizin wäre damit aus der Welt geschafft."
"Südwest Presse" (Ulm):
"Kaum zu glauben, was die Bundesregierung den Bürgern bei der Impfaktion zur neuen Grippe zumutet. Nein, "unglücklich" ist im Vorfeld der Massenimpfung nichts gelaufen. Es ist ein Skandal, wie Verantwortliche bei der Gesundheitsvorsorge mit zweierlei Maß messen. Es ist extrem unverantwortlich, Bürger so zu verunsichern. Es wirkt überaus peinlich, dass Sonderwege für Politiker und Bürokraten noch mit scheinheiligen Argumenten gerechtfertigt werden. Nun reagiert wenigstens das Virus nicht mit Aggression auf dieses Vorgehen. Hoffentlich bleibt es so."
"Allgemeine Zeitung" (Mainz):
"Bedauerlicherweise wird es wohl auch zukünftig keine wirksame Impfung gegen Dummheit geben. Dummheit, oder zumindest gröbste Ungeschicklichkeit, müssen sich die Behörden vorhalten lassen, die sowohl für Soldaten als auch für Regierungsmitglieder einen eigenen Impfstoff geordert haben und damit zwangsläufig den Eindruck erwecken mussten, die besseren oder wichtigeren Menschen bekämen eine wirkungsvollere medizinische Versorgung als der Rest. Ob dem tatsächlich so ist, ist unklar, die Gelehrten streiten sich. Sollte sich allerdings herausstellen, dass für Soldaten und Regierungsmitglieder in der Tat ein effizienteres Präparat vorgesehen ist als für Otto Normalbürger, müssen sich die verantwortlichen Stellen auf harte Fragen gefasst machen. Manches spricht allerdings dafür, dass es nur um Unterschiede bei den Nebenwirkungen geht. Aber auch das reicht schon aus, um das grundlegende Dilemma vor Augen zu führen: Es gibt in Deutschland bis zu einem gewissen Grad eine Zweiklassenmedizin."
"Kieler Nachrichten":
"Da mag der Hinweis auf den Rahmenvertrag für das Bundesbeschaffungsamt noch so richtig sein: Der Schaden, den die Nachricht von einem Extra-Wirkstoff für Regierungsmitglieder und Bundesbeamte anrichtet, ist bereits jetzt immens. Denn schon die bloße Tatsache, dass ein ausgewählter Personenkreis einen anderen Impfstoff erhalten soll als die Restbevölkerung, reicht aus, um der Impfkampagne einen herben Rückschlag zu erteilen. Der fatale Verdacht einer Zweiklassenmedizin steht im Raum."
  • dpa, 19.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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