Die mit Karbon gebackenen Rumpfteile beim 787 Dreamliner gelten als technische Herausforderung. Probleme mit Ablösungen am hinteren Rumpfteil könnten sich zu einer ernstzunehmenden Gefahr für Boeings neueste Flugzeugreihe auswachsen.
von Gerhard HegmannMünchen
Boeing steht bei seinem 787-Modell vor einem neuen Problem, das zu einer ernsten Gefahr werden könnte. Erstmals wurden bei dem Rumpf aus Kohlefasermaterial Ablösungen zwischen dem Außenrumpf und Befestigungsstreben entdeckt. Zwar betont der US-Konzern, dass die Sicherheit nicht gefährdet ist. Dennoch werden nun alle rund 50 bereits weitgehend fertig gebauten 787-Modelle untersucht. Nach Informationen der US-Zeitung "The Seattle Times" wurden die Ablösungen im hinteren Rumpfteil entdeckt. Der Branchendienst Flight International berichtet von mindestens drei 787-Maschinen, bei denen Fehler gefunden wurden. Bereits 2010 sorgen Produktionsprobleme am Höhenleitwerk für eine mehrmonatige Verzögerung.
In Expertenforen wird darüber diskutiert, wie Boeing die Probleme bei der Herstellung der in riesigen Öfen bei hohen Temperaturen gebackenen Kunststoffteile künftig vermeiden kann. An der US-Börse sank der Boeing-Kurs am Montag leicht um gut ein Prozent auf 75,38 Dollar.
Flugzeugmarkt
Die Kassenschlager von Boeing und Airbus
Boeing habe die Herausforderungen beim Technologiewechsel vom Flugzeug aus Aluminium zu Kunststoff unterschätzt, heißt es bei Experten. Die Auslieferung des Langstreckenfliegers verzögerte sich wegen einer Reihe von Pannen bereits um dreieinhalb Jahre auf September 2011. Bislang sind erst fünf Flieger im Dienst. Die größte Herausforderung sei jetzt für Boeing, die angestrebte Produktionsquote von monatlich zehn Fliegern Ende nächsten Jahres zu erreichen, heißt es bei Analysten.
Der US-Bundesrechnungshof GAO hatte im Herbst 2011 auf die besonderen Risiken von Flugzeugen aus leichten Composite-Bauteilen hingewiesen. Demnach gebe es noch zu wenig Erfahrung im Alltagsbetrieb und Schwierigkeiten beim Entdecken von Beschädigungen. Airbus setzt bei seinem neuen A350-Modell zwar auch weitgehend auf neue Kohlefasermaterialien, wählte aber eine andere Technologie beim Aufbau des Rumpfes als Boeing.
Das Auffinden der Fehler aus dem Produktionsprozess bei der 787 erinnert auch an die aktuelle Untersuchung beim Riesenairbus A380. Beim europäischen Großraumjet entstanden Risse in Flügelstreben durch Fehler bei der Produktion der Tragflächen und der Auswahl der Metalllegierung.
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