Bayer ist dank eines florierenden Agrarchemiegeschäfts mit einem kräftigen Gewinnanstieg in das Jahr gestartet. Mit einem Zuwachs des um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinns (Ebitda) im ersten Quartal um 9,4 Prozent auf 2,44 Mrd. Euro überraschte Konzernchef Marijn Dekkers die Analysten. Diese hatten dem Leverkusener Pharma- und Chemieunternehmen lediglich 2,23 Mrd. Euro zugetraut. Bei Anlegern kam Dekkers mit seinem Zwischenbericht für die Monate Januar bis März gut an. Die Aktie startete mit einem Plus von mehr als drei Prozent in den Handel.
"Aufgrund des guten Auftakts ins Jahr 2012 sind wir für das verbleibende Geschäftsjahr zunehmend zuversichtlich", sagte Dekkers am Donnerstag. Bayer setzte im Zeitraum Januar bis März 10,06 Mrd. Euro um und damit 6,8 Prozent mehr als vor Jahresfrist. "Zu der erfreulichen Umsatzsteigerung haben alle drei Teilkonzerne beigetragen, insbesondere Crop Science mit einem starken Saisonauftakt", sagte Dekkers. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 1,05 Mrd. Euro - das ist ein sattes Plus von 53,5 Prozent. Dabei profitierte der Konzern auch von Wechselkurseffekten.
Trotz des Gewinnschubs in den ersten drei Monaten bleibt Konzernchef Dekkers weiter vorsichtig. Es gebe nach wie vor Unsicherheiten. Im Gesamtjahr will Bayer seinen Umsatz um drei Prozent ausweiten - bereinigt um Währungseffekte sowie um Firmenkäufe und -verkäufe. Am Jahresende sollen rund 37 Mrd. Euro in den Büchern stehen. Den um Sondereinflüsse bereinigten operativen Gewinn will der Konzern leicht erhöhen.
In seiner breit aufgestellten Gesundheitssparte Healthcare, zu der neben dem Pharmageschäft auch Tiermedizin und das Geschäft mit rezeptfreien Arzneien wie Aspirin gehört, nahm der bereinigte operative Gewinn um 3,6 Prozent auf 1,18 Mrd. Euro zu. Dabei lief es in der Pharmasparte vor allem in Wachstumsmärkten wie China gut, während in Europa das Geschäft rückläufig war. Dekkers, der Bayer seit Oktober 2010 leitet, hat sich zum Ziel gesetzt, den Leverkusener Konzern wieder zu den weltweit zehn größten Pharmaunternehmen aufschließen zu lassen. Zuletzt rangierte Bayer hier auf Platz 15.
Im Kunststoffgeschäft Material Science spürte Bayer weiterhin die hohen Rohstoffpreise, die kräftig auf das Ergebnis drückten. Im Vergleich zum schwachen vierten Quartal liefen die Geschäfte aber deutlich besser. "Bayer Material Science konnte die Absatzmengen in allen Regionen steigern, während die Verkaufspreise insgesamt auf Vorjahresniveau lagen", sagte Dekkers. Insgesamt erzielte Bayer in seiner Plastiksparte einen bereinigten operativen Gewinn von 278 Mio. Euro - das ist ein Rückgang um 19,4 Prozent.
Ertragsperle im Auftaktquartal war das Geschäft mit Agrarchemikalien. Dabei profitierte der Konzern, der im Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln unter anderem mit Syngenta aus der Schweiz konkurriert, von einem guten Start in die Pflanzungsaison. Besonders kräftig war die Nachfrage nach Saatgut und Pestiziden gegen Unkraut, Insektenbefall und Pilze in Nordamerika. Der bereinigte operative Gewinn schnellte um 31,7 Prozent auf 981 Mio. Euro in die Höhe.