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11.09.2011, 22:24
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Raketenabwehrsysten:
Lockheed Martin gibt Meads nicht auf
Exklusiv
Das Pentagon hat kein Interesse mehr - doch Lockheed Martin will sein milliardenschweres Luftverteidigungssystem nicht einfach abschreiben. Europa-Chef Scott Harris kündigt im FTD-Interview an, er werde weitere Staaten ins Boot zu holen.
von Gerhard Hegmann und Thomas Steinmann, Berlin
Lockheed Martin will trotz der Kürzungen in den Rüstungsetats noch nicht an das Ende des großen transatlantischen Luftverteidigungssystems Meads glauben. Zwar verkündete das Pentagon im Februar den Ausstieg der USA aus dem mit Deutschland und Italien vorangetriebenen Milliardenprojekt zu Ende 2013. Dennoch sieht Amerikas größter Rüstungskonzern immer noch Chancen für eine Fortführung und bringt ein Modell mit mehr Staaten ins Spiel.
"Unser wichtigstes Ziel ist, die Entwicklungsphase abzuschließen. Damit können wir die Fähigkeiten zeigen", sagte Lockheed-Martin-Europa-Präsident Scott Harris der FTD. "Danach könnten wir zusätzliche Partner in das Programm bringen." Dazu gebe es erste Gespräche. Harris nannte zwar keine Ländernamen, sagte aber: "Es könnten weitere Nato-Partner, potenziell alle Patriot-Nutzer und Partner mit besonderen Sicherheitsinteressen außerhalb Europas sein."
Verteidigungsfall: Wegen der Kürzung des US-Rüstungsetats setzt Lockheed-Martin-Europa-Präsident Scott Harris seine Hoffnungen auf andere Nato-Partner
Harris gab zu bedenken, dass bei einem Ende für Meads im Umkehrschluss das Patriot-System des Konkurrenten Raytheon modernisiert werden müsste. Dies sei nicht zwangsläufig billiger.
Das im Frühjahr verkündete Aus für das rund 4 Mrd. Euro teure Projekt gilt als prominentes Beispiel für den Sparwillen der US-Regierung. Verzögerungen und Kostensteigerungen waren vorausgegangen. Lockheed möchte mit Meads die Vorherrschaft des US-Konkurrenten Raytheon mit dem Patriot- und Hawk-System brechen, das in über ein Dutzend Länder verkauft wurde. Seit 2004 entwickelt Lockheed mit dem europäischen Lenkwaffenhersteller MBDA das neue Luftverteidigungssystem.
Für den Lockheed-Europa-Chef Harris könnte auch Diehl in das Zukunftskonzept eingebunden werden. Der Nürnberger Konzern hat die deutsche Abwehrrakete Iris-T entwickelt. Sie hat eine geringere Leistung, ist aber billiger als Lockheeds Pac-3.
Während Harris auf die Meads-Fortführung hofft und im November der erste von drei Testflügen geplant ist, laufen parallel die Verhandlungen für die Auflösung des Konsortiums. Die Entwicklungen werden bereits eingeschränkt. Nach FTD-Informationen aus dem Verteidigungsministerium werden statt elf Testraketen nur noch fünf beschafft. Auch die Zahl der Fahrzeuge wird verringert. Eine Fortsetzung der gemeinsamen Entwicklung über die laufende Regierungsvereinbarung hinaus sei nicht geplant, heißt es im Ministerium. Lieber will man um die Diehl-Rakete ein eigenes Konzept aufbauen und könnte dazu Meads-Komponenten nutzen.
Bis Jahresende sollen die Details zur Trennung ausgearbeitet werden. Deutschland und Italien beanspruchen einen kompletten Satz Prototypen. Die Europäer wollen künftig das mit den USA erarbeitete Know-how selbst verwerten. Eine Beschaffung des kompletten Systems ohne die USA schließt die Bundesregierung bislang aber aus.
Teil 2: "Eine Menge Geld für Entwicklung ausgegeben"
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Aus der FTD vom 12.09.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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