China reagiert schneller auf den Solarboom als Deutschland: Das Land will eine Überforderung der Branche vermeiden und reduziert deshalb die Einspeisevergütung.
China kürzt die staatliche Förderung der Sonnenenergie. Investoren sollen in diesem Jahr nur noch 7 Yuan (umgerechnet 0,84 Euro) für jedes neu installierte Watt erhalten, teilte das Finanzministerium gestern auf seiner Internetseite mit. Im Vorjahr erhielten sie noch 9 Yuan je Watt für Solarmodule auf Basis von Silizium und 8 Yuan je Watt für Dünnschichtmodule. Dahinter verbergen sich zwei unterschiedliche Fotovoltaiktechniken, deutsche Hersteller wie Solarworld sind meist auf Siliziummodule fokussiert.
China will eine Überförderung der Branche vermeiden. Das Land hatte in den vergangenen Monaten eine rapide Steigerung der Nachfrage erlebt. Laut Schätzungen des Analysehauses NPD Solarbuzz wurden in China im vergangenen Jahr neue Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 2,9 Gigawatt installiert - ein Zuwachs von 500 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz schnellen Wachstums ist der Markt aber noch verhältnismäßig klein im Vergleich zur Größe und dem Energiebedarf Chinas. Zur Einordnung: In Deutschland wurden allein im Dezember des Jahres 2011 Solaranlagen mit rund drei Gigawatt neu aufgebaut.
Mit dem Programm aus dem Jahr 2009, das China nun kürzt, finanzierte die Regierung etwa die Hälfte aller Investitionen in Solaranlagen in dem Land. Im August vergangenen Jahres führte sie zudem eine Vergütung für ins Netz eingespeisten Solarstrom ein. Diese Einspeisevergütung sank zum Jahresende um 13 Prozent. Deshalb wollten Investoren vor 2012 noch schnell ihre Anlagen installieren. Weil gleichzeitig die Preise für Solartechnik gesunken sind, ergaben sich satte Renditen - und der Boom.
Für die chinesischen Solarfirmen bringt das Wachstum auf dem Heimatmarkt zumindest eine kleine Erleichterung. Wegen gigantischer Überkapazitäten suchen die Unternehmen verzweifelt nach neuen Absatzmärkten - und in China verkaufen bislang fast ausschließlich einheimische Unternehmen. China hat zwar in den vergangenen Jahren die weltweit führende Solarindustrie aufgebaut, ihr Geschäft machte sie aber fast ausschließlich in Europa. Westliche Unternehmen können mit den Billigpreisen nicht mehr mithalten. Solarworld-Chef Frank Asbeck legte in den USA zusammen mit sechs anderen Unternehmen deshalb Klage gegen Billigimporte aus der Volksrepublik ein.
Von der deutschen Solarförderung haben zuletzt ebenfalls vor allem chinesische Firmen profitiert. Deutschland erlebte - aus ähnlichen Gründen wie China - Ende vergangenen Jahres einen Solarboom. Deshalb tritt auch die Bundesregierung bei der Förderung auf die Bremse. Bis April soll eine Gesetzesänderung stehen. Derzeit erhält ein Hausbesitzer rund 24 Cent je Kilowatt Solarstrom, der vor seiner Dachanlage ins Netz eingespeist wird. Im Juli soll erneut um 15 Prozent gekürzt werden. Reuters, FTD
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