Jahr für Jahr pumpt Deutschland Fördermillionen in die Sonnenenergie. Die Konzerne leiden trotzdem: Chinesische Firmen unterwandern den Markt - und kassieren am Ende die deutschen Subventionen.
von Kathrin WernerHamburg
und Michael GassmannFrankfurt
Wer soll das noch verstehen? Im tiefsten Schwarzwald und an der Nordseeküste, überall glitzern neue Solaranlagen auf den Dächern - noch nie wurden hierzulande laut Bundesnetzagentur so viele Panels gekauft wie 2011. Deutschland pumpt Jahr für Jahr neue Fördermilliarden in die Zukunftsenergie. Trotzdem geht es den Solarkonzernen schlecht. Kaum ein Unternehmen schreibt noch Gewinne, eins nach dem anderen rutscht in die Pleite, die Aktienkurse sind im Keller.
Hauptgrund für die Branchenkrise ist der massive Einstieg asiatischer Hersteller in das Geschäft. Waren die Deutschen einst Spitzenreiter, gehört inzwischen nur noch Solarworld aus Bonn zu den zehn größten Modulbauern. Offizielle Zahlen, wie hoch der Marktanteil der chinesischen Hersteller in Deutschland ist, gibt es nicht. Schließlich steckt in sehr vielen Solaranlagen deutsche und chinesische Technik - gängig sind etwa deutsche Module, in denen chinesische Zellen zusammengeschaltet werden. Branchenkenner schätzen, dass inzwischen auf mehr als der Hälfte aller Module auf den deutschen Dächern eine chinesische Marke steht.
Durchschnittlicher Endkundenpreis für fertig installierte Solaranlagen
Die deutschen Fördermilliarden fließen also größtenteils nach China - ein Grund, warum die Bundesregierung prüft, die Summen noch heftiger zu kürzen, als es das Gesetz vorsieht. Sinkt die Förderung, sinkt die Nachfrage. Aus Angst davor flüchteten Anleger am Montag aus Solarwerten. Aktien von Centrotherm und Q-Cells gehörten mit Verlusten von mehr als zwei Prozent zu den größten Verlierern.
Trotz üppiger Förderung leiden auch die Asiaten. Chinesen, Südkoreaner, Japaner und Malaysier haben in den vergangenen Jahren riesige neue Fabriken gebaut, die sie jetzt auslasten müssen. Sie senken die Preise so lange, bis sie einen Käufer finden - besonders zum Jahresende wollen sie ihre Lager leeren. Am Spotmarkt kostet ein Solarmodul aus Asien laut dem Fachdienst Photon nur noch knapp 90 Cent pro Watt Leistung - vor einem halben Jahr waren es 30 Cent mehr.
Im Aktienindex RENIXX, in dem die 30 weltweit führenden börsennotierten regenerativen Energieunternehmen gelistet sind, schnitten die chinesischen Hersteller Hanwha Solarone, JA Solar, LDK Solar, Suntech Power, Trina Solar und Yingli im vergangenen Jahr schlechter ab als die drei dort gelisteten deutschen Solarfirmen Centrotherm, SMA und Solarworld. Im dritten Quartal 2011 haben alle sechs Chinesen einen operativen Verlust erzielt, von den drei Deutschen haben noch zwei operativen Gewinn geschafft. Schuld daran ist der schrumpfende Kostenvorteil der Chinesen wegen Aufwertung des Yuan, Inflation und rasant steigenden Arbeitskosten. Trotzdem bestimmen asiatische Hersteller die Preise - laut Solarworld-Chef Frank Asbeck werden sie hoch subventioniert und halten den Preiskrieg daher länger durch.
Die ersten Hersteller aus China nutzen sogar die Schwäche der deutschen Solarfirmen: LDK kauft den Konstanzer Hersteller Sunways. "LDK sieht in unseren Wechselrichtern ein großes Potenzial", sagte Sunways-Chef Michael Wilhelm der FTD. Wechselrichter werden für die Einspeisung des Solarstroms ins Netz benötigt. Die Marke der Deutschen bleibe erhalten. "Es ist hochattraktiv für LDK, künftig ein komplettes Produktspektrum mit der Premiummarke Sunways anbieten zu können", sagte Wilhelm. Die neue Konstellation solle bald in Kostensenkungen bei dem defizitären Unternehmen münden. Ob Sunways schon 2012 in die schwarzen Zahlen kommt, sei aber schwer zu prognostizieren, so Wilhelm. Mit dem chinesischen Gesellschafter falle dies zumindest leichter. So wie alle Branchenkenner erwartet auch er, dass sich die Solarkrise fortsetzt: "2012 und 2013 wird die Solarbranche in Europa noch durch eine schwierige Phase gehen."
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