Aus dem Off tritt Benny Landa auf die Bühne, die in geheimnisvolles blauschwarzes Licht getaucht ist. Wie ein Zauberer schwenkt der stämmige Mann mit dem grauen Backenbart ein pinkes Blatt Papier hin und her. Dann macht er eine Kunstpause, schaut in den überfüllten Showroom und sagt: "Es ist großartig, wieder hier zu sein." Unzählige Male schon kam Landa zur weltgrößten Messe für die Druck- und Papierindustrie, die Drupa.
Dieses Mal jedoch ist es für den Mann ein Durchmarsch, wie er ihn selbst nicht vorhergesehen hat. Durch eine Indiskretion sei seine jüngste Erfindung vorzeitig bekannt geworden. "Als es in der Zeitung stand, wollten alle mit mir arbeiten", sagt der Chef des israelischen Unternehmens, das seinen Namen trägt.
Das ist kaum übertrieben. Erst am 2. April enthüllte der gebürtige Nordkanadier seine neue Technologie - eine Drucktechnik auf Nanobasis, die Digitaldruck zu Offsetqualität möglich machen soll. Keine vier Wochen später hat Landa Lizenzvereinbarungen mit gleich drei führenden Unternehmen der Branche in der Tasche: der japanischen Komori, Heidelberger Druckmaschinen und mit Manroland Bogenoffset, die jetzt zur Langley-Gruppe gehört.
"Die neue Technologie wird eines Tages das für Druckmaschinen sein, was ‚intel inside' einmal für Computer war - einer hat eine Technologie und alle greifen darauf zurück", schwärmt Heideldruck-Chef Bernhard Schreier. Eine ganz neue Generation von Druckmaschinen will Heideldruck auf Basis der neuen Technologie entwickeln. Solche, die Aufträge zwischen 500 und 5000 Stück abwickeln können. Denn da klaffe zurzeit eine Lücke im Angebot der Heidelberger. Der Umsatz im Digitaldruck soll dadurch von einem zweistelligen auf einen dreistelligen Millionenbetrag steigen, erläutert Schreier. Ähnlich euphorisch ist Manroland-Vorstand Rafael Penuela: "Das wird eine Mainstream-Technologie."
Landa selbst macht sich ausnahmsweise ganz klein, um die Vorteile der neuen Technik zu erklären. So klein, dass die Papierfasern neben ihm wie dicke Baumstämme aussehen. Auf Nanogröße geschrumpft, sagt Landa in seinem Werbefilm, wie sie denn funktioniert, seine neue Drucktechnologie auf Nanotechnologiebasis. Riesige pinke Farbtropfen prallen auf die Papierfasern, durchfeuchten sie und schwemmen sie auf. Das war einmal. Mithilfe von Landas Nanotechnologie überziehe die Farbe das Papier nur noch mit einem hauchdünnen Film und dringe nicht mehr in das Material ein. Das erspare die aufwendige und energieintensive Trocknung. Das Papier könne sofort weiterverarbeitet werden. Die Kosten pro Seite sänken rapide.
Mehr als 500 Patente laufen auf Landas Namen, damit ist er einer der erfolgreichsten Erfinder der Branche. Vor 32 Jahren gründete er Indigo, einen Digitaldruckmaschinenhersteller, im Glauben an eine Vision: "Alles, was digital werden kann, wird digital." Drucken mache da keine Ausnahme. "Wir leben zwar im Computerzeitalter, aber die Drucktechnik befindet sich noch im finstersten Mittelalter", ärgerte er sich schon 1995. Man stelle Druckplatten her, montiere sie und drucke über hohe Auflagen hinweg identische Produkte. Das war zu einer Zeit, als die Branche vom Digitaldruck noch nichts wissen wollte. Inzwischen hat er Indigo an Hewlett-Packard verkauft. Heute ärgert sich Landa nur noch über eines: Dass nicht er es war, der das iPhone erfand, sondern Steve Jobs.
Digitaldruck
Technik Anders als Offsetdruck kommt Digitaldruck ohne feste Druckvorlage aus. Jeder Bogen kann anders bedruckt werden. Das ist vor allem in der Werbung attraktiv und bei kleineren Auflagen rentabler. Die Farbqualität konnte bisher nicht mit Offset mithalten. Auf Basis der Nanotechnologie soll sie aber vergleichbar sein. Inzwischen bieten die meisten Hersteller sowohl digitale als auch klassische Druckmaschinen an. Größere Druckereien kombinieren die Techniken je nach Auflage.
Markt Noch liegt der Marktanteil im Digitaldruck weltweit zwar erst bei gut zehn Prozent. Doch die Wachstumsraten sind verheißungsvoll; in wenigen Jahren könnte laut Branchenstudie Pira bereits jedes dritte Printprodukt digital gedruckt werden.