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Merken   Drucken   03.08.2012, 14:56 Schriftgröße: AAA

Rückkaufprogramm: Siemens pflegt den Aktienkurs

Der Industriekonzern Siemens will eigene Papiere in Milliardenumfang zurückkaufen. Zur Finanzierung plant das Unternehmen, Anleihen zu begeben, um die derzeitige Niedrigzinsphase zu nutzen. Ein ungewöhnlicher Schritt, der aber die Anleger überzeugt.
© Bild: 2012 AFP/MICHELE TANTUSSI
Der Industriekonzern Siemens will eigene Papiere in Milliardenumfang zurückkaufen. Zur Finanzierung plant das Unternehmen, Anleihen zu begeben, um die derzeitige Niedrigzinsphase zu nutzen. Ein ungewöhnlicher Schritt, der aber die Anleger überzeugt.
von München

Der Siemens-Konzern hat am Donnerstagabend völlig überraschend einen milliardenschweren Rückkauf eigener Aktien angekündigt. Die Münchner wollen an der Börse Siemens-Aktien für bis zu 3 Mrd. Euro erwerben und dies über höhere Schulden finanzieren. Dies habe der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats beschlossen, teilte der Industriekonzern mit. Der Konzern will dafür weitere Anleihen begeben. Die Aktien sollen bis Ende dieses Jahres aufgekauft werden.

Angesichts der großen weltwirtschaftlichen Unsicherheiten ist dieser Schritt ungewöhnlich: Überall auf der Welt halten die Unternehmen derzeit das Geld eher zusammen. Dies hatte auch der Münchner Industriegigant bislang als seine Strategie ausgegeben. "Cash is king in diesem volatilen Umfeld", sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser noch vergangenen November. An der Liquidität immerhin ändert sich durch diesen Tausch von Eigenkapital in Fremdkapital nichts. So betonte ein Siemens-Sprecher, der Konzern habe trotzdem auch weiter genug Finanzkraft, um gegebenenfalls Akquisitionen zu tätigen.

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Ein wesentliches Ziel des Rückkaufs dürfte sein, den Kurs der Siemens-Aktie nach oben zu treiben. Dieser hat sich zuletzt sehr schwach entwickelt. Schon kurz nach der Ankündigung reagierten die Anleger: Am Freitag schob sich das Papier an die DAX -Spitze und notierte 4,5 Prozent im Plus.

Damit macht die Aktie Boden gut. Auf Sicht von zwölf Monaten war der Siemens-Kurs um 18 Prozent eingebrochen, während der deutsche Leitindex konstant geblieben war. Vergangene Woche verlor Europas größter Industriekonzern sogar Platz eins in der Rangliste der wertvollsten deutschen Unternehmen an den Softwarehersteller SAP . Wegen schwacher Geschäftszahlen will Siemens im November ein Kostensparprogramm verkünden, was die Börse bislang aber nicht goutiert hat.

Zugleich nutzen die Münchner die für sie komfortable Situation aus, dass die Kapitalanleger nach Anleihen guter Bonität lechzen und dafür so niedrige Zinsen verlangen wie niemals zuvor. Eine Anleihe über zehn Jahre dürfte ein finanzstarkes Unternehmen wie Siemens  derzeit für um die 2,5 Prozent Zinsen begeben können. Bonds über 30 Jahre dürften etwa 3 bis 3,5 Prozent kosten. Die Dividende, die Siemens zuletzt zahlte, entsprach einer Dividendenrendite von 4,5 Prozent. Durch die Gesamttransaktion dürfte der Konzern rechnerisch einen hohen zweistelligen Millionenbetrag einsparen.

"Die Kombination der günstigen Marktbedingungen bei Schuldverschreibungen mit der aktuellen Bewertung der Siemens-Aktien bietet eine sehr gute Möglichkeit, langfristig Wert zu generieren", wurde Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser in der Mitteilung zitiert. "Wir werden dieses Umfeld nutzen, um unsere "One Siemens"-Ziele umzusetzen."

"One Siemens" ist das Ende 2010 eingeführte Zielsystem des Konzerns für kapitaleffizientes Wachstum mit den vier Stellschrauben: Wachstum, Margen, Kapitalrendite und Kapitalstruktur. Seither war Siemens aber beim Wachstum - anders als angestrebt - stets hinter den Wettbewerbern wie General Electric oder ABB zurückgeblieben. Auch die anvisierte Kapitalstruktur wurde nie erreicht: Siemens strebt eine industrielle Nettoverschuldung zwischen dem 0,5-fachen und einfachen operativen Jahresgewinn (Ebitda) an. Der Konzern lag stets unter diesem Wert, war also zu wenig verschuldet. Per Ende Juni stieg die Verschuldung unter anderem dadurch, dass mit den Großaufträgen auch die damit verbundenen Anzahlungen ausblieben, auf das 0,5-Fache an - "ungewollt", wie Kaeser in der Analystenkonferenz vergangene Woche einräumte.

Eine gewisse Verschuldung ist aus Sicht der Aktionäre sinnvoll, da Fremdkapital - gerade heutzutage - deutlich billiger ist als Eigenkapital. Allerdings erhöhen Schulden auch das Risiko für ein Unternehmen. Deswegen hatte sich die bei Siemens sehr mächtige Arbeitnehmerbank stets gegen Aktienrückkäufe gewehrt. In der 165-jährigen Geschichte haben die Münchner erst ein einziges Mal eigenen Aktien zurückerworben: Ende 2007 hatte der Konzern ein Programm über bis zu 10 Mrd. Euro angekündigt, dies aber schon bei einem zurückgekauften Volumen von gut 4 Mrd. Euro Ende 2008 wegen der beginnenden Konjunkturkrise abgebrochen. Damals war das Kursniveau allerdings deutlich höher als heute.

Aus dem damals angesammelten Bestand an Aktien will Siemens 33 Mio. Euro einziehen - und auf diese Weise das Grundkapital herabsetzen. Es ist bislang auf 914 Millionen Aktien aufgeteilt. Künftig sollen es nur noch 881 Millionen sein. Für die Aktien aus dem bevorstehenden Rückkauf steht die Verwendung nicht fest. Sie könnten ebenfalls eingezogen werden, an Mitarbeiter und Vorstände ausgegeben werden und zur Bedienung von Wandel- und Optionsschuldverschreibungen eingesetzt werden.

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