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  02.11.2009, 15:51    

Rüstungsauftrag: Airbus droht mit Aus für A400M

Massive Verzögerungen und Milliardenrisiken für EADS: Die Probleme beim Militärtransporter drohen Airbus-Chef Enders über den Kopf zu wachsen. Jetzt riskiert er einen Befreiungsschlag - und einen Machtkampf mit Karl-Theodor zu Guttenberg. von Gerhard Hegmann  München
Das 20-Mrd.-Euro-Projekt zum Bau des Airbus-Militärtransportflugzeugs A400M droht doch noch zu scheitern. Das Bundesverteidigungsministerium als größter Kunde lehnt es ab, weitere Kosten aus der Entwicklung zu übernehmen.
"Wir gehen davon aus, dass die Industrie die vertraglich vereinbarte Leistung innerhalb des vertraglich vereinbarten Kostenrahmens erbringen wird", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Er reagierte damit auf Äußerungen von Airbus-Chef Thomas Enders. Der hatte die Hoffnung geäußert, dass Deutschland bei den laufenden Gesprächen über Änderungen des A400M-Vertrages zusagt, zusätzliche Kosten und Risiken aus dem Festpreisvertrag mit den sieben europäischen Bestellnationen gemeinsam zu tragen.
Enders forderte Klarheit binnen zwei Monaten. "Unser Ziel ist nach wie vor, dass wir bis Endes des Jahres wissen sollten, ob das Projekt weitergeführt wird oder nicht." Er könne die A400M-Ingenieure sehr gut beim neuen Langstreckenmodell A350 brauchen, sagte Enders. Unternehmenskenner halten es für möglich, dass Enders ohne Zugeständnisse aller A400M-Kunden das Projekt stoppt.
In der Warteschleife   In der Warteschleife
Das von technischen Problemen gekennzeichnete A400M-Projekt bescherte Airbus bis Jahresmitte 2009 schon 2,38 Mrd. Euro Verlust. Weitere 1,3 Mrd. Euro drohen aus Verspätungszahlungen. Bisher ging die EADS -Führung davon aus, dass bis Jahresende die Anpassungen des Basisvertrags feststehen. Auf Grundlage der Änderungen könnten dann die Risiken in die Bilanz 2009 eingerechnet werden. Nun ist ungewiss, ob das noch klappt. Der Konzern hat schon ausgerechnet, was ein Komplettausstieg kostet: Dann müsste Airbus 6 Mrd. Euro zurückbezahlen.
Damit zeichnet sich ein Machtkampf zwischen dem neuen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der EADS-Tochter Airbus ab. Airbus-Chef Enders verweist darauf, dass die großen A400M-Kunden Frankreich, Großbritannien, Spanien und die Türkei bereits Bereitschaft zu Vertragsänderungen signalisiert haben. Airbus setzt offensichtlich darauf, dass es sich Deutschland nicht leisten könne, beim A400M eine Sonderrolle einzunehmen. "Notfalls wird das ein Thema zwischen Angela Merkel und Nicolas Sarkozy ", heißt es in Berlin.
Im Verteidigungsministerium wird hingegen kritisiert, dass eine "offizielle, konkret überarbeitete Auslieferungsplanung seitens der Industrie" nicht vorliegt.
Ein Ausstieg der Bestellländer aus dem Projekt über ihre Beschaffungsbehörde Occar wird von EADS als unwahrscheinlich bezeichnet. Dazu müsste ein einstimmiges Votum vorliegen. Die Kunden können aber jeden verspäteten Flieger einzeln kündigen.
Die Militärbeschaffungsbehörde Occar hätte wegen der Verspätungen schon zum 1. April aus dem A400M-Vertrag aussteigen können. Aber die Verteidigungsminister einigten sich auf ein Stillhalteabkommen. Es war zunächst bis Juni befristet. Später wurde eine Verlängerung bis Jahresende vereinbart. Mitte Oktober platzte ein Treffen der Verteidigungsminister zur A400M-Frage - angeblich wegen Terminschwierigkeiten. Nach der bisherigen Planung soll Deutschland 2014 mit vier Jahren Verspätung sein erstes Modell erhalten.
Airbus versucht gleichzeitig, auf Fortschritte bei dem Projekt zu verweisen. Nach Angaben aus Branchenkreisen sind die ersten Rollversuche für Mitte November geplant und der Erstflug für den 30. November oder Anfang Dezember. Airbus hat zugesagt, die ersten Modelle drei Jahre nach dem Erstflug auszuliefern. Als Übergangslösung werden den Ländern der kleine Transporter Casa 295 oder Airbus A330-Modelle angeboten.
  • Aus der FTD vom 03.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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