Die geplante Megafusion von EADS und BAE Systems zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern stiftet weiter Verwirrung. Die Deutsche Presse-Agentur hatte am Dienstag Vormittag gemeldet, die Fusion zwischen beiden Konzernen sei geplatzt, und sich dabei auf Personen berufen, die in die Gespräche eingebunden seien. Der Grund: Frankreich und Großbritannien konnten nicht über die Modalitäten des Zusammengehens einigen.
Ein Sprecher von EADS sagte dazu: "Das können wir nicht bestätigen." Vielmehr hätten sich Frankreich und Großbritannien in Gesprächen angenähert, so der Konzern. Es gebe erhebliche Fortschritte bei den Verhandlungen über die Begrenzung der Staatsanteile an dem geplanten neuen Konzern. Allerdings bleibe eine Einigung von Paris und London weiter abhängig von einer Übereinkunft mit der deutschen Bundesregierung, die weiter ausstehe, hieß es Kreisen zufolge.
In Berlin wird dem Vorhaben Kreisen zufolge kaum eine Zukunft beschieden. "Es sieht finster für die Fusion aus, weil es nach wie vor keinen Konsens der Regierungen gibt", hieß es aus Verhandlungskreisen. "Die Positionen sind die gleichen: Frankreich will sich prinzipiell das Recht sichern, den Anteil von Lagardère zu kaufen. Die deutsche Regierung will das Gleichgewicht mit Frankreich erhalten. Und die Briten wollen keinen staatlichen Einfluss."
Noch am Nachmittag wollten BAE-Systems-Chef Ian King und EADS-Chef Thomas Enders die Lage besprechen. "Danach werden sie zusammen mit den jeweiligen Verwaltungsräten der beiden Unternehmen den weiteren Gang der Dinge gemeinsam beschließen."
Bereits am vergangenen Freitag hatte es eine Zeit lang geheißen, die Gespräche zu einer 35-Mrd.-Euro-Megafusion seien geplatzt. Die Meldungen bestätigten sich nicht. Stattdessen gingen die Verhandlungen damals weiter.
Nach Bekanntwerden der dpa-Meldung vom angeblichen Scheitern der Fusion sprang die EADS-Aktie in Frankfurt auf ein Tageshoch von 26,86 Euro. Anschließend bröckelten die Gewinne aber wieder ab und stehen zur Stunde auf dem Stand vom Montag.
Zuvor hatte Invesco Perpetual, mit 13 Prozent der Aktien größter Anteilseigner des britischen Rüstungskonzerns, das Vorhaben öffentlich abgelehnt. Einige andere Großaktionäre schlossen sich daraufhin der Kritik an.
Am Mittwoch läuft eine Frist für die Transaktion ab. Bis zuletzt war offen, ob die von der britischen Wettbewerbsaufsicht gesetzte Frist verlängert wird. Parallel läuft das Treffen der Nato-Verteidigungsminister, also der größten Kunden der Rüstungssparte eines vereinigten Unternehmens. Eine Verlängerung der Frist gilt als denkbar, um für die komplizierten Verhandlungen Zeit zu gewinnen. Der britische Verteidigungsminister Philip Hammond sagte in Brüssel am Rande eines Treffens, es sei Sache der beteiligten Unternehmen zu entscheiden, ob sie eine Fristverlängerung bräuchten.
Zwar hat noch keiner der Aktionäre erklärt, dass er das Geschäft blockieren wird. Jedoch haben sich nach Informationen der Financial Times mindestens sechs der 20 größten BAE-Anteilseigner auf die Seite von Invesco gestellt. BAE benötigt voraussichtlich die Zustimmung von 75 Prozent seiner Aktionäre.
Einer der zehn größten BAE-Aktionäre hatte gegenüber der FT erklärt, man sei von Beginn an skeptisch gewesen, was den strategischen und wirtschaftlichen Nutzen einer Verbindung mit EADS anbelange. Das gelte speziell mit Blick auf den langfristigen Nutzen für die Aktionäre, mit Blick auf die Stellung von BAE in den USA und mit Blick auf das Risiko, dass sich die Regierungen Deutschlands und Frankreichs einmischen. Über ihre Beteiligungen kontrollieren Berlin und Paris EADS praktisch.
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Entscheidend war aber möglicherweise der Streit in der Politik. Die französische Regierung beharrt darauf, eine Beteiligung von mindestens neun Prozent an dem geplanten Konzern zu erhalten und die Möglichkeit, das Paket auf 13,5 Prozent aufzustocken. Auch die Bundesregierung hegt erhebliche Zweifel, was den Nutzen des Geschäfts anbelangt. Speziell stört sich Berlin an dem Vorschlag, dass der Firmensitz des neuen Unternehmens zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt werden soll.
Am Montag hatte Großbritanniens Verteidigungsminister wenig Hoffnung auf eine Einigung innerhalb der Frist gemacht: "Ehrlich gesagt, gehe ich nicht davon aus, dass es irgendeine Chance gibt, dass bis Mittwoch eine Vereinbarung steht", sagte Philip Hammond der BBC. Großbritannien könne allenfalls eine Beteiligung Frankreichs im einstelligen prozentualen Bereich akzeptieren, erläuterte Hammond. Später sagte der Minister, die Regierung in London sei bereit, einen gleichen Anteil für Deutschland und Frankreich in Erwägung zu ziehen.
Die Bundesregierung gab sich weiter zurückhaltend, machte aber immerhin deutlich, dass der Gesprächsfaden zwischen den Regierungen noch nicht endgültig abgerissen ist. Nach britischem Recht müssen die beiden fusionswilligen Unternehmen jedoch bis Mittwoch 18.00 Uhr deutscher Zeit darlegen, ob sie ihren Plan weiterverfolgen. Ohne Einverständnis der Politik droht das Vorhaben zu platzen. Sollten die Grundsatzfragen bis Mittwoch gelöst werden, gäbe es aber noch ausreichend Zeit, andere Themen wie die Verteilung der Standorte zu klären, sagte ein mit dem Verhandlungen vertrauter Diplomat.
Falls das Geschäft tatsächlich scheitert, stehe BAE vor einer sehr düsteren Zukunft, sagte Mike Turner. Er leitete das Unternehmen von 2002 bis 2008. Die Prognosen für das Kerngeschäft in Großbritannien seien düster, deshalb wäre BAE als eigenständiges Unternehmen in einer "nicht zu beneidenden Position", so Turner. Das Unternehmen würde "alleingelassen einen Abhang hinunter stolpern, bei nur sehr geringen Aussichten auf eine Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage", sagte Turner der FT. Er hatte BAE nach Meinungsverschiedenheiten mit dem derzeitigen BAE-Chairman Dick Olver verlassen.