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Merken   Drucken   13.09.2012, 08:49 Schriftgröße: AAA

Rüstungsindustrie: Boeing buhlt um deutschen Wehretat

Die Amerikaner betrachten sinkende Rüstungsausgaben in Europa als Chance für ihre alten Modelle.
© Bild: 2012 AFP/MASSOUD HOSSAINI
Die Amerikaner betrachten sinkende Rüstungsausgaben in Europa als Chance für ihre alten Modelle.
von Berlin

Boeing  -Manager Mark Ballew erwartet mittelfristig Transporthubschrauber-Bestellungen aus Deutschland. Die Frage sei nur, ob es sich dabei um eine Gemeinschaftsentwicklung mit der EADS  -Tochter Eurocopter handeln müsse oder um das bestehende Boeing-Modell CH-47 Chinook handeln dürfe. Die "fliegende Banane", wie der gebogene Hubschrauber mit zwei Rotoren genannt wird, werde durch Pentagon-Großaufträge immer billiger. "Wir haben Skaleneffekte, das hilft bei den Gesprächen", sagte Ballew am Mittwoch auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin.

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Der Fall zeigt, wie US-Konzerne von den Einschnitten in europäische Rüstungsetats profitieren könnten. Während die europäische Industrie versucht, die Militärs zu Neuentwicklungen zu drängen, tendieren die wegen knapper Budgets inzwischen zu Modellen, die es schon gibt. So zeigt der US-Hersteller General Dynamics  auf der Luftfahrtausstellung ILA in Berlin die Aufklärungsdrohne Predator B bereits mit Bundeswehr-Hoheitszeichen - obwohl es noch keine Festbestellung gibt. Die Drohne lässt sich auch bewaffnen.

Die Gespräche mit US-Vertretern auf der Messe zeigen, dass sie in den Kürzungen europäischer Rüstungsbudgets eine Chance sehen. Boeing-Hubschraubermanager Ballew versucht, das 50 Jahre alte Chinook-Modell attraktiv zu reden. "Es ist nicht die erste Generation, es ist die fünfte Generation, weil wir ständig verbessern", sagt er.

Technisch sind sie dennoch zweite Wahl. So präsentiert Eurocopter den Innenraum eines europäisch-amerikanischen Großhubschraubers mit Kabine aus Kohlefaserverbundwerkstoff. Bei 33 Meter Länge wäre der "Future Transport Helikopter" (FTH) mit 18 Tonnen Nutzlast viel leistungsfähiger als der Chinook. Bislang wird der FTH mit Boeing entwickelt. 2014/15 müsse sich der Bund entscheiden, welches Modell er haben will, wenn der FTH 2025 auf den Markt kommen solle, heißt es. Der neue Helikopter könnte eine Doppelzulassung für militärische und zivile Kunden bekommen.

Für Eurocopter-Chef Lutz Bertling verschiebt sich in Zukunft ohnehin die Priorität. Während früher die Militärs die Treiber neuer Technologien waren, könnten in Zukunft aus Militär-Helikoptern schnell Zivilmodelle abgleitet werden. Bertlings jüngste Erfahrungen mit dem Militär sind durchwachsen. In den Gesprächen mit dem Bund über die Abbestellung von rund 40 Transporthubschraubern NH-90 zeichne sich ein Kompromiss ab, weil als Teilausgleich zehn bis 15 Marine-NH-90 geliefert werden könnten.

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