Aus E-Mails, die die Financial Times einsehen konnte, geht hervor, dass Mike Paterson seine Vorgesetzten schon 2007 über Zahlungen informierte, die eine EADS -Tochter in Saudi-Arabien an ein Konto auf den Kaiman-Inseln leistete. Paterson war zum damaligen Zeitpunkt Controller bei GPT Special Project Management, einer Konzernsparte, die Überwachungs- und Kommunikationsgeräte liefert. Paterson wandte sich zunächst an den Geschäftsführer von GPT und an den Chef der GPT-Mutter Paradigm, die wiederum zu Astrium gehört, der Weltraumsparte von EADS.
Zwischen 2007 und 2010 äußerte Paterson wiederholt seine Bedenken. Dabei ging es um unklare Zahlungen auf die Konten von Simec International und Duranton International. Insgesamt flossen zwischen 2007 und 2009 rund 11,5 Mio. Pfund (14,6 Mio. Euro) auf die Kaiman-Inseln. Weiter hinterfragte Paterson, warum Mitglieder der saudi-arabischen Königsfamilie und des Militärs vier Fahrzeuge im Wert von 201.000 Pfund erhalten hatten und warum für die Miete einer Villa, die einem General der saudi-arabischen Nationalgarde gehört, 278.000 Pfund bezahlt wurden. Die Zahlungen waren Teil eines zwischenstaatlichen Programms, bei dem die Überweisungen von GPT durch den einzigen Kunden von GPT, das britische Verteidigungsministerium, bearbeitet wurden. Die Behörde wollte sich nicht äußern.
Als Paterson 2007 erstmals seine Bedenken vortrug, hatten die Aktivitäten von Rüstungsfirmen in Saudi-Arabien bereits heftige öffentliche Debatten in Großbritannien ausgelöst. 2006 führte der damalige britische Premier Tony Blair die nationale Sicherheit als Grund dafür an, dass er Ermittlungen des Serious Fraud Office (SFO) zu Schmiergeldzahlungen des britischen Rüstungskonzerns BAE stoppen ließ. Auch damals ging es um Rüstungsgeschäfte mit Saudi-Arabien. Das amerikanische Justizministerium belegte BAE später mit 400 Mio. Dollar Strafe, weil das Unternehmen die US-Regierung über Zahlungen an Subunternehmer belogen hatte.
2010 alarmierte Paterson Pedro Montoya, den Chief Compliance Officer von EADS, fühlte sich aber immer noch missachtet. In einer E-Mail vom Oktober 2010 schrieb Paterson: "Dass Pedro Montoya mich jetzt ignoriert, ist ausreichender Hinweis darauf, dass wir intern unsere Zeit verschwenden. Unsere Sorge um die Zukunft von EADS scheint größer als die der Führungsriege (von EADS)... Ich muss mich entscheiden, ob ich intern beharrlich bleibe, während ich mich zu Tode langweile, oder ob ich mich (...) an die Behörden wende."
Nachdem er zunächst damit drohte, sich mit dem Fall an das SFO zu wenden, wechselte Paterson stattdessen Ende 2010 auf einen anderen Posten bei GPT. Im Dezember 2010 floh jedoch der ranghohe GPT-Manager Ian Foxley aus Saudi-Arabien mit Beweisen für seine und Patersons Bedenken. Die Unterlagen übergab er Montoya und dem SFO.
Bei EADS wollte sich niemand zu den E-Mails äußern, aber das Unternehmen teilte mit, dass man mit dem Betrugsdezernat zusammenarbeite. Der Konzern hat Mitte 2011 eine interne Ermittlung eingeleitet, die bislang noch nicht abgeschlossen ist.