Am 1. Januar sollte Christopher Kubasik den Chefposten beim US-Rüstungskonzern Lockheed Martin übernehmen. Er galt als Idealkandidat für die Nachfolge des 61-jährigen Konzernchefs Bob Stevens. Doch Kubasik wurde mit sofortiger Wirkung gefeuert, nachdem eine Affäre des designierten künftigen Chefs mit einer Mitarbeiterin aus dem Konzern aufgedeckt wurde. Der scheidende Lockheed-Chef Stevens äußerte sich in einer Telefonkonferenz "schwer enttäuscht" über das Verhalten von Kubasik. An seiner Stelle soll die Managerin Marillyn Hewson die Führung des Konzerns übernehmen, der Amerikas modernste Kampfjets wie den Joint Strike Fighter F-35 entwickelt. Mit der 58-jährigen übernimmt erstmals eine Frau die Vorstandsspitze eines Top-US-Rüstungskonzerns.
Die Lockheed-Affäre kommt fast gleichzeitig mit dem Rücktritt des CIA-Chefs David Petraeus nach der Aufdeckung einer Beziehung zu seiner Biografin Paula Broadwell. Außerdem ist der Rücktritt des künftigen Lockheed-Chefs nahezu eine Doublette zu einer Affäre beim Lockheed-Konkurrenten Boeing. 2005 musste der damals 69-jährige Boeing-Chef Herry Stonecipher seinen Posten räumen, nachdem eine interne Beziehung mit einer Boeing-Mitarbeiterin aufgeflogen war. Diese Beziehung des damals noch verheirateten Stonecipher passte nicht in die Ethik-Vorschriften des Konzerns - so wie jetzt bei Lockheed.
Wie der noch bis Jahresende amtierende Lockheed-Chef Stevens sagte, gab eine bei Lockheed beschäftigte Person Ende Oktober den Hinweis auf die "nicht mit unseren ethischen Standards vereinbare Beziehung" von Kubasik. Daraufhin seien externe Ermittler eingeschaltet worden, die Nachweise für die Beziehung erbrachten. In einer außerordentlichen Sitzung des Verwaltungsrates wurde Kubasik mit den Ergebnissen konfrontiert und ihm der Rücktritt nahegelegt, den er annahm. Auch die Person, zu der Kubasik eine Beziehung hatte, habe die Firma verlassen.
Der Lockheed-Chef Stevens lobte ausdrücklich das Verhalten von Mitarbeitern, wenn sie Vorfälle melden, die nicht im Einklang mit den Standards der Firma stehen.
Die künftige Lockheed-Martin-Chefin Hewson arbeitet seit fast drei Jahrzehnten bei dem US-Rüstungskonzern. Seit knapp zwei Jahren steht sie an der Spitze der wichtigen Sparte Rüstungselektronik und wurde im Januar zum Konzern-COO berufen, ist also bereits seit knapp einem Jahr für das Tagesgeschäft des Konzerns mit 120.000 Beschäftigten und gut 47 Mrd. Dollar Umsatz verantwortlich.