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Merken   Drucken   01.01.2012, 21:00 Schriftgröße: AAA

Schadenersatzklage: Fonds wollen 2 Mrd. Euro von Porsche

Dem Hersteller droht eine neue Schadenersatzklage: Nach der verlorenen Übernahmeschlacht um VW will eine Gruppe Investmentfonds vor Gericht ziehen. Sie werfen Porsche Geheimniskrämerei mit gravierenden Folgen vor.
Mehrere Investmentfonds wollen mit einer neuen Klage gegen den Sportwagenbauer Porsche  Schadenersatz von fast 2 Mrd. Euro erstreiten. Hintergrund ist der gescheiterte Versuch Porsches, 2008 den viel größeren Volkswagen-Konzern   zu übernehmen. Die Dachgesellschaft Porsche SE habe ihre Strategie zunächst verheimlicht und auf diese Weise später Kursturbulenzen verursacht, hieß es am Samstag in der Mitteilung einer Frankfurter Kanzlei. Ähnliche Vorwürfe gegen Porsche wurden schon mehrfach von Aktionären vor Gericht geltend gemacht.
Kursinformationen und Charts
  Volkswagen 130,55 EUR  [-3.9 -2,90%
  Porsche 41,47 EUR  [-0.25 -0,60%
Eine Sprecherin sagte, die Klage sei am Freitag beim Landgericht Stuttgart eingereicht worden. Welche Anteile die insgesamt sieben angelsächsischen Investmentgesellschaften - darunter auch Hedge-Fonds - genau hielten, konnte sie nicht sagen.
Ein Porsche-Sprecher sagte, das Unternehmen kenne die Klage bislang nicht. Darüber hinaus sagte er: "Wir halten die Vorwürfe für unbegründet." Diese Position vertrete der Autobauer seit Jahren, daran ändere auch eine neue Klage nichts. Zu Details wollte er sich nicht äußern. "Wir warten erstmal darauf, dass uns die Klage zugestellt wird." Das Gericht war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Die Schwaben hatten sich bei dem Versuch, den viel größeren VW-Konzern zu übernehmen, verhoben und zunächst 11 Mrd. Euro Schulden aufgetürmt. Später drehte sich die Situation um: Porsche soll als eigene Marke vollständig in den VW-Konzern integriert werden. Die ursprüngliche Fusionslösung rückt aus rechtlichen Gründen jedoch in immer weitere Ferne.
Galerie Nissan Skyline - der Porsche-Schreck
Bei der Klage geht es vor allem darum, dass Porsche erst angeblich Informationen zum Einstieg bei Volkswagen verheimlicht hatte und dann mit der plötzlichen Veröffentlichung eine extreme Kurssteigerung durch sogenannte Eindeckungskäufe auslöste. Die Klage legt laut Mitteilung dar, wie die Porsche-Holding "den Preis der VW-Stammaktien kontrollierte, indem sie heimlich Optionspositionen aufbaute, die nahezu die gesamten frei handelbaren VW-Stammaktien erfassten".
In den USA und Deutschland liegen im Zusammenhang mit der Übernahmeschlacht weitere Klagen vor. Die Sprecherin der Kanzlei sagte, einige der nun klagenden Fonds seien auch in Amerika vor Gericht gezogen. Der Vorwurf lautet stets: Enorme Kursturbulenzen aufgrund von Manipulationen und Täuschungen sollen Anleger um Millionenbeträge gebracht haben. In Stuttgart ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem gegen ehemalige Porsche-Manager.
Vor wenigen Monaten erst war eine Schadenersatzklage von Anlegern gegen Porsche und VW bei den Stuttgartern eingegangen. Dabei geht es nach Angaben der Münchner Kanzlei CLLB um Ansprüche von knapp 1,1 Mrd. Euro. Mit dem Verfahren beschäftigt sich das Landgericht Braunschweig.
Nach Angaben der Sprecherin der Frankfurter Kanzlei blieb der Gruppe der sieben in Stuttgart klagenden Fonds kaum noch Zeit, die Klage einzureichen. "Das war nur noch in diesem Jahr möglich", sagte sie kurz vor dem Jahreswechsel.
Vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht wird seit Mitte Dezember zudem eine Aktionärsklage des Vereins "Verbraucherzentrale für Kapitalanleger" gegen die Porsche-Dachgesellschaft verhandelt. Der Prozess spielt zwar eher eine untergeordnete Rolle. Trotzdem versprechen sich die Gegner der Holding eine Signalwirkung für die weiteren Auseinandersetzungen.
Porsche will seinen Absatz in diesem Jahr um mehr als 6,5 Prozent im Vergleich zu 2011 steigern. Das sagte Vertriebs- und Marketingvorstand Bernhard Maier der Zeitschrift "Automotive News Europe". Porsche sei auf Unsicherheiten an den Märkten "sehr gut vorbereitet und kann einen Auf- oder Abschwung in einem gewissen Rahmen abfedern".
Auch das Händlernetz solle ausgebaut werden. 2011 sei das beste Jahr in der Geschichte des Unternehmens gewesen, sagte Maier: Die Auslieferungen würden bei mehr als 115.000 Einheiten liegen und damit den bisherigen Absatzrekord von 103.000 Auslieferungen im Jahr 2007 übertreffen.
07:32:21 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Volkswagen 130,55 EUR   -2,90%  -3.9
Porsche 41,47 EUR   -0,60%  -0.25
  • dpa, 01.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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