Im November hatte die Werft Insolvenz angemeldet. Sietas ist ein neues Opfer eines alten Dilemmas im Schiffbau: Um Aufträge zu bekommen, braucht eine Werft Kredite. Um Kredite zu bekommen, braucht sie Eigenkapital. Und um Eigenkapital zu bekommen, braucht sie Aufträge - niemand investiert in ein Unternehmen, das keine Zukunftsperspektive, kein volles Orderbuch hat. Ein Teufelskreis.
Um ihm zu entkommen, richtet ihr Chef Rüdiger Fuchs die Werft neu aus. Die kleine, 375 Jahre alte Werft soll wettbewerbsfähig werden gegen die Konkurrenz aus Asien und die Hunderten verzweifelten Rivalen in Europa. 1966 baute Sietas den ersten deutschen Containerfrachter - und 2009 den letzten. Unter Fuchs soll sich die Werft auf Spezialschiffe konzentrieren, Schwimmbagger, Schwergutfrachter, Fähren und vor allem Schiffe, mit denen man Offshore-Windparks errichten und warten kann.
Van Oord hatte bereits Ende 2010 ein Offshore-Windkraft-Transport- und Installationsschiff bei Sietas entwickeln und bauen lassen - das machte Sietas zur ersten deutschen Werft mit einem solchen Offshore-Auftrag. Bislang sind die Offshore-Aufträge, in die die angeschlagenen deutschen Werften große Hoffnungen setzten, fast ausschließlich nach Asien gegangen.
Sietas ist Architekt der Schiffe für Van Oord und liefert den Offshore-Kran durch die zur Firma gehörende Neuenfelder Maschinenfabrik. 2010 platzierte Van Oord bereits eine Option auf ein zweites Schiff desselben Typs. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Das erste Hubschiff soll im September ausgeliefert werden.